überall

wortlos abgewandt

gleicht wirksam

dem gebrüll

das den raum stiehlt

für sprache –

bis tränen ersticken

jeglichen sinn und vertrautheit

 

durchgelaufene sohlen

begründen den entsorgten schuh

abgelaufene zeiten

den vorwurf

im anschweigen

 

so leer

wie die seele schreit –

und muss doch schweigen

überall bist du

von der qual des dichtens

lockt der vogel

mit dem schnabel

früh im wald die vogelin

spüre ich

von kopf bis nabel

darin liegt des dichtens sinn

 

erscheint die ferse

mir im verse

fühl ich wohl die reimreserve

brodelnd heiß in meinem kopf –

erschafft den fuß und auch den kuss

weil’s sich eben reimen muss

 

 

Proud Mary kocht was Gutes

Du denkst an nichts Schlimmes und da steht sie plötzlich vor dir. Nicht so wie du sie von früher kennst, nein, sondern mit satten Rundungen um die Hüften, kurz geschnittenem Haar und einem breiten Grinsen im Gesicht.

„Kennst du mich noch?“, säuselt sie. Weshalb sollte ich sie nicht kennen. Ich hatte sie ja angebetet, damals in der siebten Klasse. Wie sie während des Englischunterrichts immerfort mit ihrem langen, gewelltem Haar spielte, mit ihren strahlenden Augen lachte, und wie sie durch ihre zum angehenden Weibe erwachten Figur Signale an alle Jungs der Welt aussandte, wenn sie im Pausenhof zu Proud Mary von Tina Turner tanzte.

„Die Hanna!“, sage ich und reiche ihr die Hand.
Statt mir die Hand zu geben, tätschelt sie sich leicht die Hüften.
„Ja, die Hanna“, meint sie, “und mit den Jahren bin ich ein wenig rundlich geworden. Meine gute Küche, sagt mein Mann. Du hast dich aber kaum verändert.“
„Och, ja“, heuchele ich Verlegenheit. “Bin auch älter geworden. Was machst du so?“
„Verheiratet, zwei Kinder und eine Enkelin.“
„Toll.“
„Ja, toll. Die Kleine kommt jetzt schon bald in den Kindergarten. Und du?“
„Zweimal geschieden, aber auch Kinder.“
„Musst du zahlen?“
„Nein, für die Kids nicht mehr, aber für die Ex immer noch. Die ist krank.“
„Aha. – Na ja, melde dich doch mal. Kannst ruhig mal vorbei kommen. Ich koche uns auch was Gutes. Dann lernst du auch mal meinen Mann kennen.“

Als sie weggeht, schaue ich auf ihre Hüften, die Beine entlang bis hinunter zu ihren dunkelblauen, flachen Schuhen, in denen sich ihre mir breit erscheinenden Füße verstecken, um Schritt für Schritt vor sich hin zu tapsen. Da ist nichts mehr von Weiblichkeit, keine Tina Turner für pubertierende Jungs. Da schwingen keine subtilen Aufforderungen mehr mit den Hüften, da wurden die siebziger Jahre abgeschüttelt als hätten sie nie existiert, und alle Frauenpower verpufft in der traditionellen Mama, Hausfrau und Oma.

Ihren Mann kann ich kennen lernen, sagte sie, und sie koche auch was Gutes.

‚Oh, Hanna‘, denke ich, ‘wann hast du nur kochen gelernt? ‘

© Rolf Höge

Schauen Sie doch auch einmal auf meiner Homepage vorbei.

Ist das Kunst?

Ob es Kunst ist, was ich erschaffe, fragte mich vor kurzem ein Kollege. Ich zuckte die Schultern, denn tatsächlich habe ich keine Ahnung, ob das, was ich da ab und an kreiere, die studierte Fachwelt als Kunst bezeichnet, nicht einmal, wer zu dieser sogenannten Fachwelt zu zählen ist.

Schreiben, wenn mir danach ist, abstrakt malen, wenn mir danach ist, texten und singen, wenn mir danach ist. Eindrücke aufnehmen, verarbeiten daraus etwas Neues schaffen, womit der eine etwas anfangen kann der andere vielleicht weniger. So ungefähr läuft das ab.

Mir steht ein Gehirn zur Verfügung, das Prozesse wie ein Computer verarbeitet. Die Software, die verwendet wird, enthält meine Fähigkeit, zu produzieren sowie meine inneren Glaubenssätze, frühe Prägungen und meine Wahrnehmungsfilter, auf denen sich der Verarbeitungsprozess aufbaut. – Das ist schon alles. / rh

Hand-Zeichnung

Ich lade Sie gerne ein, auch meine Homepage zur Autorenlesung zu besuchen.

