Resignation oder Besinnung

In sozialen Netzwerken, wie beispielsweise Facebook, erlebe ich immer öfter Menschen, deren Fokus gezielt auf Negativem liegt: user, die vor aufgebauschten Feindbildern erzittern. Positives wird übersehen, ignoriert oder umgedeutet. Wer die Werte unserer Verfassung vertritt und die Menschwürde achtet, gilt als Arschloch, Depp oder als Blinder und Tauber, der nicht lesen und hören kann. Wer die Werte unserer Verfassung aber mit Füßen tritt, Todesstrafen fordert, Fremde aufhängen will, Lügen zu angeblichen Straftaten verbreitet, Zäune hochziehen will, vor denen dann Menschen absaufen, betrachtet sich in der heutigen Zeit als anständiger, deutscher Patriot.

Politiker springen kurz vor den Wahlen auf den „Es-reicht- Zug“ auf und posaunen Forderungen hinaus, die sich entweder gar nicht erfüllen lassen oder eben nur mit Maschinengewehren an Grenzzäunen. Zielgruppe bleibt dabei stets das mit einfachen, naiven Schlagzeilen und Parolen hirngewaschene Stimmvieh.

Ich stelle für mich fest, in diesen Netzwerken offensichtlich in „die falschen Kreise“ geraten zu sein oder mich darin naiver Weise sogar schon Jahre befunden zu haben. Rassismus und Neofaschismus wird von Rechtspopulisten oder naiven Nachplapperern nicht nur gefördert und verbreitet, sondern sie wirken auf manche ähnlich einem Lebenselixier, das einen selbst über andere erhebt, scheinbar wertvoller macht und dazu dient, in der Gemeinschaft von Hetzern und Brandstiftern sein eigenes Herrenmensch-Gefühl zu pflegen. Eine veröffentlichte, geschmacklose Fotomontage der Kanzlerin, wie sie nackt ‚von hinten‘ den Beischlaf mit einem dunkelhäutigen Menschen vollzieht, zeigt die intelligenzfreien Auswüchse eines sexistischen, deutschen Rassismus. Von der Presse öffentlich verwendete Ausdrücke wie „Schwarzafrikaner“ in Täterbeschreibungen werden applaudiert und toleriert. Man kennt die vermeintlichen Täter zwar nicht, schließt aber die Augen vor der versteckten, neuen deutschen „Negermentalität“. –

Ich wurde gelehrt, mich gegen jede Form von Neofaschismus zu Wort zu melden. Das tun mir in sozialen Netzwerken zu wenige der demokratischen Weggucker, da wünsche ich mir etwas mehr Zivilcourage von Bürgern, die in einem sozialen Rechtstaat aufgewachsen sind, dessen Werte vermittelt bekommen haben und die Vorteile dieses Staates genießen. Die Gelassenheit, wie sie ein ‚alter Kumpel‘ von mir aufbringt und dann einfach ‚weiter geht‘, kann ich zu diesen Themen leider nicht aufbringen.

Ist es Resignation, wenn ich mich daher aus diesen sozialen Netzwerken für einige Zeit zurückziehe? Nein, wohl eher ein Atemholen, ein Besinnen auf die eigene Gesundheit, um wieder Lebendigkeit und Kraft zu schöpfen.

(c) Rolf Höge

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Autor: Rolf Höge

Dieses Blog begleitet meine Homepage www.rolf-hoege.de - Laienautor nenne ich mich hier, weil ich nicht vorrangig professionell schreibe und damit Geld verdiene, sondern eher als Laie meine Texte produziere und vorstelle, d.h. 'nicht professionell'. Wenn ich schreibe, male oder gestalte, bin ich in Kontakt mit mir und dem, was in mir ist. Ich erlebe dies als etwas sehr Persönliches, Eigenes und ich bin durchaus geneigt, diese Prozesse als meine individuelle, spirituelle Erfahrung zu bezeichnen. Ich bin Mitglied im Literarischen Zentrum Mannheim "Die Räuber 77", Mitglied in der Künstlergruppe "fx - fundus artifex", Mitglied im "Künstlerverein Bürstadt".

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