Immer im Takt,
immer im Takt.
Bloß nicht taktlos,
ohne Takt
kein Rhythmus.
Rhythmisches Takten,
taktloser Rhythmus,
aus dem Rhythmus gebracht,
aus dem Takt geworfen –
erst vorgeworfen,
dann weggeworfen.
© Rolf Höge
Immer im Takt,
immer im Takt.
Bloß nicht taktlos,
ohne Takt
kein Rhythmus.
Rhythmisches Takten,
taktloser Rhythmus,
aus dem Rhythmus gebracht,
aus dem Takt geworfen –
erst vorgeworfen,
dann weggeworfen.
© Rolf Höge
Wer sagt denn, etwas müsse so sein, wie es zu sein hat? Kennst du ein Gesetz, ein Regelwerk oder zumindest eine Gesetzmäßigkeit, die verbindlich festlegt, wie Dinge zu sein haben, damit sie so sind, wie sie zu sein haben?
Du willst, dass ich aufhöre zu philosophieren, weil du das nicht mehr hören willst, weil du nicht mehr diskutieren willst über die Dinge?
Es liegt doch auf der Hand, wie etwas ist, das weiß doch jeder, sagst du. Jeder weiß, wie etwas zu sein hat. Und wenn er es doch nicht weiß, dann kann er es ja lernen, wie es zu sein hat, meinst du. Und dann ist es eben so, wie es ist, und wahrscheinlich ist es dann auch so, wie es zu sein hätte, vorher und danach auch wieder, nachdem es dann gelernt wurde. Dann ist es wieder so, wie es zu sein hat.
Alles kann man lernen, auch wie die Dinge sind, kann man lernen. Das sieht man doch, das muss man nur annehmen, sagst du.
Vielleicht können aber nicht alle annehmen, wie es für dich zu sein hat, weil sie es anders beigebracht bekommen haben, wie etwas zu sein hat? Wie ist es denn dann, wie wäre es denn dann, wie hätte es denn dann so zu sein, wenn jemand sagt, etwas müsse so sein, wie es zu sein hat? Ist es dann so wie es ist oder wieder bloß, wie es zu sein hat? Wer weiß das schon, wenn niemand festgelegt hat, wie etwas sein muss, damit es so ist, wie es zu sein hat.
© Rolf Höge
dimm dich
strahlkräftiges lächeln
krümmt den rücken
positivgetöse
in ohren gebrüllt
raubt die stimme
tränenlos raumverdrängend
diese nebelworte
lebendig geht anders
auf dem klo
ist platz
fürs menschsein
(c) Rolf Höge
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Stell dir vor, aus irgendeinem Grund kommst du von deinem Weg ab und läufst mitten hinein in ein weites Feld aus Kot und Abfall, einem stinkenden Sumpf, der die Beine schwer macht und Kraft kostet. Doch du gehst weiter und mit jedem Meter nimmst du diesen beißenden Geruch nicht mehr so wahr, bis er schließlich ganz verschwindet. Du marschierst zielstrebig geradeaus und irgendwann wird das Gehen auf diesem Weg für dich zur Normalität. Plötzlich begegnen dir Menschen. Du spürst, sie wollen dich von irgendetwas wegholen, dir etwas zeigen, und sie rufen dir zu, es gebe noch einen anderen Weg ganz in der Nähe. Sie verstehen nicht, weshalb du die Nase rümpfst und verbittert im Gestank läufst.
Und da machst du sie zu deinen Gegnern, die dich vom Weg abbringen wollen, der doch deiner ist. Gegner, die dich belehren wollen, dir ihre Wahrheit überstülpen wollen. Und Recht hast du, es ist dein Weg, du hattest dich einmal dafür entschieden, ihn zu gehen, dann aber vergessen, dass du ihn eigentlich nie gehen wolltest. Von da an hast du alles vermieden, die Richtung wieder zu ändern, unterdrücktest jede aufkommende Übelkeit, nahmst den Gestank von Kot in Kauf und rechtfertigtest dies in deinen Gedanken für dich so lange, bis dieser Weg für dich zur Normalität geworden ist.
