Ludo ergo sum – Ich spiele, also bin ich

Nach meinem Herzinfarkt enteckte ich für mich, dass ich mich durch absolut nichts von der Masse abhebe, dass wir uns alle nur auf einem Spielfeld bewegen, zu dem Zwecke, dieses Spiel zu spielen, das man Leben nennt.

Jeder einzelne wird auf die eine oder andere Weise das Spielfeld verlassen, niemand bleibt. – Daher liegt der Sinn für mich weder in der Verklärung oder Verschleierung des Spiels, noch darin, ständig an das Spielende zu denken. (Obwohl ich selbst immer wieder darüber nachdenke). – Den Sinn sehe ich darin, aktiv mit Ethik und Charakter an diesem Spiel teilzunehmen, nicht nur zuzuschauen oder an mir vorbei spielen zu lassen. Das ist schwer genug, verdammt schwer. – Doch wenn ich über das DANACH nachdenke, fehlt mir irgendwie die Zeit für das Spiel.

Einen Teil dieser Spielgestaltung stellen meine Texte und meine Autorenlesung dar.

Ludo ergo sum! – Ich spiele, also bin ich.

(c) Rolf Höge

 

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Schön, wenn ihr zu mir findet

Nun beginne ich auch auf meiner eigentlichen Homepage zu bloggen.  Manche Leser störte der Blogname ‘Laienautor‘.  Also habe ich beschlossen, zweigleisig zu fahren: ich schreibe sowohl auf dem einen wie auf dem anderen Blog. Was nicht heißen soll, dass die Blogeinträge identisch sein werden. Gerne verweise ich dabei auch auf meinen Ratgeber „Trocken. Was nun? – Wege in eine zufriedene Abstinenz„. Sicherlich können auch Auszüge aus diesem Buch interessant sein und ich werde das in meinen Blogeinträgen berücksichtigen.

Aber hauptsächlich will ich auf  meiner Homepage in unregelmäßigen Abständen mitteilen, was mir so im Kopf herumschwirrt und auf diese Weise meine Gedanken ‚freilassen‘, den Kopf freischreiben von Gedankenflut, von Blitzlichtern im Kopf. Auf die gleiche Weise entstanden meine Lesetexte, die zum Nachdenken anregen dürfen, aber auch das Schmunzeln nicht außer Acht lassen.

Meine freigelassenen Gedanken, niedergeschrieben in Kurzgeschichten, Glossen und Gedichte ermöglichen mir während einer Autorenlesung die Begegnung zum Leser. In meinem Buch „Freischreiben“ habe ich Texte, die so entstanden sind, zusammengetragen und unter der ISBN-10: 3745094352 veröffentlicht.

Da ich in Mannheim geboren bin und perfekt „Monnemerisch“ spreche, sind in „Freischreiben“ auch Gedichte und Prosa in diesem Dialekt zu finden, wie beispielsweise das Gedicht „Vun de Sunn“

Donn gucke mer mol, ob’s hiehaut. (Sehen wir mal, ob es funktioniert). Ich würde mich freuen, wenn ihr den Weg auf meine Homepage finden würdet.

Herzliche Grüße Rolf

 

 

 

 

„Laienautor“, weshalb ich mich so nenne

Eigentlich bin ich es ja leid, mich in sozialen Netzwerken oder in Foren erklären zu müssen, weil sich irgendjemand an dem Ausdruck ‚Laienautor‘ hochschaukelt. Trotzdem will ich meine Absicht hinter diesem Ausdruck nochmals verdeutlichen und zwar hier auf meinem Blog.

