Was denkst du, sollte ich tun?

Was denkst du,
sollte ich tun,
wenn die Welt um mich herum
zu zerbrechen droht?

Was denkst du,
sollte ich tun,
wenn der Baum,
der mir seinen Schatten zuwarf,
gefällt am Boden liegt?

Was denkst du,
sollte ich tun,
wenn die Wärme der Sonne nicht ausreicht,
das Eis in ihren Herzen zu schmelzen?

Was denkst du,
sollte ich tun,
wenn die Kinder
mit den Fingern auf die Väter deuten?

Glaubst du
es bleibt mir noch Zeit,
zu entscheiden?

© rh

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Lumbalila in der Hand der Todesvögel

Über dem schwarz bemalten Sonnendach des Erzgebirges kreisen die riesigen Vögel der Lüfte. Ihr furchterregendes Schreien bringt die heiße Sommerluft der Arktis in Schwingung. Die wenigen Menschen, die sich noch in Lumbalila befinden, erleben die unheilvolle Stunde der Wahrheit. Denn wahr ist, was tatsächlich ist und tatsächlich ist die Wahrheit wahr.

Ein blonder, blauäugiger Lumbalilaner versucht gerade einen Wasserschlauch an einem Überflurhydranten anzubringen, als Tom Duli mit verstörtem Blick um die Ecke schaut.

„Was willst du mit dem Schlauche, sprich!“
„Die Stadt von Hydranten befreien!“

Doch da stürzt sich schon der erste Riesengreifvogel mit markerschütterndem Geschrei in die Tiefe, um sein erstes Opfer zu erhaschen. Seine messerscharfen Krallen hacken tief in die linke Schulter des Lumbalilaners, der das Unfassliche kaum fassen kann.

Entsetzen brüllt von seinen Lippen, als er sich mit unheimlicher Stärke in die Höhe gezogen fühlt. Und ganz leise beginnt er ein Liedchen zu singen:

„Wenn das Rot meine Lippen verlässt…“

Mit dem rechten Arm versucht der Blonde den Todesvogel zu vertreiben, aber das satanische Vieh hält den jungen Mann unerbittlich in den Klauen fest. Da öffnet der junge Lumbalilaner die Augen und erblickt seinen Psychoanalytiker. Dieser lächelt ihm freundlich zu. Seine sanfte Stimme mahnt zur Ruhe.

„Ups“, spricht der Psychokumpel, „lassen wir das so im Raum stehen oder soll Vater mit dem Eimer kommen, weil der Hund die Glocke nicht hört?“