Aus meinem Projekt ‚Briefwechsel‘

…’Lege deinen Kopf in meinen Arm,‘, möchte ich zu ihm sagen, ‚es gibt nichts zu tun, fange an zu erzählen und wenn es dir gut tut, dann weine.‘

Seit Stunden liege ich wach und denke an meinen Sohn. Nicht an den erwachsenen Sohn, der Häuserwände beschmierte, in Kaufhäusern Parfum stahl, um es an der nächsten Straßenecke zu verkaufen für den nächsten Joint, oder ein bisschen Heroin. Nicht den Sohn, der den Vater so oft belog, kein Versprechen einhielt, wiederholt Suchttherapien abbrach und konsequent den Weg in die Gefängniszelle ging.

An mein Kind denke ich, das ich immer in mir trage an jenem Ort tief in meiner Seele, den ich nicht zu benennen vermag und der so voller Kraft ist und Geborgenheit, dass sich mein Kind dort ausruhen kann, auch wenn sich Eisentüren hinter ihm schließen und die Verletzungen, die es mir zufügte, jetzt gerade brennend nach dieser Flüssigkeit schreien, mit der ich den Schmerz betäuben und ihm für eine Weile entfliehen könnte. Flucht, welch hässliches Wort, doch wie erleichternd für den Moment. Doch der Saufdruck entpuppt sich als ein lediglich vorbeihuschender Gedanke, nicht wert, länger als die Dauer eines aufflammenden Blitzlichtes bei mir zu verweilen.

‚Ruhig, ruhig mein Sohn, schlafe wieder, lege deinen Kopf in meinen Arm und schlafe weiter.‘ – Wo ist der Vater für mich, der einfach nur für mich da gewesen wäre? Mutter, wo bist du? Ich möchte mich einfach nur ausruhen, nur ausruhen. Nein, keine Worte, Mutter, nicht schon wieder Worte, die erklären, was ich nicht auch schon weiß, nicht wieder diese hilfsbereite Erbarmungslosigkeit.

Diese Nacht! Wenn die stummen Schreie in mir gehört werden, kann ich vielleicht endlich loslassen. Dieses zwanghafte Umklammern meiner Gedankenströme. Wie sehr ich mich aus der Einsamkeit heraus wünsche. Keine Kälte mehr, nur warmes Verlangen nach mir, nach dem einzigen Vertrauten. Ihr seid ja alle so weit weg, doch wolltet ihr näher kommen, ich wüsste es zu verhindern.

Ich bin stumm. Und die Nacht schreit so laut, dass ich nicht schlafen kann.
Manchmal gibt es eine stumme Übereinkunft, ein gegenseitiges Wissen. Manchmal, ja manchmal ist es auch wichtig zu hören: ‚Du – ich hab‘ dich lieb.‘

Gerade dann, wenn alles durcheinander läuft…

(rh)

Sind Sie an weiteren Texten oder gar an einer Autorenlesung interessiert? Dann besuchen Sie doch meine Homepage.

Gib jedem Schritt seinen eigenen Sinn

Authentische Texte, gefühlvolle Lyrik und wohltuende Heiterkeit waren das Rezept für eine Begegnung zwischen Autor und Leser während der Autorenlesung in der AHG Klinik in Bad Dürkheim, bei der auch der Dialog zwischen den Texten seinen Raum fand und gerne genutzt wurde.

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„Wir sind uns heute wirklich begegnet.“ meinte dazu eine Teilnehmerin. Der Erfolg der gut besuchten Lesung spiegelte sich auch in dem vielfältigen Wunsch der Signaturen im anschließenden Buchverkauf wieder

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‚Gib jedem Schritt seinen eigenen Sinn‘ war eine häufig gewünschte Widmung, die ich den Teilnehmern in das Buch „Berührungen: Lesetexte“ schreiben durfte.

Berührungen-Cover2-Vorders-epubliDas Buch „Berührungen: Lesetexte“ ist im Buchhandel unter der ISBN 978-3844273793 erhältlich.

Sollten Sie auch Interesse an meiner Autorenlesung haben, nehmen Sie bitte über meine Homepage Rolf-Hoege.de mit mir Kontakt auf.

Ich hab‘ noch was zu sagen

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Ich hab‘ noch was zu sagen

Jetzt wieder rein mit dem Zeug, runter damit, bis du Scheiße denkst. Bis du nachher beim Gehen kotzt. Wenn’s geht noch auf die Klamotten. Damit auch jeder schön sehen kann, was für ein Penner du bist.