  1. Mein Blog heißt Laienautor, nicht Hobby-Schriftsteller. Ich betreibe das Schreiben nicht als Zeitvertreib. Ich war in den 80ern Mitglied der Werkstatt Mannheim im „Werkkreis Literatur der Arbeitswelt“. Da konnte ich einiges über Arbeit am Text lernen. Auch die Räuber77 in Mannheim sind mir nicht fremd, weil ich da auch für kurze Zeit mitwirkte. In örtlichen Schreibwerkstätten und Literaturkreisen bin ich auch aufgetaucht, an Lesebühnen wie die ‚Spätlese‘ im Felina-Theater nehme ich gerne teil. – Ich würde mich allerdings nie als Schriftsteller oder ähnliches bezeichnen. Ein Schriftsteller aus meiner Sicht lebt von seiner Schreibe. Er schreibt Bücher, die er verkauft, Drehbücher, Bühnenstücke und vieles mehr. Das alles tue ich nicht. Wenn ich von meiner Schreibe leben müsste, würde ich verhungern. Also bin ich Laie.
  2. Vielleicht nochmal etwas deutlicher an einem anderen Beispiel: in der Ecke meines Wohnzimmers steht eine Gitarre. Manchmal spiele ich darauf zum Zeitvertreib. Ich habe hier auch einen kleinen Verstärker. Manchmal schließe ich da ein Mikrofon an und singe da hinein. Meist Lieder in Mundart, die ich mal geschrieben habe. Das ist lustig, das kommt gut an. In der Familie, im Freundeskreis und als kleine Einlage auch mal in einer Lesung. – Ich kann kaum Noten lesen und nur ganz wenige Akkorde auf der Klampfe sicher greifen. Von der Technik habe ich absolut keine Ahnung. Ich würde mich also niemals als „Musiker“ bezeichnen und genauso wenig als „Laie“, weil ich mich mit dem „Handwerk des Musizierens“ niemals beschäftigt habe. Mit dem Schreiben allerdings schon.
  3. Ein ‚Laienprediger‘ beispielsweise muss zum einen in seiner Religion zuhause sein und etwas vom Predigen verstehen, sonst braucht er erst gar nicht anzufangen. Er ist also kein „Prediger zweiter Klasse“, sondern verdient damit lediglich kein Geld. Er ist Laie.

Ich nutze die Bezeichnung ‚Laienautor‘ also nicht für ‚fishing for compliments‘ oder weil ich etwas Nachsicht mit meinen Texten erwarte. Damit kann ich absolut nichts anfangen, weil sie mich beim Schreiben in keiner Weise weiterbringen. Das braucht man mir erst gar nicht zu unterstellen. Wie jeder, der schriebt, bin ich auf konstruktive Kritik angewiesen, nicht auf Verriss.

Ich hätte aber nie gedacht, dass man mir in sozialen Netzwerken oder Schreibforen allein aufgrund der Namensbezeichnung unlautere Absichten unterstellt, ohne überhaupt erst einen Text von mir gelesen zu haben.

Wer sich trotz allem daran stört, kann ja auch meine Homepage besuchen www.rolf-hoege.de

 

Wer weiß das schon

Wer sagt denn, etwas müsse so sein, wie es zu sein hat? Kennst du ein Gesetz, ein Regelwerk oder zumindest eine Gesetzmäßigkeit, die verbindlich festlegt, wie Dinge zu sein haben, damit sie so sind, wie sie zu sein haben?

Du willst, dass ich aufhöre zu philosophieren, weil du das nicht mehr hören willst, weil du nicht mehr diskutieren willst über die Dinge?

Es liegt doch auf der Hand, wie etwas ist, das weiß doch jeder, sagst du. Jeder weiß, wie etwas zu sein hat. Und wenn er es doch nicht weiß, dann kann er es ja lernen, wie es zu sein hat, meinst du. Und dann ist es eben so, wie es ist, und wahrscheinlich ist es dann auch so, wie es zu sein hätte, vorher und danach auch wieder, nachdem es dann gelernt wurde. Dann ist es wieder so, wie es zu sein hat.

Alles kann man lernen, auch wie die Dinge sind, kann man lernen. Das sieht man doch, das muss man nur annehmen, sagst du.