(c) rh

Parkplätze in der Sahara

”Die müßtet all in der Wüste parke!” ereiferte sich meine Nachbarin, Frau Wehmüller, als ich ihr am Samstagmorgen auf der Straße begegnete.
Beladen mit zwei schweren Tüten, kehrte sie von ihren Einkäufen zurück und schlängelte sich verärgert durch die Reihen falsch geparkter Autos.
Insgeheim mußte ich Frau Wehmüller zustimmen, denn anstatt ihre Fahrzeuge in den vorgesehenen Parkhäusern unterzustellen, hielten es viele Anwohner für angebracht, den Gehsteig mit ihren Vehikeln teilweise zu besetzen, was aufgrund zu schmal geratener Fußwege die Passanten nötigte, die Fahrbahn zu betreten.
Ich machte mir daher wohl zurecht Gedanken über die Aussage von Frau Wehmüller und kam nach einigen Überlegungen zu folgendem, fast wissenschaftlichem Ergebnis:
Lenkt der deutsche Kraftfahrer sein Fahrzeug in die Sahara, schlägt sein Herz zunächst höher. Anders als in der Bundesrepublik findet er hier Parkplätze in Hülle und Fülle. Parkplatzsorgen sind dort gänzlich unbekannt.
Weshalb, drängte sich mir die Frage auf, werden diese Parkplätze dann nicht genutzt?
Abgesehen von der geographischen Lage der Sahara, eine berechtigte Frage! – Aber, man übersieht dabei den dem Deutschen angeborenen Sinn für symmetrische Ordnung.
Seit der Erfindung des Autos, lebt der Deutsche mit der Erkenntnis, daß Jahr für Jahr mehr Regeln für die Benutzung eines solchen Fahrzeuges notwendig sind und sein werden.
So findet man auf Deutschlands Straßen eine Unmenge weißer Striche und blauer Schilder, die das Geschehen auf unseren Parkplätzen bestimmen und streng abgrenzen.
Ein Erscheinungsbild, das in der Sahara vollkommen fehlt!
Wollte nun ein deutscher Kraftfahrer sein Fahrzeug in der Sahara parken, käme dies einem Chaos gleich, das gleichbedeutend wäre mit dem Untergang aller gesetzten deutschen Ordnungsnormen.
Unermüdlich würde der Kraftfahrer in der Wüste herumirren, um einen geeigneten Ruheplatz für sein liebstes Spielzeug zu finden.
Jedoch, nirgendwo ein Schild, das auf so einen Platz hinweist, nirgendwo die beliebten weißen Striche, an denen er ersehen kann, ob sein Fahrzeug richtig oder falsch steht.
Auch der Polizist, an dessen Gesichtsausdruck er sich notfalls noch orientieren könnte, ist weit und breit nicht zu sehen.
Was bliebe also anderes, als zu fahren und zu fahren, bis das Benzin zu Ende ginge und womöglich nur noch der qualvolle Tod des Verschmachtens in der Wüstensonne greifbar wäre?
So wird die Sahara bis auf den heutigen Tag von Deutschlands Kraftfahrern gemieden, was ich Frau Wehmüller, sobald ich mein Auto weggefahren habe, schnellstens berichten muß.

(c) rh

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Video – Heimat, deine Söhne

Eigener Song, selbst gesungen. Text unterhalb des Videos:

Heimat, deine Söhne

‚Ich möchte dich so gerne seh’n,
die alten Wege mit dir geh’n’
das schreibt er ihr in jeden Brief hinein.

Ich möchte deine Lippen spür’n,
dein leuchtend goldnes Haar berühr’n,
unter Kameraden fühl ich mich allein

Heimat, deine Söhne,
eine handvoll Leute sandte sie hinaus.
Heimat deine Söhne,
dort wo sie stehen, sind sie nicht zuhaus’.

Ich bin in diesem fernen Land,
kein Bild von dir und keine Hand,
die mich zärtlich streichelt, wenn ich einsam bin.

Die Wahrheit ist so weit entfernt,
ich habe schnell dazu gelernt:
erkämpfter Frieden macht doch keinen Sinn

Heimat, deine Söhne…

Verstand und Denken abgelegt,
Menschlichkeit hinweg gefegt,
weil aus Armut neue Aggression entseht.

Sie haben uns hierher geführt,
weil Öl allein die Welt regiert
und sie senden immer neue Jungs hinaus.

Heimat, deine Söhne,
eine handvoll Leute sandte sie hinaus.
Heimat, deine Söhne,
dort wo sie stehen, sind sie nicht zuhaus’.

Und sie senden immer neue Jungs hinaus,
und sie senden immer neue Jungs hinaus.

© rh

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Das Blog hat die Führung übernommen

Sitze mal wieder vor dem PC und bearbeite die Tastatur. Ein neuer Eintrag für das Blog muss her, für dieses gefräßige, nimmersatte Ungeheuer.

Text will es fressen., täglich, regelmäßig. Seien es auch nur wenige Sätze, sie müssen in das Blog. Es war meine freie Entscheidung, täglich neuen Content zu produzieren. Jetzt hält es mich gefangen, das Ungeheur, mit dem ich mich konfrontierte und das mein Gehirn jeden Tag fordert.

