Der Kugel – Fritz

Die riesige Feuerkugel, die sich gerade der Erde nähert und den Nordpol zum Schmelzen bringt, heißt wahrscheinlich Fritz. Wie aus unbekannten Quellen verlautete, soll sie bereits vor Ende des II. Weltkrieges den Kurs auf die Erde genommen haben, hieß aber zu der damaligen Zeit noch Kugel-Fritz und wurde als solche von amerikanisch-futuristischen Gehirnwäschern weder wahrgenommen noch verschwiegen.

In einigen Regionen Deutschlands sollen sich nun spontan Gruppierungen gefunden haben, die unter Beachtung aller irrelevanter Nichtigkeiten unter dem Slogan „Patrioten der Erde gegen die Invasion von Kugel-Fritzen (PEGIK)“ zukünftige Demonstration-Events ausarbeiten und anbieten wollen. Allen Anhängern von Verschwörungstheorien will PEGIK trotz dieser Feuerkugel einen guten Start ins neue Jahr wünschen in der Hoffnung, auch in 2016 Gutmenscherei durch unbewusste Ungereimtheiten entlarven zu können.

Kommt alle gut ins 2016!

Neue Wege zur Potenz

Und es gibt sie doch: die Handwerksfetischisten und ihre Wege zur Potenzsteigerung. Sie verfügen über Akkuschrauber, Bohrmaschinen und Hämmer aller Art, sind in der Regel männlichen Geschlechts und zwingen grundsätzlich jeden in die Diskussion über ihr wichtigstes Gesprächsthema: das Heimwerkern.

Die Creme de la Creme dieser Gattung verbringt die meiste Zeit in einem bestausgestatteten Hobby-Keller und niemand weiß so genau, was dort gehämmert, gebohrt oder geschliffen wird. Eine Feile ohne Sound käme einem Luftballon ohne Luft gleich.

Der durchschnittliche Heimfetischist findet ständig etwas in der Wohnung, was behämmert oder zersägt werden muss. Sobald er in einer Ecke der Wohnung mit seiner ohrenbetäubenden Arbeit zu Ende ist, beginnt er an einer anderen Ecke wieder vorne. Ein normales Durchschreiten der Wohnung ist nicht möglich. Argwöhnisch fällt der Blick auf den Fußboden und es hämmert die Frage in seinem Gehirn, ob und wann eben jener Fußboden vielleicht neu verlegt oder in anderer Form bearbeitet werden muss.

Neben Zeitgenossen mit kulturellem Interesse, wie etwa klassischer Musik und auch Menschen, die der Meditationspraxis zugeneigt sind, sucht der potenzgeplagte Hammerschwinger gezielt nach Schichtarbeitern in seiner unmittelbaren Nachbarschaft. Wenn sich dieser Schichtarbeiter dann morgens um vier Uhr geräuschlos aus dem Bett quält und sich gegen vierzehn Uhr auf seine Couch freut, sieht er sich spätestens um Viertel nach Zwei der scheinbar potenzverleihenden Geräuschproduktion eben jenes Handwerksfetischisten gegenüber, der aus dem Nichts heraus die Bohrmaschine anwirft, peinlichst darauf bedacht, jedes Loch einzeln in die Wand zu bohren. Dabei wird die Stille zwischen den Bohrvorgängen bereits im Ansatz durch den sofortigen Einsatz eines Zimmermannshammers unterbunden.

Neuen Erkenntnisse zu folge nimmt der Handwerksfetischist geplante Heimwerkprojekte gerne auch genau dann in Angriff, wenn der Schichtarbeiter morgens müde von der Nachtschicht nach Hause kommt.

Nach all diesen Erkenntnissen mag man mir das Kappen der Stromleitung nachsehen.  /rh

 

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Meine ganz besondere Macke

Es mag Menschen geben, die bevorzugen ein kühles Bier vor dem Fernseher und die Gemütlichkeit ihrer Couch. Mag sein, dass da noch ein wenig Knabbergebäck greifbar ist, und der Ascher nebst Rauchutensilien in unmittelbarer Nähe steht.

Von all diesen Menschen unterscheide ich mich nur unwesentlich. Auch ich bevorzuge die Gemütlichkeit, wenn ich mit meiner Fernbedienung das abendliche TV-Programm durchforste. Der Unterschied liegt aber deutlich in der Wahl der Genussmittelchen neben mir.