Du wirst diese Normalität kaum verlassen können, so lange du nicht vertraust, dass da noch etwas anderes existiert für dich, etwas, was du kennst, irgendwie fühlst, aber nicht mehr benennen kannst. Solange du ausgestreckte Hände als Bedrohung interpretierst und Menschen, die von einer anderen Realität, einem anderen Weg, einem anderen Leben erzählen als Gegner verstehst, wirst du weiter in der Kloake laufen, womöglich irgendwann erwachen und um dich herum stinkt es.
Manchmal bedarf es eben eines Stück Vertrauens. Menschen, die dir so im Laufe der Zeit auf dem eingeschlagenen Lebensweg begegnen, können Impulse sein, einmal etwas anderes auszuprobieren. Du musst nicht auf ihren Wegen wandeln, eher vielleicht dein Feindbild vom Gegner für dich neu überdenken.
Und dann hör in dich hinein, schule dich im Fühlen und vielleicht wirst du da etwas hören oder empfinden, was dir zuflüstert: „Vertrau!“Manche nennen das Glauben andere Urvertrauen und wieder andere Wissen, mit dem Verstand kaum zu begreifen, denn es scheint ‚höher als alle Vernunft‘.
(c) Rolf Höge

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Spargelstangen werden geschnitten. Dann hat die Familie mehr davon mit weißer Soße und Kartoffeln dazu. Die Augen blicken rüber zur Mutter, erwartungsvoll und wissend. Sie legt den Kotelettknochen auf seinen Teller, damit er dem Vater nacheifern kann. Schnell legt er die Händchen um den panierten Stiel, knabbert mit den Mäusezähnchen, schaut nach Papa und fühlt sich groß und stark wie er.
Neben ihm die große Schwester am Tisch, die sich anschickt, der Mutter etwas von ihrem Fleisch abzugeben, weil Mama kaum noch etwas auf ihrem Teller liegen hat. Lächelnd von der Mutter zurückgewiesen mit sanftem, dankbaren Blick zur großen Tochter.
Mamas Worte hört er zur Schwester geflüstert: „Da lernt er etwas, der Bub.“ – Er versteht nicht, was er lernen soll. Das Nagen vielleicht, das Abnagen, bis nur noch blanker Knochen übrigbleibt, ohne ein Fetzchen Fleisch daran. „Fleischlos wie Skelette in der Wüste muss der Knochen aussehen“, sagt Papa immer, der Krieger, der Mann, der Arbeiter.
Gerade heute fällt ihm das wieder ein, steigt die Erinnerung in ihm auf, im großen Buben, der nun selbst schon sechs Jahrzehnte in dieser Welt lebt. Gerade heute, als vor ihm im Supermarkt dieser junge Mann zur Kassiererin sagt, er spreche nur Englisch. Ein Schnittbrot und einen Joghurt will der Mann kaufen. Lässt dann alles liegen an der Kasse, weil die EC-Karte nicht funktioniert und verlässt den Markt.
Damals kleiner Junge, heute Großer Bub sucht er draußen den jungen Mann, kann ihn erst nicht finden, fährt die Umgebung ab, sieht dann später den Fremden in der Waldhofstraße mit ruhigem, aber strammen Schritt gehen, die Hände in den Hosentaschen vergraben als sei das Gehen vertraut und geübt.
Er lächelt, dieser junge Mann, als Großer Bub neben ihm hält und ihn zum Auto winkt:
“I’m sorry. I’don’t speak German.“
„I know“, antwortet Großer Bub. „Go back and buy this bread. – Geh’zurück und kaufe das Brot.”
Und das fremde, junge Gesicht strahlt mit dem 5-Euro-Schein in der Hand.
Vielleicht hat er etwas gelernt, damals von der Mama, der Bub.
© Rolf Höge
kunsten
ein klein wenig
bisschen
und klein eben
kommt
kaum mehr
grosses raus
für dich
für mich schon /rh
Ich habe rasende Kopfschmerzen, als ich aufwache. Meine Lippen sind heiß und aufgesprungen und ich spüre den Brand im Mund.
Die Nacht oder besser die wenigen Stunden, in denen es noch dunkel war, habe ich auf der Wohnzimmercouch zugebracht. Fürs Bett hat es nicht mehr gereicht, nach diesem Rausch.
