Wutbürger

Nach langem Schlaf,

nach stetem Schweigen,

zur Wut, zum Schreien

aufgeweckt,

die Hand zum Gruß

hoch in die Sonne.

 

Am Morgen.

 

Es triumphiert

die elitäre Sonne,

wenn sie Gefährlichkeit,

Wahrhaftigkeit verbirgt,

mit ihrem Glanz

dich trunken macht

und du nur Wärme,

keine Hitze spürst.

 

Am Mittag.

 

Nach ihrem Untergang

vielleicht

magst du erkennen,

wie sie durch Wut geblendet

und Herz und Seele dir verbrannt.

 

Am Abend.

 

Vor dieser dunklen, langen Nacht,

im Schweigen,

das Vergessen schenkt,

als hätt‘ es niemand dir gesagt.

 

Rolf Höge

 

 

Die Pest herrschte nicht in Europa

(Zur Verwendung als Fake-News für Besorgte oder Störche)

Dass in Europa von 1346 bis 1353 die Pest herrschte, ist ein Märchen. Tatsächlich herrschte in Frankreich Philip IV, in England Eduard III und im Heiligen Römischen Reich Karl IV

Überhaupt weiß man seit 1934, dass die Pest nur von einem Schiff bekannt war, das vor der Insel Madagaskar lag. (Man beachte in meiner Schreibweise das ‚Doppel-S‘ nach dem ersten Komma und das einfach S nach dem zweiten Komma. Ich mag eben Kommata mit ihren unterschiedlichen Bedeutungen, Kommas hingegen mag ich weniger).

Gut, also dieses besagte Schiff lag irgendwann vor Madagaskar und hatte die Pest an Bord. Nicht etwa die Mannschaft hatte die Pest an Bord, sondern das Schiff. Wie das Seefahrzeug (ich mag auch meine Eloquenz!) dies nun genau bewerkstelligt hatte, bleibt Anfang der 1930er Jahre noch weitgehend unklar. Man weiß lediglich, dass Wasser in Kübeln, Fässern oder Kesseln faulte und täglich „einer“ – wer immer das war – über Bord ging. Wir gehen heute davon aus, dass dieser „einer“ bereits tot war. Unklar ist jedoch wiederum, wie er unlebendig „über Bord gehen“ konnte.

Angefangen damit hatte ein gewisser Herr Langbein oder der lange Hein, dieser soll der erste gewesen sein, dem dann wiederum täglich „einer“ folgte.

Wie dem auch sei, jedenfalls kam irgendwann ein Schiff an besagtem Seefahrzeug vorbei und konnte keine Schreie der Toten hören, was durchaus verständlich ist. Unverständlich allerdings mag erscheinen, dass jemand von den Toten aufs weite Meer hinausblickt und an ein kleines Mädchen denkt, dass er sich herbeiwünscht, weil er es einmal so heiß geküsst habe. Allein diese Aussage mag doch dem verständigen Europäer die Unsinnigkeit einer Pest im Mittelalter verdeutlichen: Wenn 1934 jemand auf sein Mädchen wartet – auch, wenn er tot ist – dann wäre dieses Mädchen, sofern man die Pest im Mittelalter ansiedeln wollte, etwas über 600 Jahre alt.
Selbst das Dritte Reich dauerte nur 12 Jahre und niemand – weder aus dem ersten noch dem zweiten Reich – hätte die Geduld aufgebracht, so lange auf ein Mädchen zu warten, das man nach 600 Jahren kaum noch erkannt hätte. Nicht einmal die Zerstörung des Tausendjährigen Reiches erst an dessen Ablauf, konnte man in Deutschland abwarten, sondern legte schon innerhalb der ersten 12 Jahre alles in Schutt und Asche.