Vielleicht können aber nicht alle annehmen, wie es für dich zu sein hat, weil sie es anders beigebracht bekommen haben, wie etwas zu sein hat? Wie ist es denn dann, wie wäre es denn dann, wie hätte es denn dann so zu sein, wenn jemand sagt, etwas müsse so sein, wie es zu sein hat? Ist es dann so wie es ist oder wieder bloß, wie es zu sein hat? Wer weiß das schon, wenn niemand festgelegt hat, wie etwas sein muss, damit es so ist, wie es zu sein hat.

© Rolf Höge

Politik oder Masturbation

Selbst wer sich eine Zeitlang mit politischem Geschehen auseinandergesetzt hat, tut sich in den Wirren der heutigen, politischen Gemengelage schwer, Sachverhalte zu analysieren und diese differenziert zu betrachten. Wer darin kaum oder nur wenig erfahren ist, sucht schnell nach der Schublade, in die sich solche gehäuft auftretenden Schreckens-Ereignisse stecken lassen. So entstehen einerseits Gutmenschen und andererseits populistische Parolen-Schreier.

Es vereinfacht vieles. Das Muster „Brot und Spiele“, mit dem man sich in seiner Komfort-Zone halten ließ, ist durch Terroranschläge in Europa plötzlich unterbrochen, Orientierung für das eigene Wohlgefühl geht verloren, und es wird scheinbarer Halt gesucht an Schlagzeilen oder politischen Rändern.

Das ist stets so, wenn etwas aus dem Gleichgewicht gerät. Die Pendel schlagen derzeit groß aus. Ob Attentäter oder Terrorist: ein ekelerregendes Entertainment fürs Heimkino auf der Couch. Mehr als 1500 Tötungsdelikte im Jahr in Deutschland erzeugen nicht so viel Angst und Unsicherheit wie eine einzelne terroristische Tat oder ein Amoklauf. Das ruft diejenigen auf den Plan, die Schubladen anbieten, die schnell Schuldige benennen oder Sofortlösungen parat haben. Anstatt einfach einmal die Fresse zu halten und den Menschen ihre Trauer zu belassen, machen sie Wahlpropaganda.

Ich wähle weder eine Partei, die aus der jetzigen Situation Nutzen ziehen will, noch eine Partei, die über ihre eigene Urheberschaft hinweg sieht. Alle wussten von Leid, von Not, von Armut, von Hunger, vom Sterben, von Krieg und von Elend. Kriege entstehen nicht durch Unwissen, und Flüchtlingsströme auch nicht! Wir diskutieren über die falschen Themen, über Sätze, über Worte und klagen an.

Eine Diskussion über den Satz „Wir schaffen das“ ist nichts anderes als eine Schubladenproduktion, eine falsche Anklage. Selbstverständlich schaffen wir das, weil wir es schaffen müssen, sonst schafft es uns. Die Fragen müsste lauten: Weshalb habt ihr mitgewirkt am Entstehen von Hunger, Armut, Sterben, Krieg und Elend? Weshalb habt ihr zugelassen, dass Menschen flüchten müssen? Welchen Teil habt ihr dazu beigetragen, dass Flüchtlingsströme entstehen? Wie wurde mit eurer Hilfe der internationale Terrorismus in die Welt gebracht?

Manche unterscheiden zwischen einem „politischen Islam“ und einem „friedlichen Islam“. Das kann man durchaus so sehen. Ich gehe davon aus, dass mein muslimischer Kollege ein friedlicher Mensch ist und mir nicht den Kopf abschlagen will. Trotzdem empfinde ich das Wort Frieden in einer Welt-Religion gerade etwas deplatziert.

„Auge um Auge, Zahn um Zahn“, das ist der Vergeltungsleitsatz einer christlichen, US-amerikanischen Gesellschaft, in der die Waffen-Lobby mehr Einfluss hat als der Präsident. Geschundene, geschlagene Bauern zeigen die Handschrift der buddhistischen Lamas in Nepal, und das Schwert ist die Waffe des Heiligen Krieges im Islam im Feldzug gegen Ungläubige.

Ob Frauendiskriminierung, Intoleranz, Arbeitnehmerdiskriminierung oder Kampaufrufe: Religion ist immer „politisch“, weil sie mit Macht einhergeht, mit Mission, mit Unterwerfung, mit Regelwerk.