Ausgeschlafen bin ich nicht. Mein Körper ist müde und erschöpft, aber das Gehirn findet keine Ruhe. Wortfetzen klingen in meinen Ohren, Erinnerungen steigen bruchstückhaft auf, wechseln sich ab, ziehen vorbei. Bilder, Abläufe, Blitzlichter im Kopf: Gedankenflattern, nenne ich das.
Mit der rechten Hand lange ich hinüber zu dem kleinen Glastisch neben der Couch, der immer häufiger als Müllhalde missbraucht wird. Den Rest aus einer Bierflasche schütte ich gierig in mich hinein.
Irgendwo auf dem Tisch ertaste ich eine Filterzigarette. Langsam, mit Rücksicht auf meine Kopfschmerzen, stehe ich auf.
Mir ist speiübel. Kaffee, denke ich, während ich mir die Zigarette anzünde.
Aus dem Spülbecken in der Kochnische stiert mich der Abwasch mehrere Tage an. Aber mit dem Kopf ist an Abwasch wieder einmal nicht zu denken. Da geht gar nichts!
Zwischen ein paar Tellern mit eingetrocknetem Kartoffelbrei und verhärteten Nudeln finde ich eine Tasse und spüle sie unter fließendem Wasser aus.
Dann setze ich den Kaffee auf. Wenn wenigstens noch eine Flasche Bier im Hause wäre!
Ich bekomme langsam Magenschmerzen und quäle mich ins Bad. Mir wird sofort schwindelig, als ich mich in die Toilettenschüssel übergebe.
Kalter Schweiß läuft mir über den Nacken. Ich habe Schüttelfrost und zittere wie Espenlaub. Meine Haare glänzen vor Nässe und ich spüre wieder den altbekannten Druck in der linken Bauchseite unterhalb des Rippenbogens.
Während meine flatternden Hände am Waschbecken Halt suchen, ziehe ich mich vorsichtig hoch.
Rotunterlaufene Augen starren mich aus dem Spiegel an. Ich drehe den Wasserhahn auf, forme meine Hände zu einer Mulde und tauche das Gesicht in das Wasser, das sich darin sammelt. Es tut gut, wenn die Wangen gekühlt werden!
Weil ich kaum Luft bekomme, atme ich mit geöffnetem Mund, als ich merke, dass sich mein Durchfall wieder meldet. Seit ungefähr zwei Monaten bekomme ich immer häufiger Durchfall. – Scheiß Leber!
Die allmorgendliche Prozedur im Bad dauert fast eine halbe Stunde.
Dann schlürfe ich im Wohnzimmer meinen Kaffee, die Tasse mit beiden Händen festhaltend, zwischen leeren Bierflaschen und auf dem Tisch ausgedrückten Zigarettenkippen. Mir ist elend heiß!
Ich wühle aufgeregt in den Taschen meiner Jeans. Gestern war ich nicht einmal mehr in der Lage, die Hosen auszuziehen.
Ich suche nach einer Schmerztablette. Wenn schon kein Bier mehr da ist, dann zumindest eine Schmerztablette. – Ich finde keine!
Doch als ich die Zigarette im Ascher ausdrücken will, sehe ich neben einer zerknüllten Zigarettenpackung etwas Kleines, Rotes liegen: eine X-112.
X-112 ist ein Appetitzügler, den es früher in Tropfenform gab. Heute erhält man die Tropfen nur noch auf Rezept. Die Dragees hingegen kann man so kaufen. Ich nehme sie jetzt schon fast zwei Jahre regelmäßig. Natürlich nicht, weil ich gerne abnehmen möchte, ich habe ja nur noch 57 Kilo, sondern weil sie ganz schön anturnen.
Man bekommt ein herrliches Kribbeln auf der Kopfhaut und fühlt sich echt gut drauf. Wenn ich ein paar X-112 genommen habe, fange ich an zu reden und zu reden.
Drei bis vier Tabletten, mit einer Cola oder Kaffee genommen, sind gerade richtig, damit ich fit werde. Und das mehrmals am Tag!
Manchmal könnte ich schreien! Ich komme von dem Zeug nicht mehr los!
Von Fixern wird X-112 manchmal als Ersatz genommen. Sie kratzen einfach die Lackschicht der Dragees ab, kommen damit an die reine Substanz, lösen diese in Wasser auf und dann wird es gespritzt.