Zusammenfassend mag man festhalten: Die Pest herrschte nicht in den Straßen Deutschlands, sondern verweilte an Bord eines Schiffes, das vor Madagaskar lag. Schon dies alleine sollte Grund dafür sein, die Geschichte umzuschreiben.

rh

 

Andere Texte, manchmal ernst, manchmal heiter finden Sie auch auf meiner Homepage

 

Wenn Worte berühren

Heute erschien mein Gedichtband „Wenn Worte berühren – lebendige Gedichte“ bei epubli und  wird in spätestens zwei Wochen auch über Amazon zu beziehen sein. ISBN: 978-3-748520-38-2

Wie kam ich dazu, dieses Büchlein mit „lebendigen Gedichten“ zu veröffentlichen? Das erfahrt ihr  hier in meinem Vorwort aus dem Buch:

Mein Gedicht Wenn ich die Worte hätte steht Pate für den Titel dieses Buches. Die Zeilen entstanden in Bad Dürkheim, während eines Klinikaufenthaltes, bei dem ich mich von den Folgen eines medizinischen Eingriffes erholen musste.

An einem hellen Herbsttag saß ich um die Mittagszeit am Fenster meines Zimmers. Der weiße Vollmond thronte scheinbar zum Greifen nahe immer noch am wolkenlosen Himmel. Das war der Zeitpunkt, an dem dieses Gedicht entstand, es war auch der Moment, an dem ich beschloss, mich wieder auf das Schreiben und überhaupt auf kreative Momente abseits meines beruflichen Alltages zu besinnen.

Meine berufliche Tätigkeit, eingebettet in Nachtschicht und Wochenendarbeit, hatte über Jahrzehnte mein Leben bis zum Herzinfarkt und der sich daran anschließenden Operation bestimmt. Kreatives Schaffen war einem steten Kreislauf von Pflichtbewusstsein, Anstrengung und Schlaflosigkeit gewichen. Aber der weiße Mond am Tageshimmel zeigte mir an jenem Tag sinnbildlich, dass da etwas in mir ist, was sich wieder Geltung verschaffen wollte und was ich nicht einfach zur Seite schieben konnte.

Viele Jahre zuvor wirkte ich in Schreibwerkstätten und Literaturgruppen mit, veröffentlichte ein paar Texte in Anthologien und einer Mannheimer Tageszeitung, aber dann holte mich der Arbeitsalltag komplett ein, er überholte mich regelrecht und übernahm die Führung in meinem Leben.

Damals in Bad Dürkheim blieben mir noch fünf Jahre bis in den vorgezogenen Altersruhestand und noch weitere zwei Jahre bis in die Rente. Höchste Zeit also, mich nicht mehr so sehr mit der Vergangenheit auseinanderzusetzen, sondern sie eher als Warnung zu verstehen, mich wieder nach innen zu wenden, meinen kreativen Gedanken wieder Raum zu verschaffen. Vergangene Zeiten mahnen mich, doch will ich nicht in Zeiten fliehen, heißt es in einem meiner anderen Gedichte.

Ich kramte ältere Texte hervor, arbeitete sie erneut durch und wandte mich stetig wieder dem Schreiben von Gedichten und Kurzprosa zu. Schicht- und Wochenendarbeit führen weg vom allgemeinen kulturellen Leben. Wer aber am Leben teilhaben will, muss daran teilnehmen, darf nicht nur außen stehen, um die eigene Geschicke zu betrachten. In der Teilnahme erst fühlen wir uns lebendig. Mit jedem kleinen, kreativen Schritt, den ich heute gehe, spüre ich das mehr denn je.

Mit diesem Büchlein fasse ich einerseits Gedichte zusammen, von denen ich annehme, dass sie das Potenzial besitzen, zu berühren oder zumindest zum Nachdenken anzuregen. Andererseits möchte ich gerne auch zum Schmunzeln einladen. Diese Auswahl stellt einen Ausschnitt meiner persönlichen Teilnahme und Lebendigkeit dar.

Ich freue mich, liebe Leserin und lieber Leser, Ihnen auf diese Art begegnen zu dürfen.

Rolf Höge

 

Edelstein und niemals Kiesel sein

Mauschelt, mauschelt

mauschelt doch. –

Die Herde schützt ihr Wasserloch.

Es wirkt oft krampfhaft einstudiert,

wer gebildet Bildung definiert.

 

Ich denke,

Kiesel werden niemals artenreich,

das Flussbett macht sie alle gleich.

