wortsaufen

wortsaufen

ganznächtig

sprachlärmkopfschmerz

 

haustürschlüssel

lieblich wie glöckchenklang

auf den Küchentisch gepfeffert –

so ruhig –

 

neues atmen

in der lärmschutzzone

 

© Rolf Höge

 

Haben Sie Lust auf einen ‚besonderen Abend‘? Holen Sie sich doch eine Autorenlesung. Besuchen Sie dazu meine Homepage www.rolf-hoege.de

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Mag sein

Mag sein,
Schritte wählst du groß und
manchmal klein.

Mag sein,
schmerzhaft schreit
die Seele und
jauchzt doch stets.

Mag sein,
Mauern sperren Wege,
um Freiheit zu gewähren.

Mag sein, mag sein,

Rosen zeigen liebevolles Sehnen,
Birken spenden Schattenkühle,

lebendig endet stets und
erglüht erneut
im Leben.

© Rolf Höge

 

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grenzwalldenken

grenzen ziehen,
um zu begrenzen,
mauern errichten,
um einzumauern,
erhöhen,
um zu erniedrigen,
fernhalten, limitieren
im schutzwahn,

selbsterhöht, selbsterrichtet,
hassendes grenzwalldenken –

im selbstwahn –
verloren.

© Rolf Höge

In mir brodelt ES

In mir brodelt ES. Ich habe mit ES gesprochen. Es sei nun mal so, meinte ES und außerdem sei ES das Brodeln ja vollkommen freigestellt. Brodeln käme übrigens ebenso wenig von Brot wie von Dellen. Ich würde ja auch freischreiben, meinte ES und niemand frage danach, von wem oder was ich mich befreien wolle. Ich ließ ES dann in mir alleine und dachte, brodele doch ohne mich. Wer bin ich denn, dass ich in mir mit mir brodeln lasse. / Rolf Höge

 

Ludo ergo sum – Ich spiele, also bin ich

Nach meinem Herzinfarkt enteckte ich für mich, dass ich mich durch absolut nichts von der Masse abhebe, dass wir uns alle nur auf einem Spielfeld bewegen, zu dem Zwecke, dieses Spiel zu spielen, das man Leben nennt.

Jeder einzelne wird auf die eine oder andere Weise das Spielfeld verlassen, niemand bleibt. – Daher liegt der Sinn für mich weder in der Verklärung oder Verschleierung des Spiels, noch darin, ständig an das Spielende zu denken. (Obwohl ich selbst immer wieder darüber nachdenke). – Den Sinn sehe ich darin, aktiv mit Ethik und Charakter an diesem Spiel teilzunehmen, nicht nur zuzuschauen oder an mir vorbei spielen zu lassen. Das ist schwer genug, verdammt schwer. – Doch wenn ich über das DANACH nachdenke, fehlt mir irgendwie die Zeit für das Spiel.

Einen Teil dieser Spielgestaltung stellen meine Texte und meine Autorenlesung dar.

Ludo ergo sum! – Ich spiele, also bin ich.

(c) Rolf Höge

 

Frederick und sein Wunsch nach Aufschub

Wenn er mir nur etwas entgegenkommen würde, dachte Frederick. Schließlich habe er es nicht gerade leicht gehabt im Leben. Jeden Tag Kampf  im Büro, in der Familie: sich stets behaupten müssen und immer auf sich alleine gestellt.

Aber ein Blick in diesen kalten Augen und Frederick ahnte, keines seiner Argumente würde ihm helfen.

„Ich habe noch so viel vor. Ich möchte etwas für mich ganz persönlich tun. Bisher habe ich nur gearbeitet und anderen geholfen“, versuchte er es dennoch und wusste, er übertrieb ein wenig. Aber warum auch nicht? Schließlich stand hier alles für ihn auf dem Spiel. „Ich möchte durch die Felder wandern, die Seele baumeln lassen, die frische Luft durch meine Lungen strömen lassen und einfach den Tag genießen.“

Abnehmen wolle er auch, dachte Frederick noch bei sich, sagte es aber nicht laut. Wenn er das überstand, wollte er sich nicht mehr wie ein schnaufendes Walross in den zweiten Stock schleppen müssen.

„Ich würde ein ganz anderer Mensch werden, versprochen. Ich würde mit dem Fahrrad fahren, das Auto stehen lassen. Und das Rauchen würde ich aufgeben – ist ja eh zu teuer.“

Es machte ihn schier wahnsinnig, dass sein Gegenüber nicht reagierte. Keine Gefühlsregung, kein Mitleid waren aus diesem Gesicht zu erkennen.

Frederick hatte die Arbeit über alles gestellt, bis sie ihm über den Kopf gewachsen war. Die Zigaretten brachten ihn über jeden stressreichen Tag. Aber ab jetzt könne er auf Zigaretten verzichten, daran glaubte er sicher.

„Was sagen Sie?“

Das Gegenüber schwieg noch immer.

„Wissen Sie, Sie sollten mir schon ein bisschen entgegenkommen. Wir können ja das Ganze aufschieben und sehen was in der Zwischenzeit passiert, nicht wahr?“ Es war mehr ein Flehen als eine Frage.

„Nein“, sagte der Tod.

© Rolf Höge