Soll immer noch besser als ein schlechter Schuss sein, hat mir ein Kenner gesagt.
Ich schlucke also die einzige Tablette, die ich gefunden habe und trinke den restlichen Kaffee aus. Dann ziehe ich meine Stiefel an. Seltsam, die hatte ich ausgezogen. Dann verlasse ich mit dreißig Mark, die ich noch besitze, die Wohnung.
Auf der Straße blendet mich die Sonne. Es wird ein heißer Tag werden, denke ich. Da wird heute einiges los sein im Park.
Im Park ist ein Kiosk. Da treffen wir uns fast jeden Tag. Wir, das sind fast alle Alkoholiker aus dem Wohngebiet.
Ich glaube, ich bin einer der wenigen von denen, die noch nicht im Knast waren und wohl der einzige, der noch seine Arbeit hat. Die möchte ich auch nicht verlieren. Ich bin froh, ein paar Tage frei zu haben, sonst hätte ich mich heute Morgen wieder krankmelden müssen, weil ich viel zu spät aufgewacht bin. Und im Betrieb machen die das nicht mehr lange mit.
Aber für den Kiosk ist es noch zu früh. Er öffnet erst mittags und ich brauche j e t z t etwas zu trinken. – Oder zumindest Tabletten.
Ich wohne in der Nähe einer Kaserne. Nicht weit davon ist eine kleine Kneipe. ”Zur kleinen Kaserne” heißt sie. Neben Amerikanern verkehren dort hauptsächlich die Typen aus dem Park. Ich weiß, Roland, so heißt der Wirt, macht um neun Uhr auf. Eine halbe Stunde noch. Diese Zeit muss ich überbrücken.
Also liegt mein nächster Weg schon fest: die Apotheke ist nur zwei Gehminuten von meiner Wohnung entfernt.
Dem Apotheker scheint es gleichgültig zu sein, wenn ich alle paar Tage X-112 verlange, obwohl ich schmal wie ein Handtuch bin.
Unterwegs geht die übliche Rechnerei los. Dreißig Mark habe ich. Davon gehen zwanzig weg für die Tabletten und vier Mark für Zigaretten. Mir bleiben also noch sechs Mark. Das reicht gerade für zwei ”Halbe” Bier, was natürlich nicht genug ist. Aber wenn der Kiosk heute Mittag öffnet, kann ich bei Anita bestimmt auf Kredit trinken. Sie weiß, dass sie das Geld irgendwann wieder bekommt. Und ich werde bestimmt als erster im Park sein.
Nachdem ich mir in der Apotheke die Tabletten besorgt habe, schlucke ich gleich drei davon und gehe dann Richtung ”kleine Kaserne”. Ich komme gerade richtig, als Roland das Lokal aufschließt.
Das erste Bier trinke ich in zwei großen Schlucken und bestelle gleich das zweite. Dann geht es etwas langsamer. Ein Bier kostet zwei Mark vierzig. Für das dritte Bier fehlen mir also noch eine Mark und zwanzig Pfennige. Und Roland gibt nichts auf Kredit.
Ich schwätze belangloses Zeug mit Roland und nach zwanzig Minuten ist mein Bier leer.
Doch ich habe Glück. Roland scheint heute seinen gutmütigen Tag zu haben und gibt einen Asbach aus. – Ein Hütchen, wie wir sagen.
Nach dem Hütchen will ich gerade gehen und irgendwo einen Kumpel aufreißen, der Kohle hat, als Andreas zur Türe hereinschwankt. Er hat schon einiges geladen, also hat er Geld! Ich haue ihn sofort an, ob er einen ausgibt, und Andreas gibt einen aus!
Wie sich dann herausstellt, kommt er mit hundertvierzig Mark Sozialhilfe direkt vom ‘Sozel’, dem Sozialamt.
Ich weiß, was das für uns bedeutet: bis zum Nachmittag werden wir davon mindestens hundert Mark nass gemacht haben. Wir werden beide stockbesoffen sein. In den Park werden wir heute nicht gehen. Und die restlichen vierzig Mark werden wir auch noch loswerden.