 

Vom hohen Anspruch bin ich nicht besessen,

habe geträumt und werde nicht vergessen,

wie ich fragend angetreten bin:

was macht mich frei, was gibt mir Sinn?

 

Ich wollte Edelstein

und niemals Kiesel sein.

 

Rolf Höge

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(Aus: „Wenn Worte berühren  – lebendige Gedichte“ ISBN 978-3-748520-38-2)

 

 

Auf dem Rasen toben Rassen

Auf dem Rasen, toben Rassen, schwarze, weiße, gelbe, rote, toben ohne Unterlass

Auf dem Rasen

toben Rassen,

schwarze, weiße,

gelbe, rote,

toben ohne Unterlass,

bringen langsam sich zu Tode.

Auf den Rängen

schauen staunend

Pilz, Tier und Insekt:

es zeigt die neunmalkluge Rasse

den selbst benannten Intellekt.

Die alte Kröte weiß Bescheid,

hebt das Beinchen wie zum Eid:

„Das Menschlein“, spricht sie,

„erst vor kurzem kam,

doch scheint es mir im Geiste arm.

Muss wieder gehn,

so denke ich,

Rassismus überlebt sich nicht.

Wissen von Millionen Jahren,

wird diese Menschheit nie erfahren.“

© Rolf Höge

X-Komma-Null-Viereinhalb

X-Komma-Null-Viereinhalb

 

„Ich lebe in vollkommener Harmonie und Reichtum, ich bin Millionär, ich bin Millionär.“

Immer wieder plapperte ich den Satz vor mich hin und betrachtete dabei den Mahnbescheid vor mir. In der linken Hand hielt ich den Bestseller über positives Denken, der mir den Weg in die absolute Wunscherfüllung zeigen sollte, und mit der rechten schob ich mir genervt eine Zigarette zwischen die Lippen. Doch der Bescheid vom Amtsgericht verschwand nicht. Er löste sich einfach nicht auf.

Ich beschloss, etwas tiefer in die esoterische Trickkiste zu greifen, eilte zu meinem Schreibtisch und zog ein Blatt Papier aus dem Drucker. Schnell zeichnete ich in der Mitte eine Gerade und teilte das Blatt so in zwei Hälften auf. Die Gerade stellte nun die Linie für die Gegenwart dar, für das Jetzt! Den Mahnbescheid positionierte ich nun links von der Gegenwart und rechts davon einen Euro, der mir als Symbol für das Geld aus der Zukunft dienen sollte. Nun zentrierte ich meine ganze Aufmerksamkeit auf diese Gegenwartslinie, bewegte den Mahnbescheid langsam auf sie zu und tat das Gleiche mit dem Euro-Stück, bis beide, Mahnbescheid und Euro, genau im Jetzt aufeinander trafen. Geldsorgen und Geldmittel hatten sich damit vereinigt.

Ich nahm noch einen tiefen Zug aus meiner Zigarette, drückte sie im Ascher aus und schob eine CD mit Entspannungsmusik in meinen Player. Dann legte ich mich auf die Couch im Wohnzimmer. Es ging nun darum, mich und meine Gedanken in die notwendige Geldschwingung zu bringen, damit nach dem Gesetz der gleichen Schwingung das Geld auch zu mir finden konnte. Bei leiser Musik konzentrierte ich mich zunächst auf meinen Atem, spürte in meinen Körper hinein und legte dann meine Hände über die Augen, wie ich es bei meiner Reiki-Einweihung gelernt hatte. Danach kam die zweite Handposition aus dem Reiki und die Hände lagen auf der Schläfe. Weiter ging es zum Hinterkopf, hoch zum Scheitelchakra und dann schrittweise hinunter bis zum Wurzelchakra. Überall in meinen Körper ließ ich die universelle Lebensenergie nach dem System von Dr.Usui fließen. Alles war in Fluss, alles floss, ‚penta rei‘ eben.