Was geschieht in der Politik? Ich bin noch vor dem Mauerfall aus der kommunistischen Partei ausgetreten, weil mir bewusst wurde: wer auf Menschen schießt, die vor ihm wegrennen, darf sich nicht Sozialist nennen. Was sie ‚predigten‘ rechtfertigte nicht einmal, das Wort „Sozialismus“ zu buchstabieren.

Heute möchten manche gerne wieder auf Menschen schießen, auf Menschen, die Hilfe suchend auf sie zu rennen. Ich sehe darin keinen Unterschied. Beides ist inakzeptabel, beides ekelt mich an. Deshalb sind Parteien für mich heute kein Maßstab mehr für meinen politischen Standpunkt. Für mich ist wichtig, welchen ethischen, inneren Standpunkt ich für mich persönlich einnehme. Und da ist eben Rassismus und Fremdenhass tabu.

Das heißt aber nicht, dass man unter dem Mantel von Fremdenfreundlichkeit und Flüchtlingshilfe die Augen schließen soll vor den Gefahren, die uns nun in Europa erreichen: für die Geburt von „Gottes-Kriegern“ wurde schon in den 80er Jahren gesorgt durch expansive Politik, durch den Run auf Rohstoffe, durch das Ausbluten von Märkten, durch Feindbilder und ‚Verbündeten-Pflege‘. Bildungsarmut, Perspektivlosigkeit sowie ein menschenverachtender, ausufernder Kapitalismus ist der Nährboden, auf dem sowohl politische wie auch religiöse Hass-Prediger ihre Saat aufgehen lassen.

Was uns heute an Gewalt begegnet, ist symptomatisch für eine polarisierende Weltpolitik, in der das Menschsein aufgerieben und gering geschätzt wird. Die reine Symptombetrachtung reicht für Veränderung nicht aus, sie fördert nur die Schubladenproduzenten. Die Ursachen bestehen weiterhin, auch und gerade für Flüchtlingsströme.

Jeder vernünftige Mensch weiß, dass man bei einem Leck in der Wasserleitung zunächst das Wasser abstellt. Nun stellt man aber, übertragen auf die Situation der Geflüchteten in Europa, das Wasser nicht in Österreich, der Türkei, in Griechenland oder sonst irgendwo ab, sondern bei den Flüchtlingsproduzenten selbst, den Kriegstreibern, den Öl-Haien, den Waffenproduzenten und Waffenlieferern, den Weltbrandstiftern. Für mich beispielsweise ist keine Partei wählbar, die Waffenlieferungen nach Saudi-Arabien oder die deutsche Teilnahme an Kriegen unterstützt.

Ebenso nicht wählbar und nicht tolerierbar ist für mich offener oder unter dem Deckmantel von Meinungsfreiheit und Protest einhergehender Rassismus. Beispielsweise widert mich in der Flüchtlingsdebatte der Verweis auf ‚gutgenährte, schwarze Männer‘ an. ‚Gut genährte, schwarze Männer‘ tun mir erst einmal nichts, gar nichts. Mir ist es auch gleichgültig, aus welchem Land sie zu uns kommen.

Mir ist aber keinesfalls gleichgültig, wie sie sich hier benehmen. Wer straffällig wird, ist zu bestrafen, dabei ist mir die Nationalität oder Hautfarbe vollkommen gleichgültig. Das geschieht nach deutschem Recht. Ist dieses deutsche Recht zu lasch, schlecht anwendbar oder eben unzureichend, muss man es parlamentarisch ändern, durch gewählte Volksvertreter. Das nennt man Rechtstaatlichkeit. Eine Gesetzgebung für bestimmte Gesellschaftsgruppen haben wir historisch schon hinter uns gelassen: das nannte man damals ‚Rassengesetze‘.