Zunächst ist da mal der Gang zum Kühlschrank und dort im Speziellen das Öffnen des Eisfaches. Genau hier liegt dann das Objekt meiner Begierde: eine Tafel Schokolade, fast tiefgefroren. Ja, tiefgefroren! Während der eine oder die andere ein Schokoladenstückchen zartschmelzig auf der Zunge gewohnt ist, besteht mein Höchstgenuss darin, eben jenes Stückchen sanft mit den Schneidezähnen anzuknabbern.

Aber das Anknabbern von Schokolade alleine reicht natürlich für so einen Fernsehabend nicht aus. Salzstangen, besser gesagt, sogenannte Salzletten, müssen her! Und nach jedem Schokoladenabknabber-Ritual führe ich mir, noch während die Schoko auf der Zunge vergeht, ein Salzlettelchen in den Mund, was zu einem angenehmen, in sich abgerundeten,  schokosalzigen Geschmacksaroma führt.

Selbstverständlich wäre ein kühles Bierchen dazu vollkommen unangebracht. Deshalb unterschiedet sich mein Getränk, mit dem ich mir einen solchen TV-Abend verschönere, wohl ganz und gar von allen herkömmlichen Fernsehabendgetränken. Ich liebe es, meinen schoko-salzigen Genuss noch mit fettarmer Milch, meist unter 0,3 %, zu verfeinern. An so einem Abend ist eine Tafel Schokolade und eine Packung Salzletten sowie 1/2 Liter Milch für mich obligatorisch.

Köstlich, genau das ist meine Macke, und ich liebe sie. Abnehmen werde ich sicherlich auch noch. /rh

 

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Sandkastenspiel

Also wenn ich da jetzt in den Himmel schaue und die Massen von blinkenden Sternlein sehe, mir dann bewusst mache, dass dieser klitzekleine Planet, auf dem ich kurzfristig anwesend bin, nur ein eher nicht wahrnehmbares Fleckchen innerhalb der Milchstraße und ihren Milliarden von Sonnensystemen ist, dann Leute, dann frage ich mich, wie einfältig muss man eigentlich sein, um sich auf diesem klitzekleinen Fleckchen darüber zu streiten, wer nun der ‚richtige‘ Gott sei und ob man der einzig wahren Gemeinschaft angehört.

Gemessen an der Daseinsdauer unzähliger Galaxien innerhalb eines unendlichen Universums, hat sich die Menschheit in ihrer heutigen Existenz vielleicht gerade durch den ‚Muttermund‘ gedrückt und ihre Geburt eingeläutet, weiß aber schon alles über die Wertigkeit ihrer Existenz und glaubt, scheinbar der Herr über dieses Fleckchen im Universum zu sein, ohne jemals nur eine einzige Ameise mit ihrem hohen Maß an Sozialkompetenz nach ihrer Meinung gefragt zu haben.

Wir gaukeln uns Intelligenz vor, während wir uns gegenseitig abschlachten, uns hassen, Angst voreinander haben und uns in vollem Bewusstsein die Lebensgrundlage entziehen. Auf jede Tierart, die schon lange auf diesem Planeten weilt, auf jedes Insekt, jeden Pilz, jede Alge müssen wir wirken wie Kinder im Sandkasten, die sich noch in die Hosen machen. Aber wir erschaffen uns einen Gott, etwas Göttliches, etwas, was sich stets nur der Mensch selbst bestätigen kann: Bravo!

Der Mensch spricht und erzählt zu sich selbst. Dies tut er noch in seiner Baby-Sprache. Er beginnt gerade erste Worte in der Sprache des Universum zu lernen.

Und wenn ich dann weiter darüber nachdenke, frage ich mich, wie ich mit all dieser Erkenntnis nach wie vor zulassen kann, dass man von meinem erarbeitendem Geld Steuern erhebt, um sie an eine Institution abzuführen, die Geld an studierte Menschen bezahlt, welche mir dann ernsthaft und inbrünstig erzählen wollen, es wäre jemand vor zweitausend Jahren übers Wasser gelaufen. /rh

vorm weihnachtsbaum

zerborsten längst der süße traum

den ich geträumt

vorm weihnachtsbaum

als glöckchen klangen

und kinderstimmen

schrille sangen

von fröhlichkeit, von seligkeit

von demut und von dankbarkeit

 

als staunend ich zu vater blickte,

der lächelnd, wissend zu mir nickte:

schau, durchs fenster musst‘ es wieder gehen

das christkind

still und ungesehen

ein lichtlein hat es angezündet,

dass wohl das kind zum baume findet

 

hast, vater,

stets die illusion genährt –

doch später

mich vernunft gelehrt

so musst‘ zerbersten jener traum

den ich geträumt

vorm weihnachtsbaum

 

doch was ich tief im herz‘ getragen

will ich zur weihnachtszeit

nun einmal wagen

zu träumen einen neuen traum

so wie als kind

vorm weihnachtsbaum

ich träum‘ davon,

dass wenn ich gehe,

ich dann das christkind

doch noch sehe.  /rh

New York im Winter

.