Die Frau ist ja schon weg. Hast du so entschieden – für sie, durch deine idiotensichere Methode. Selbstverständlich, dass sie an allem die Schuld trägt. Hätte ja bleiben können. ”In guten wie in bösen Zeiten…”

Beziehung! Hohl und lächerlich klingt es, den Bezug zu sich selbst schon lange verloren, den Wunsch nach Veränderung in der Trägheit erstickt, die Eigenbewegung aufgegeben, und die gefühlten Ketten haben Glieder aus Glas: leere Bierflaschen, aneinander gereiht.

Hat anscheinend noch nicht gereicht die Brühe. Was fehlt ist feeling. Echt gutes feeling. Also her damit, du hochintelligenter Mensch! Quarz, shit – oder wie immer du es nennst. Du weißt ja selbst, dass du drauf bist. Oder nicht? Oder vielleicht? – Hauptsache du lachst hinterher, lachst blöd, idiotisch, mit verzerrtem Gesicht und dämlichem Grinsen.

Hab ich ja alles selbst erlebt, kann ich ein Lied von singen. Wie das so ist, wenn dein Bettlaken morgens klatschnass ist vom Schwitzen. Wenn du deinen Kumpel etwas fragst, und er dir keine Antwort gibt, weil er gar nicht da ist.

Bis du eines Tages diese Auflehnung in dir spürst, die dich ruft, die dich fordert. Dann hörst du auf zu kämpfen. Kapitulierst, lässt endlich los. Auf einmal hast du Luft. Eine geöffnete, sprudelnde Sauerstoffflasche mitten im Kopf. Frei! Rund um dich herum – Leben! Überall, vierundzwanzig Stunden am Tag, – und du mitten drin!

So viel Leben, dass du schreien möchtest. Schreien, weil’s weh tut. – Angenehm weh!

© Rolf Höge

X-KOMMA-NULL-VIEREINHALB

„Ich lebe in vollkommener Harmonie und Reichtum, ich bin Millionär, ich bin Millionär.“
Immer wieder plapperte ich den Satz vor mich hin und betrachtete dabei den Mahnbescheid vor mir. In der linken Hand hielt ich den Bestseller über positives Denken, der mir den Weg in die absolute Wunscherfüllung zeigen sollte, und mit der rechten schob ich mir genervt eine Zigarette zwischen die Lippen. Doch der Bescheid vom Amtsgericht verschwand nicht. Er löste sich einfach nicht auf.

Ich beschloss, etwas tiefer in die esoterische Trickkiste zu greifen, eilte zu meinem Schreibtisch und zog ein Blatt Papier aus dem Drucker. Schnell zeichnete ich in der Mitte eine Gerade und teilte das Blatt so in zwei Hälften auf. Die Gerade stellte nun die Linie für die Gegenwart dar, für das Jetzt! Den Mahnbescheid positionierte ich nun links von der Gegenwart und rechts davon einen Euro, der mir als Symbol für das Geld aus der Zukunft dienen sollte. Nun zentrierte ich meine ganze Aufmerksamkeit auf diese Gegenwartslinie, bewegte den Mahnbescheid langsam auf sie zu und tat das Gleiche mit dem Euro-Stück, bis beide, Mahnbescheid und Euro, genau im Jetzt aufeinander trafen. Geldsorgen und Geldmittel hatten sich damit vereinigt.

Ich nahm noch einen tiefen Zug aus meiner Zigarette, drückte sie im Ascher aus und schob eine CD mit Entspannungsmusik in meinen Player. Dann legte ich mich auf die Couch im Wohnzimmer. Es ging nun darum, mich und meine Gedanken in die notwendige Geldschwingung zu bringen, damit nach dem Gesetz der gleichen Schwingung das Geld auch zu mir finden konnte. Bei leiser Musik konzentrierte ich mich zunächst auf meinen Atem, spürte in meinen Körper hinein und legte dann meine Hände über die Augen, wie ich es bei meiner Reiki-Einweihung gelernt hatte. Danach kam die zweite Handposition aus dem Reiki und die Hände lagen auf der Schläfe. Weiter ging es zum Hinterkopf, hoch zum Scheitelchakra und dann schrittweise hinunter bis zum Wurzelchakra. Überall in meinen Körper ließ ich die universelle Lebensenergie nach dem System von Dr.Usui fließen. Alles war in Fluss, alles floss, ‚penta rei‘ eben.