Fast wäre ich dabei eingeschlafen, doch das schrille Läuten der Türglocke riss mich aus meinen mentalen Schwingungen: der Gerichtsvollzieher. Er hatte sich angemeldet, schriftlich, durch einen Hinweis im Briefkasten, weil er mich am Vortag nicht zuhause angetroffen hatte. Es ging wieder einmal um nicht bezahlte Strafzettel wegen Falschparkens und wenige Minuten später wechselten rund hundert Euro den Besitzer. Ich war stocksauer, hatte ich doch tatsächlich, wie es dieser Josef mit seinem Buch über die richtige Denkweise geschrieben hatte, den ganzen Tag über nur gute Gedanken gedacht. Und dann so etwas: Mahnbescheid, Gerichtsvollzieher, Geld weg!

Der Herr verließ wenig später meine Wohnung,. nicht ohne mir vorher mitzuteilen, er werde noch weitere Eintreibungen gegen mich vornehmen und bezüglich dieser Angelegenheiten nochmals auf mich zukommen.. Ich eilte zum Telefon und wählte direkt durch.

 

Angenehm drang die freundliche Stimme an mein Ohr „Spirituelle Weltauskunft Sektion Deutschland. Mein Name ist Anita Meyerbrand. Was kann ich für Sie tun?“ „Herbeldinger, Guten Tag! Ich brauche eine Auskunft zum bevorstehenden Weltuntergang. Wann genau findet der nun statt?“

„Ihre Kundennummer bitte zunächst, Herr Herbeldinger.. – Und ihr Spezialgebiet.“

„X-komma-null-viereinhalb. Ich bin hunareikiorientiert mit hermetischem Quertouch.“

Ich hörte wie ihre Finger schnell über die Tastatur huschten und sie meine Daten in ihren PC eingab.

„Herr Georg Herbeldinger, richtig?“

„Richtig!“

„Nun, Herr Herbeldinger, zurzeit liegen uns keine gesicherten Erkenntnisse für dieses Jahr vor. Wir haben zwar hier zwei Channelmeldungen, die allerdings etwas auseinander liegen.“

„Was heißt das?“

„Tja, Anfang Juli dieses Jahres könnte der Weltuntergang eintreten. Dafür stehen allerdings noch keine Transportschiffe für unsere Mitglieder bereit. Der Massenselbstmord ist auch noch nicht eingeplant.“

„Und was ist mit der zweiten Channelmeldung?“

„Nach dieser ist mit einem solchen Ereignis erst in ungefähr zehn Jahren zu rechnen. Wie alt sind Sie, Herr Herbeldinger?“

„Fünfzig!“

„Dann gehören Sie zu unserem ausgewählten Kundenkreis und ich könnte Ihnen ein Angebot von ‚Spirituelle Weltauskunft Sektion Deutschland’ unterbreiten, das wir gerade für Kunden Ihrer Altersklasse konzipiert haben. Wenn Sie noch ein paar Minuten Zeit hätten, Herr Herbeldinger?“

Ich sog hörbar die Luft durch die Nasenflügel.

„Ich möchte jetzt kein Sonderangebot. Mir steht das Wasser bis zum Hals.“

Sie schwieg.

„Bei mir häufen sich die Rechnungen und ich muss dringend wissen, ob ich Wege finden muss, diese zu begleichen, oder ob sich das alles erübrigt wegen des Weltunterganges.“

„Unabhängig davon“, versuchte es Anita Meyerbrand weiter, „schätzen wir uns als ‚Spirituelle Weltauskunft Sektion Deutschland’ glücklich, nun auch den Reinkarnationsverein mit Sitz in Köln zu unseren Mitgliedern zählen zu dürfen. Haben Sie davon schon einmal etwas gehört, Herr Herbeldinger?“

„Nein!“

„Nun, Herr Herbeldinger, der Reinkarnationsverein hat sich angeboten, die Verwaltung des Vermögens unserer Einzelmitglieder bis zu deren Wiederkehr, also bis zu ihrer erneuten Inkarnation, zu verwalten.“

„Ich habe kein Vermögen.“

„Wir bieten Ihnen diesen besonderen Service für nur zwei Euro zusätzlich zu Ihrem jetzigen Mitgliedsbeitrag an.“