Auffallend für mich ist auch diese Scheinheiligkeit der Politik, die für mich darin besteht, scheinbar mehr Sicherheit schaffen zu wollen, in dem Wissen, dass es diese nicht geben kann. Die Zeiten haben sich geändert bei uns. Wir werden auf nicht absehbare Zeit mit Gefahren wie Terroranschlägen leben müssen, wie in anderen Ländern auch. Deutschland bildet eben keine Ausnahme mehr, denn Deutschland wirkt an Kriegen und Waffenlieferungen, an der Ausbeutung von Märkten mit. Ebenso scheinheilig wirkt auf mich das laute Getöse, andere EU-Länder müssten ebenso zur Flüchtlingsaufnahme bereit sein wie Deutschland, während man es unterlässt, diese Länder gleichzeitig wirksam unter Druck zu setzen.

Wenn Polen mitteilt, es nehme nur ein bestimmtes Kontingent an „katholischen“ Flüchtlingen auf, dann polarisiert diese Aussage zu einem „politisches Christentum“ . Wenn sich Ungarn einmauert und der EU die nationalistische Stirn bietet, sollten wir uns unbeeindruckt zeigen: no money, no fun.

Wenn Herr Erdogan glaubt, Journalisten verhaften zu müssen, im Parlament die Immunität von Abgeordneten aufhebt, das Volk nach der Todesstrafe ruft, dann ist das nicht EU-kompatibel: Ende der Verhandlungen.

Doch anstatt sich Abgeordnete aller Parteien im Bundestag sowie in der EU gemeinsam erheben, diskutieren diese über Sinn oder Unsinn von Sätzen, zeigen gegenseitig mit den Fingern auf sich, sind mit dem Futter für das jeweilige Stimmvieh beschäftigt oder beteiligen sich an der Produktion von Schubladen für Smartphone-Spieler oder Schlagzeilen-Junkies. In der freien Wirtschaft undenkbar, wenn es um Problemlösung geht.

Wenn der Sinn einer Partei dahin mutiert ist, das Kreuz auf dem Stimmzettel zu erhalten, findet keine Politik mehr statt, sondern Masturbation.

(c) Rolf Höge

Höher als alle Vernunft

Stell dir vor, aus irgendeinem Grund kommst du von deinem Weg ab und läufst mitten hinein in ein weites Feld aus Kot und Abfall, einem stinkenden Sumpf, der die Beine schwer macht und Kraft kostet. Doch du gehst weiter und mit jedem Meter nimmst du diesen beißenden Geruch nicht mehr so wahr, bis er schließlich ganz verschwindet. Du marschierst zielstrebig geradeaus und irgendwann wird das Gehen auf diesem Weg für dich zur Normalität. Plötzlich begegnen dir Menschen. Du spürst, sie wollen dich von irgendetwas wegholen, dir etwas zeigen, und sie rufen dir zu, es gebe noch einen anderen Weg ganz in der Nähe. Sie verstehen nicht, weshalb du die Nase rümpfst und verbittert im Gestank läufst.

Und da machst du sie zu deinen Gegnern, die dich vom Weg abbringen wollen, der doch deiner ist. Gegner, die dich belehren wollen, dir ihre Wahrheit überstülpen wollen. Und Recht hast du, es ist dein Weg, du hattest dich einmal dafür entschieden, ihn zu gehen, dann aber vergessen, dass du ihn eigentlich nie gehen wolltest. Von da an hast du alles vermieden, die Richtung wieder zu ändern, unterdrücktest jede aufkommende Übelkeit, nahmst den Gestank von Kot in Kauf und rechtfertigtest dies in deinen Gedanken für dich so lange, bis dieser Weg für dich zur Normalität geworden ist.

Du wirst diese Normalität kaum verlassen können, so lange du nicht vertraust, dass da noch etwas anderes existiert für dich, etwas, was du kennst, irgendwie fühlst, aber nicht mehr benennen kannst. Solange du ausgestreckte Hände als Bedrohung interpretierst und Menschen, die von einer anderen Realität, einem anderen Weg, einem anderen Leben erzählen als Gegner verstehst, wirst du weiter in der Kloake laufen, womöglich irgendwann erwachen und um dich herum stinkt es.