Fast wäre ich dabei eingeschlafen, doch das schrille Läuten der Türglocke riss mich aus meinen mentalen Schwingungen: der Gerichtsvollzieher. Er hatte sich angemeldet, schriftlich, durch einen Hinweis im Briefkasten, weil er mich am Vortag nicht zuhause angetroffen hatte. Es ging wieder einmal um nicht bezahlte Strafzettel wegen Falschparkens und wenige Minuten später wechselten rund hundert Euro den Besitzer. Ich war stocksauer, hatte ich doch tatsächlich, wie es dieser Josef mit seinem Buch über die richtige Denkweise geschrieben hatte, den ganzen Tag über nur gute Gedanken gedacht. Und dann so etwas: Mahnbescheid, Gerichtsvollzieher, Geld weg!

Der Herr verließ wenig später meine Wohnung,. nicht ohne mir vorher mitzuteilen, er werde noch weitere Eintreibungen gegen mich vornehmen und bezüglich dieser Angelegenheiten nochmals auf mich zukommen.. Ich eilte zum Telefon und wählte direkt durch.

Angenehm drang die freundliche Stimme an mein Ohr „Spirituelle Weltauskunft Sektion Deutschland. Mein Name ist Anita Meyerbrand. Was kann ich für Sie tun?“ „Herbeldinger, Guten Tag! Ich brauche eine Auskunft zum bevorstehenden Weltuntergang. Wann genau findet der nun statt?“
„Ihre Kundennummer bitte zunächst, Herr Herbeldinger.. – Und ihr Spezialgebiet.“
„X-komma-null-viereinhalb. Ich bin hunareikiorientiert mit hermetischem Quertouch.“
Ich hörte wie ihre Finger schnell über die Tastatur huschten und sie meine Daten in ihren PC eingab.
„Herr Georg Herbeldinger, richtig?“
„Richtig!“
„Nun, Herr Herbeldinger, zurzeit liegen uns keine gesicherten Erkenntnisse für dieses Jahr vor. Wir haben zwar hier zwei Channelmeldungen, die allerdings etwas auseinander liegen.“
„Was heißt das?“
„Tja, Anfang Juli dieses Jahres könnte der Weltuntergang eintreten. Dafür stehen allerdings noch keine Transportschiffe für unsere Mitglieder bereit. Der Massenselbstmord ist auch noch nicht eingeplant.“
„Und was ist mit der zweiten Channelmeldung?“
„Nach dieser ist mit einem solchen Ereignis erst in ungefähr zehn Jahren zu rechnen. Wie alt sind Sie, Herr Herbeldinger?“
„Fünfzig!“
„Dann gehören Sie zu unserem ausgewählten Kundenkreis und ich könnte Ihnen ein Angebot von ‚Spirituelle Weltauskunft Sektion Deutschland’ unterbreiten, das wir gerade für Kunden Ihrer Altersklasse konzipiert haben. Wenn Sie noch ein paar Minuten Zeit hätten, Herr Herbeldinger?“
Ich sog hörbar die Luft durch die Nasenflügel.
„Ich möchte jetzt kein Sonderangebot. Mir steht das Wasser bis zum Hals.“
Sie schwieg.
„Bei mir häufen sich die Rechnungen und ich muss dringend wissen, ob ich Wege finden muss, diese zu begleichen, oder ob sich das alles erübrigt wegen des Weltunterganges.“
„Unabhängig davon“, versuchte es Anita Meyerbrand weiter, „schätzen wir uns als ‚Spirituelle Weltauskunft Sektion Deutschland’ glücklich, nun auch den Reinkarnationsverein mit Sitz in Köln zu unseren Mitgliedern zählen zu dürfen. Haben Sie davon schon einmal etwas gehört, Herr Herbeldinger?“
„Nein!“
„Nun, Herr Herbeldinger, der Reinkarnationsverein hat sich angeboten, die Verwaltung des Vermögens unserer Einzelmitglieder bis zu deren Wiederkehr, also bis zu ihrer erneuten Inkarnation, zu verwalten.“
„Ich habe kein Vermögen.“
„Wir bieten Ihnen diesen besonderen Service für nur zwei Euro zusätzlich zu Ihrem jetzigen Mitgliedsbeitrag an.“
„Hören Sie…“
„Ja, ich weiß, Herr Herbeldinger, der Weltuntergang.“
„Genau! Können Sie mir da keine ernsthaften Auskünfte geben?“
„Alles, was wir anbieten ist ernsthaft, Herr Herbeldinger.“
„Deshalb rufe ich Sie ja an.“
„Vielleicht probieren Sie es einmal mit einem Medium. Das ist für Sie kostenlos und wird über Ihren Monatsbeitrag abgedeckt. Wir haben zwei Medien, die jederzeit channeln können. Ohne große Ritualsvorbereitungen.“
„Sind das die zwei mit den unterschiedlichen Meldungen?“
„Nein.“
„Ok, dann verbinden Sie mich.“