„Hören Sie…“

„Ja, ich weiß, Herr Herbeldinger, der Weltuntergang.“

„Genau! Können Sie mir da keine ernsthaften Auskünfte geben?“

„Alles, was wir anbieten ist ernsthaft, Herr Herbeldinger.“

„Deshalb rufe ich Sie ja an.“

„Vielleicht probieren Sie es einmal mit einem Medium. Das ist für Sie kostenlos und wird über Ihren Monatsbeitrag abgedeckt. Wir haben zwei Medien, die jederzeit channeln können. Ohne große Ritualsvorbereitungen.“

„Sind das die zwei mit den unterschiedlichen Meldungen?“

„Nein.“

„Ok, dann verbinden Sie mich.“

Es dauerte eine kleine Weile bis sich nun eine ältere Frauenstimme meldete:

„Sie sprechen mit Uritella vom Schwarzwaldverein Seat Luchs. Womit kann ich dienen?“

„Ich benötige eine sichere Channelbotschaft zum Weltuntergang:“

„Wünschen Sie den Kontakt zu einem bestimmten aufgestiegenen Meister oder zum Heiland selbst?“

„Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht.“

„Sollten Sie aber“, säuselte Uritella. “Ich habe hier eine ganze Palette von Meistern, die ich channeln kann. Und soviel Zeit steht mir nun auch nicht gerade zur Verfügung. Ich bin gerade mit meinem Badewasser beschäftigt.“

„Mit Ihrem Badewasser?“

„Ja. Ich habe doch die göttliche Botschaft bekommen, Heilwasser zu verkaufen.“

„Was hat das mit Badewasser zu tun?“

„Nach einer göttlichen Rezeptur muss ich mein Badewasser mit der linken Hand im Uhrzeigersinn umrühren. Dabei fließt die gesamte Heilenergie ins Badewasser.“

„Und das ganze lässt sich verkaufen?“

„Selbstverständlich. Ich fülle mein Badewasser in Flaschen ab. Meine Kunden sind äußerst zufrieden.“

„Das käme für mich wahrscheinlich nicht in Frage. Ich bin hunareikiorientiert. Ich bräuchte Informationen zum Weltuntergang. Kann meine Rechnungen nicht bezahlen.“

„Dann schlage ich Ihnen mal Serephinola vor. Der ist leicht zu channeln, bringt die Dinge auf den Punkt und liegt selten daneben.“

„Gut. Fangen wir an.“

„Alles was ich bräuchte, wäre nochmals Ihre Kundenummer. Und danach möchte ich Sie bitten, kurz die Augen zu schließen.“

„X-komma-null-viereinhalb, Herbeldinger.“

Ich schloss die Augen.

„Nun atmen Sie tief in Ihren Bauchraum und lassen Sie sich von Ihrem Unbewussten ein Symbol für Ihre Frage schenken.“

„Eieruhr!“

Kaum hatte ich ihr das Symbol genannt, hörte ich ein leichtes Seufzen am anderen Ende der Leitung, das nach wenigen Sekunden in immer lauter werdendes Stöhnen und Grunzen überging.

„Alles in Ordnung?“ fragte ich leicht besorgt.

Statt einer Antwort hörte ich nur den markdurchdringenden Schrei:

„Serephinola! Serephinola!“

Dann Stille. Ich wartete ungeduldig. Endlich:

„Herr Herbeldinger“, Uritella klang nun wieder ruhig und vertraut. „Die Sache gestaltet sich etwas schwierig. Seriphinola meint, es gäbe konzentrative Hemmnisse in Bezug auf Ihre Frage, da Sie offensichtlich über keinerlei Astralerfahrungen verfügen.“

„Ich bin hunareikiorientiert. Wir arbeiten fast ausschließlich energetisch.“

„Wir haben Astraltraining im Angebot. Natürlich in abgespeckter Form. Das ganze dauert nur wenige Minuten. Danach dürfte einem Kontakt mit Serephinola nichts mehr im Wege stehen.“

’Ich habe keinen blassen Schimmer, was ich nun tun soll’, schoss es mir durch den Kopf. ‚Meine Rechnungen! Meine Ziele! Mein Leben überhaupt!’