Ich streife gerade durchs Netz. Auf der Suche nach einem verwertbaren Text. Nein, natürlich kein Textklau. Aber es gibt so viel Rohmaterial an Reimen und Geschichten in manchen Internet-Foren. So wie jenes Gedicht, auf das ich zuerst stoße, und in dem zum millionsten Mal Liebeskummer und Einsamkeit abgehandelt wird. Es strotzt vor Originalität und springt mir direkt ins Auge:

‚du bist fort – an einem anderen Ort’, beginnt es. –

Wo sollte sie denn sonst sein? Wenn sie weg ist, wenn sie fort ist, dann ist sie an einem anderen Ort. Okay, es hätte noch schlimmer kommen können. Beispielsweise hätte der Autor zwischen ‚fort’ und ‚Ort’ noch ‚dort’ einfügen können. Dann ist die Liebste, um die es geht, nicht nur fort, sondern auch dort, an jenem anderen Ort.

Zwanghaftes Reimen soll ja in manchen Kreisen schon als anerkannte Krankheit gelten, für die es aber noch keinen Arzt zu geben scheint, jedenfalls nicht in diesen Foren.

Ich entnehme aus dem Reimen-um-jeden-Preis-Satz lediglich das „Du“, für mich das einzige Verwertbare an diesem Reim.

Auf meinem weiteren Streifzug durch einschlägige Schreibforen, in denen zwar jeder jeden kennt, aber niemand wirklich jemanden, ziehe ich vorbei an der sich ständig wiederholenden Frage ‚hat schon jemand mal etwas veröffentlicht?’ und stolpere dann über den nächsten Satz aus einem ‚Wintergedicht’. Muss ja wahnsinnig interessant sein, ein Wintergedicht zu schreiben. Überhaupt ziehen die Jahreszeiten manche Schreiber direkt in ihren Bann. Klar, Millionen Leser interessieren sich für Urlaubslektüre in Form von Jahreszeiten-Gedichten am Strand von Teneriffa.

Also gut, her mit dem Satz: „Der Winterwind wirbelt die Schneeflocken hoch“. Okay, mit der Flocke, dem Schnee und dem Wind ließe sich experimentieren. Du, Flocke, Schnee und Wind, notiere ich jetzt. Aber wenn schon Winter, dann nicht unbedingt der idyllische Winter mit schneebedeckten Bäumen und Hängen, Schneeflöckchen und Schlittenfahrten. Nein, ein besonderer Winter muss her. Okay, New York kommt gut. Man sieht ja oft im Fernsehen, wie die Obdachlosen sich über den selbst gebastelten Kohleöfen die Hände wärmen. Mal sehen, was ich daraus dichten kann:

New York im Winter

Es wirbelt die Flocke

im Winterwind

und Du verkaufst Schnee,

wirst reich geschwind.

 

Hast du keine Flocken,

bläst kalt rein der Wind,

dann hoff’, dass im Schnee

dich ein Dealer find‘.

 

Dann wirbelt’s dich hoch

wie die Flocke im Wind,

weil im Winter die Dealer

so großzügig sind.

 

Fertig und ab damit ins Forum. „Find’ ich gut, auch mal etwas Sozialkritisches hier zu lesen“, heißt es in einem Kommentar.

Und ich denke: ‚Manchmal, da tut es echt weh, nicht verstanden zu werden. ‘ (c) rh

 

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entblödung

ich entblöde mich

du entblödest dich

er, sie, es entblödet sich

wir entblöden uns

ihr entblödet euch

sie entblöden sich –

himmel, wie blöd

 

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Die Stubenfliege

Sie wollte meiner Klatsche ausweichen und flog mit hoher Geschwindigkeit auf den Spiegelschrank zu, von wo sie sich scheinbare Hilfe  in Form einer heraneilenden zweiten, tiefschwarzen Eintagsfliege erhoffte. Ihre Begegnung mit sich selbst war kurz, hart und lautlos. Der Aufprall degradierte das Insekt  zu einer Minutenfliege, für die der Tag vorzeitig zu Ende ging.