Die Parkbank

regenverschmutztes weiß

in milchigen schwaden

von blattlosen dornen

umhüllt –

ruhend

in der stille

bis zur neuen last

im frühjahr

© rh

Dieses Gedicht entstand im Spätherbst 2009 im Kurpark von Bad Dürkheim. Sollten Sie Interesse an einer Autorenlesung haben, dann besuchen Sie doch meine Homepage und erfahren Sie mehr über mich.

Beziehungslos

Weshalb ich denn in keiner Beziehung lebe, wollte eine Frau wissen.
Weil mir die Frauen alle davongelaufen seien, antwortete ich.
Weshalb denn, fragte mich die Frau weiter.
Ich wisse es nicht, sagte ich ihr.
Das glaube sie nicht, meinte sie, drehte sich um und lief davon.

© rh

Holen Sie sich doch einfach eine Autorenlesung in Ihre Räumlichkeiten.

Agenten lieben fastfood

Wie aus unterrichteten Kreisen verlautete, sollen schon jetzt mehr als die Hälfte der über ganz Deutschland verbreiteten McRonald Restaurants zu CIA-Anwerbstellen umfunktioniert sein.
„Dies geschieht durchaus in Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur“, teilte ein Sprecher der Fastfood-Kette mit.
Doch nicht der James Bond der Zukunft sei gesucht, sondern eher der 1-Dollar-Mini-Jobber für leichtere Oberservationsaufträge im subversiven In- und Umfeld. Wer aber denkt, ein herkömmliches Bewerbungsschreiben würde genügen, der irrt.
„Wir legen großen Wert darauf, dass Bewerbungen für uns nur in Code-Form erkennbar sind“, meinte dazu der heutige Filialleiter und Ex-Cia-Agent Max Krautwickel.
Wer beim Aufessen eines BigRon nicht mindestens ein großes C stehen lässt, sei bei der Bewerberauswahl schon durchgefallen.

© rh

Auf meiner Homepage können Sie sich über eine Autorenlesung informieren.

Blödes Spiel

Manchmal lerne ich Menschen kennen, die ihre Bestimmung oder ihre Berufung im Leben offensichtlich gefunden haben. Da lächelt mich die Marktfrau an, der man überhaupt nicht ansieht, dass sie schon seit drei Uhr morgens auf den Beinen ist. Abends kommt der Pizzabote, der immer einen flotten Spruch auf den Lippen hat.

Und da bin eben ich mit hängenden Mundwinkel, fast erschlagen von soviel Fremdzufriedenheit. Auch ich kannte einmal das Gefühl, endlich angekommen zu sein, vergaß dann jedoch, weiter zu gehen. Und jetzt renne ich meiner Bestimmung hinterher. Blödes Spiel…

© rh

Gerne lese ich in Ihren Räumlichkeiten eine Auswahl meiner Lyrik und Kurzprosa aus zwei Jahrzehnten Textarbeit. Lesezeit: ca. 1 Stunde.

Was denkst du, sollte ich tun?

Was denkst du,
sollte ich tun,
wenn die Welt um mich herum
zu zerbrechen droht?

Was denkst du,
sollte ich tun,
wenn der Baum,
der mir seinen Schatten zuwarf,
gefällt am Boden liegt?

Was denkst du,
sollte ich tun,
wenn die Wärme der Sonne nicht ausreicht,
das Eis in ihren Herzen zu schmelzen?

Was denkst du,
sollte ich tun,
wenn die Kinder
mit den Fingern auf die Väter deuten?

Glaubst du
es bleibt mir noch Zeit,
zu entscheiden?

© rh

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Lumbalila in der Hand der Todesvögel

Über dem schwarz bemalten Sonnendach des Erzgebirges kreisen die riesigen Vögel der Lüfte. Ihr furchterregendes Schreien bringt die heiße Sommerluft der Arktis in Schwingung. Die wenigen Menschen, die sich noch in Lumbalila befinden, erleben die unheilvolle Stunde der Wahrheit. Denn wahr ist, was tatsächlich ist und tatsächlich ist die Wahrheit wahr.

Ein blonder, blauäugiger Lumbalilaner versucht gerade einen Wasserschlauch an einem Überflurhydranten anzubringen, als Tom Duli mit verstörtem Blick um die Ecke schaut.

„Was willst du mit dem Schlauche, sprich!“
„Die Stadt von Hydranten befreien!“

Doch da stürzt sich schon der erste Riesengreifvogel mit markerschütterndem Geschrei in die Tiefe, um sein erstes Opfer zu erhaschen. Seine messerscharfen Krallen hacken tief in die linke Schulter des Lumbalilaners, der das Unfassliche kaum fassen kann.

Entsetzen brüllt von seinen Lippen, als er sich mit unheimlicher Stärke in die Höhe gezogen fühlt. Und ganz leise beginnt er ein Liedchen zu singen:

„Wenn das Rot meine Lippen verlässt…“

Mit dem rechten Arm versucht der Blonde den Todesvogel zu vertreiben, aber das satanische Vieh hält den jungen Mann unerbittlich in den Klauen fest. Da öffnet der junge Lumbalilaner die Augen und erblickt seinen Psychoanalytiker. Dieser lächelt ihm freundlich zu. Seine sanfte Stimme mahnt zur Ruhe.

„Ups“, spricht der Psychokumpel, „lassen wir das so im Raum stehen oder soll Vater mit dem Eimer kommen, weil der Hund die Glocke nicht hört?“

(c) rh