Und morgen? Morgen? Na ja. – Wenn ich morgen aufwache, werde ich rasende Kopfschmerzen haben und heiße aufgesprungene Lippen. Ich werde den altbekannten Druck in der linken Bauchseite spüren, und mein Durchfall wird sich wieder melden. Mein Körper wird müde und erschöpft sein, das Gehirn keine Ruhe finden.
Bilder, Abläufe, Blitzlichter im Kopf:
Gedankenflattern, nenne ich das…
lockt der vogel
mit dem schnabel
früh im wald die vogelin
spüre ich
von kopf bis nabel
darin liegt des dichtens sinn
erscheint die ferse
mir im verse
fühl ich wohl die reimreserve
brodelnd heiß in meinem kopf –
erschafft den fuß und auch den kuss
weil’s sich eben reimen muss
erscheint die ferse
mir im verse
spür‘ ich wohl die reimreserve
brodelnd heiß in meinem kopf
klumpt zum wort-und-satz-eintopf
erschafft den fuß und auch den kuss
weil’s sich wieder reimen muss
(c) rh
In sozialen Netzwerken, wie beispielsweise Facebook, erlebe ich immer öfter Menschen, deren Fokus gezielt auf Negativem liegt: user, die vor aufgebauschten Feindbildern erzittern. Positives wird übersehen, ignoriert oder umgedeutet. Wer die Werte unserer Verfassung vertritt und die Menschwürde achtet, gilt als Arschloch, Depp oder als Blinder und Tauber, der nicht lesen und hören kann. Wer die Werte unserer Verfassung aber mit Füßen tritt, Todesstrafen fordert, Fremde aufhängen will, Lügen zu angeblichen Straftaten verbreitet, Zäune hochziehen will, vor denen dann Menschen absaufen, betrachtet sich in der heutigen Zeit als anständiger, deutscher Patriot.
Politiker springen kurz vor den Wahlen auf den „Es-reicht- Zug“ auf und posaunen Forderungen hinaus, die sich entweder gar nicht erfüllen lassen oder eben nur mit Maschinengewehren an Grenzzäunen. Zielgruppe bleibt dabei stets das mit einfachen, naiven Schlagzeilen und Parolen hirngewaschene Stimmvieh.
Ich stelle für mich fest, in diesen Netzwerken offensichtlich in „die falschen Kreise“ geraten zu sein oder mich darin naiver Weise sogar schon Jahre befunden zu haben. Rassismus und Neofaschismus wird von Rechtspopulisten oder naiven Nachplapperern nicht nur gefördert und verbreitet, sondern sie wirken auf manche ähnlich einem Lebenselixier, das einen selbst über andere erhebt, scheinbar wertvoller macht und dazu dient, in der Gemeinschaft von Hetzern und Brandstiftern sein eigenes Herrenmensch-Gefühl zu pflegen. Eine veröffentlichte, geschmacklose Fotomontage der Kanzlerin, wie sie nackt ‚von hinten‘ den Beischlaf mit einem dunkelhäutigen Menschen vollzieht, zeigt die intelligenzfreien Auswüchse eines sexistischen, deutschen Rassismus. Von der Presse öffentlich verwendete Ausdrücke wie „Schwarzafrikaner“ in Täterbeschreibungen werden applaudiert und toleriert. Man kennt die vermeintlichen Täter zwar nicht, schließt aber die Augen vor der versteckten, neuen deutschen „Negermentalität“. –
Ich wurde gelehrt, mich gegen jede Form von Neofaschismus zu Wort zu melden. Das tun mir in sozialen Netzwerken zu wenige der demokratischen Weggucker, da wünsche ich mir etwas mehr Zivilcourage von Bürgern, die in einem sozialen Rechtstaat aufgewachsen sind, dessen Werte vermittelt bekommen haben und die Vorteile dieses Staates genießen. Die Gelassenheit, wie sie ein ‚alter Kumpel‘ von mir aufbringt und dann einfach ‚weiter geht‘, kann ich zu diesen Themen leider nicht aufbringen.
Ist es Resignation, wenn ich mich daher aus diesen sozialen Netzwerken für einige Zeit zurückziehe? Nein, wohl eher ein Atemholen, ein Besinnen auf die eigene Gesundheit, um wieder Lebendigkeit und Kraft zu schöpfen.
(c) Rolf Höge