Manchmal bedarf es eben eines Stück Vertrauens. Menschen, die dir so im Laufe der Zeit auf dem eingeschlagenen Lebensweg begegnen, können Impulse sein, einmal etwas anderes auszuprobieren. Du musst nicht auf ihren Wegen wandeln, eher vielleicht dein Feindbild vom Gegner für dich neu überdenken.

Und dann hör in dich hinein, schule dich im Fühlen und vielleicht wirst du da etwas hören oder empfinden, was dir zuflüstert: „Vertrau!“Manche nennen das Glauben andere Urvertrauen und wieder andere Wissen, mit dem Verstand kaum zu begreifen, denn es scheint ‚höher als alle Vernunft‘.

(c) Rolf Höge

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Resignation oder Besinnung

In sozialen Netzwerken, wie beispielsweise Facebook, erlebe ich immer öfter Menschen, deren Fokus gezielt auf Negativem liegt: user, die vor aufgebauschten Feindbildern erzittern. Positives wird übersehen, ignoriert oder umgedeutet. Wer die Werte unserer Verfassung vertritt und die Menschwürde achtet, gilt als Arschloch, Depp oder als Blinder und Tauber, der nicht lesen und hören kann. Wer die Werte unserer Verfassung aber mit Füßen tritt, Todesstrafen fordert, Fremde aufhängen will, Lügen zu angeblichen Straftaten verbreitet, Zäune hochziehen will, vor denen dann Menschen absaufen, betrachtet sich in der heutigen Zeit als anständiger, deutscher Patriot.

Politiker springen kurz vor den Wahlen auf den „Es-reicht- Zug“ auf und posaunen Forderungen hinaus, die sich entweder gar nicht erfüllen lassen oder eben nur mit Maschinengewehren an Grenzzäunen. Zielgruppe bleibt dabei stets das mit einfachen, naiven Schlagzeilen und Parolen hirngewaschene Stimmvieh.

Ich stelle für mich fest, in diesen Netzwerken offensichtlich in „die falschen Kreise“ geraten zu sein oder mich darin naiver Weise sogar schon Jahre befunden zu haben. Rassismus und Neofaschismus wird von Rechtspopulisten oder naiven Nachplapperern nicht nur gefördert und verbreitet, sondern sie wirken auf manche ähnlich einem Lebenselixier, das einen selbst über andere erhebt, scheinbar wertvoller macht und dazu dient, in der Gemeinschaft von Hetzern und Brandstiftern sein eigenes Herrenmensch-Gefühl zu pflegen. Eine veröffentlichte, geschmacklose Fotomontage der Kanzlerin, wie sie nackt ‚von hinten‘ den Beischlaf mit einem dunkelhäutigen Menschen vollzieht, zeigt die intelligenzfreien Auswüchse eines sexistischen, deutschen Rassismus. Von der Presse öffentlich verwendete Ausdrücke wie „Schwarzafrikaner“ in Täterbeschreibungen werden applaudiert und toleriert. Man kennt die vermeintlichen Täter zwar nicht, schließt aber die Augen vor der versteckten, neuen deutschen „Negermentalität“. –

Ich wurde gelehrt, mich gegen jede Form von Neofaschismus zu Wort zu melden. Das tun mir in sozialen Netzwerken zu wenige der demokratischen Weggucker, da wünsche ich mir etwas mehr Zivilcourage von Bürgern, die in einem sozialen Rechtstaat aufgewachsen sind, dessen Werte vermittelt bekommen haben und die Vorteile dieses Staates genießen. Die Gelassenheit, wie sie ein ‚alter Kumpel‘ von mir aufbringt und dann einfach ‚weiter geht‘, kann ich zu diesen Themen leider nicht aufbringen.

Ist es Resignation, wenn ich mich daher aus diesen sozialen Netzwerken für einige Zeit zurückziehe? Nein, wohl eher ein Atemholen, ein Besinnen auf die eigene Gesundheit, um wieder Lebendigkeit und Kraft zu schöpfen.

(c) Rolf Höge