„Können Sie mich verbinden?“

„Klar doch!“ Und schon klickte es in der Leitung.

„Out-Of-Body-Experience-Odenwald-Liga. Sie sprechen mit Stephan Monroe. Was kann ich für Sie tun.“

„Ich brauche einen Schnellkurs.“

„Basic?“

„Keine Ahnung.“

„Ok, dann wahrscheinlich Basic. Sind Sie schon einmal mit kosmischen Gesetzmäßigkeiten konfrontiert gewesen?“

„Ständig. Ich habe einen hermetischen Quertouch.“

„Ihre Kundennummer, bitte.“

„X-komma-null-viereinhalb.“

„Herr Hebeldinger. Ich darf Sie bitten, sich während des Schnellkurses ganz genau an meine Anweisungen zu halten. Sie haben Erfahrung im Visualisieren?“

„Selbstverständlich.“ antwortete ich sichtlich genervt.

„Dann visualisieren Sie bitte in folgender Abfolge und nach Möglichkeit ziemlich schnell: Sie sitzen in einem Unterseeboot. Zweitens: Sie befinden sich in einem Raumschiff. Drittens: Sie fliegen losgelöst von allem irdischen über den Mount Blanc. Von links nähert sich Ihnen ein brasilianischer Schmetterling. Winken Sie ihm mit der rechten Hand. – Haben Sie’s?“

„Klar doch.“

„Sehr schön. Nun kommen wir zu Ihrer eigenen Kreation. Es geht darum, dass Sie sich kurzfristig aus Ihrem Körper lösen und sich Ihrem eigenen Reiseziel nähern. Wohin möchten Sie reisen?“

„Dazu fällt mir nichts ein.“

„Dachte ich mir schon.“ meinte Stephan. “Das kommt ziemlich oft vor. Vielleicht habe ich da etwas für Sie.“

Ich hörte das Rascheln von Papier durch den Telefonhörer.

„HEBAB Ltd. in Newcastle, Herr Herbeldinger, ist das derzeit effektivste Reisebüro für Astralreisende, das wir zu äußerst günstigen Konditionen für unsere Mitglieder gewinnen konnten. Die Zusammenarbeit mit HEBAB gestaltet sich sehr angenehm.“

„Was kostet mich das?“

„Der Erstkontakt ist für Sie kostenlos.“

„Gut. Verbinden Sie mich.“

„Hello. This is HEBAB Ltd., Newcastle. We are not available at the moment – Wir sind im Moment nicht erreichbar.“

Die Verbindung wurde abrupt unterbrochen.

 

Ich öffnete das Fenster und atmete die frische Abendluft tief in meine Lungen. Gedankenverloren schaute ich ein paar Minuten in die Weiten des Abendhimmels. Dann wandte ich mich vom Fenster ab.

Mein Blick wanderte wieder hin zum Telefon, das mich so stark in seinen Bann zog.

Ich nahm den Hörer erneut ab und wählte

„Psychiatrisches Zentrum für seelische Gesundheit. Guten Abend. Was können wir für Sie tun?“

„Mein Name ist X-komma-null-viereinhalb. Ich brauche frisches Badewasser. Mein Schmetterling sitzt im U-Boot. Wie weit ist es bis zum Mont Blanc? Schicken Sie mir die Rechnung bitte.“

Es tut gut nun hier zu sein. Ich bekomme regelmäßig Frühstück, Mittagessen und Abendessen. Und jeden zweiten Mittwoch gehe ich vormittags in die Bastelgruppe.

 

(c) Rolf Höge

 

Aus meinem Buch „Freischreiben – manchmal ernst, manchmal heiter“

 

Gestalten Sei doch einmal einen ‚Besonderen Abend‘ für Ihre Gäste oder Freunde mit einer Autorenlesung.  Auf meiner Homepage finden Sie die Informationen dazu.

wortsaufen

wortsaufen

ganznächtig

sprachlärmkopfschmerz

 

haustürschlüssel

lieblich wie glöckchenklang

auf den Küchentisch gepfeffert –

so ruhig –

 

neues atmen

in der lärmschutzzone

 

© Rolf Höge

 

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