Schreiben wollte ich. Schreiben muss ich.

Das Blog hat die Führung übernommen – auf seine ganz besondere „art“.

© rh

Vom Oben und vom Unten

„Du meinst also, ich sehe etwas herunter gekommen aus.“ fragte Manuel und lächelte Daniel von der Seite her an. Sie hatten sich beide ins Gras gesetzt.
„So erscheinst du mir – ja.“ antwortete Daniel. “ Würde ich einfach in Hosen herum laufen, die mir in den Kniekehlen hängen und beim Gehen mit den Füßen über den Boden schlürfen, hätte ich zuhause gleich den größten Ärger am Hals. Obwohl – du scheinst dich damit ganz wohl zu fühlen.“
„Lass uns doch bei der Aussage ‚herunter gekommen‘ bleiben.“ beharrte Manuel und blickte fast verträumt in die Ferne. „Das würde doch bedeuten, dass ich zuvor irgendwo und auf irgendetwas oben sein gemusst hätte, oder ?“
„He? Das verstehe ich nicht“ erwiderte Daniel. „Keine Ahnung, was du meinst.“
„Nun, manchmal werden schon unverständliche Dinge in den Tag geplappert. Ich kann doch nur herunter kommen, wenn ich zuvor oben bin.“
„Mensch, das sagt man halt so. Ist ne Redewendung oder so was. Mehr nicht.“
„Das sagt man eben nicht nur so!“ lächelte nun Manuel. „Wer das so sagt, hat oft eine ganz eigene Vorstellung davon, was oben ist.“
„Hm,“ machte Daniel, „kann schon sein. Du hast vielleicht verdrehte Überlegungen.“
„Die sind nicht verdreht. Die sind logisch.“
„Aha.“ Daniel grinste.
„Darf ich dir eine Frage stellen, Daniel?“
„Sicher doch.“
„Nun, wer bestimmt eigentlich, wer oder was oben ist ?“
„Derjenige, der den anderen als ‚herunter gekommen‘ betrachtet ?“
„Genau.“
„Hm.“ meinte Daniel und blickte ernst vor sich hin.
„Es könnte aber auch ganz anders sein.“ fuhr Manuel fort.
„Na wie denn?“
„Vielleicht, dass Leute, die so etwas sagen, selbst unten sind. Und die Heruntergekommenen sind zu ihnen herunter gekommen.“
Für einen Moment schwiegen die beiden Jugendlichen. Daniel schnippte mit der Hand ein kleines Aststückchen achtlos zur Seite. Eigentlich hatte er sich nicht viel dabei gedacht, als er Manuel zu verstehen gab, er wirke in seiner schmuddeligen Kleidung und mit seiner lässigen Art, sich zu bewegen, wohl etwas herunter gekommen. Aber was Manuel jetzt dazu von sich gab, war ja nicht von der Hand zu weisen. Manchmal spricht man etwas aus, ohne sich bewusst zu sein, auf welche Weise man sich eigentlich eine Meinung über andere bildet. Manuel hatte ihm hier eine ganz schöne Denkaufgabe verpasst.
„Weißt du was?“ sprach er ihn an. „Ich glaube es gibt kein oben und unten.“
„Sondern?“
„Alle Menschen haben das Recht, so zu sein wie sie sind. Wir werden alle auf die selbe Art und Weise geboren. Erst danach sagen uns Eltern, Lehrer, das Fernsehen und viele andere Erwachsene wie unterschiedlich wir doch seien. Und dann gibt es plötzlich ein Oben und Unten. Das ist nun meine Logik.“
„Und wie denkst du, könnten wir das vermeiden ?“ fragte Manuel.
„Einfach indem wir miteinander reden und akzeptieren, dass jeder die Welt aus seinen Augen sieht.“
„Das hast du schön gesagt.“ lächelte Manuel und warf seine Baseballmütze in die Luft.

© rh

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