Es dauerte eine kleine Weile bis sich nun eine ältere Frauenstimme meldete:
„Sie sprechen mit Uritella vom Schwarzwaldverein Seat Luchs. Womit kann ich dienen?“
„Ich benötige eine sichere Channelbotschaft zum Weltuntergang:“
„Wünschen Sie den Kontakt zu einem bestimmten aufgestiegenen Meister oder zum Heiland selbst?“
„Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht.“
„Sollten Sie aber“, säuselte Uritella. “Ich habe hier eine ganze Palette von Meistern, die ich channeln kann. Und soviel Zeit steht mir nun auch nicht gerade zur Verfügung. Ich bin gerade mit meinem Badewasser beschäftigt.“
„Mit Ihrem Badewasser?“
„Ja. Ich habe doch die göttliche Botschaft bekommen, Heilwasser zu verkaufen.“
„Was hat das mit Badewasser zu tun?“
„Nach einer göttlichen Rezeptur muss ich mein Badewasser mit der linken Hand im Uhrzeigersinn umrühren. Dabei fließt die gesamte Heilenergie ins Badewasser.“
„Und das ganze lässt sich verkaufen?“
„Selbstverständlich. Ich fülle mein Badewasser in Flaschen ab. Meine Kunden sind äußerst zufrieden.“
„Das käme für mich wahrscheinlich nicht in Frage. Ich bin hunareikiorientiert. Ich bräuchte Informationen zum Weltuntergang. Kann meine Rechnungen nicht bezahlen.“
„Dann schlage ich Ihnen mal Serephinola vor. Der ist leicht zu channeln, bringt die Dinge auf den Punkt und liegt selten daneben.“
„Gut. Fangen wir an.“
„Alles was ich bräuchte, wäre nochmals Ihre Kundenummer. Und danach möchte ich Sie bitten, kurz die Augen zu schließen.“
„X-komma-null-viereinhalb, Herbeldinger.“
Ich schloss die Augen.
„Nun atmen Sie tief in Ihren Bauchraum und lassen Sie sich von Ihrem Unbewussten ein Symbol für Ihre Frage schenken.“
„Eieruhr!“
Kaum hatte ich ihr das Symbol genannt, hörte ich ein leichtes Seufzen am anderen Ende der Leitung, das nach wenigen Sekunden in immer lauter werdendes Stöhnen und Grunzen überging.
„Alles in Ordnung?“ fragte ich leicht besorgt.
Statt einer Antwort hörte ich nur den markdurchdringenden Schrei:
„Serephinola! Serephinola!“
Dann Stille. Ich wartete ungeduldig. Endlich:
„Herr Herbeldinger“, Uritella klang nun wieder ruhig und vertraut. „Die Sache gestaltet sich etwas schwierig. Seriphinola meint, es gäbe konzentrative Hemmnisse in Bezug auf Ihre Frage, da Sie offensichtlich über keinerlei Astralerfahrungen verfügen.“
„Ich bin hunareikiorientiert. Wir arbeiten fast ausschließlich energetisch.“
„Wir haben Astraltraining im Angebot. Natürlich in abgespeckter Form. Das ganze dauert nur wenige Minuten. Danach dürfte einem Kontakt mit Serephinola nichts mehr im Wege stehen.“
’Ich habe keinen blassen Schimmer, was ich nun tun soll’, schoss es mir durch den Kopf. ‚Meine Rechnungen! Meine Ziele! Mein Leben überhaupt!’
„Können Sie mich verbinden?“
„Klar doch!“ Und schon klickte es in der Leitung.
„Out-Of-Body-Experience-Odenwald-Liga. Sie sprechen mit Stephan Monroe. Was kann ich für Sie tun.“
„Ich brauche einen Schnellkurs.“
„Basic?“
„Keine Ahnung.“
„Ok, dann wahrscheinlich Basic. Sind Sie schon einmal mit kosmischen Gesetzmäßigkeiten konfrontiert gewesen?“
„Ständig. Ich habe einen hermetischen Quertouch.“
„Ihre Kundennummer, bitte.“
„X-komma-null-viereinhalb.“
„Herr Hebeldinger. Ich darf Sie bitten, sich während des Schnellkurses ganz genau an meine Anweisungen zu halten. Sie haben Erfahrung im Visualisieren?“
„Selbstverständlich.“ antwortete ich sichtlich genervt.
„Dann visualisieren Sie bitte in folgender Abfolge und nach Möglichkeit ziemlich schnell: Sie sitzen in einem Unterseeboot. Zweitens: Sie befinden sich in einem Raumschiff. Drittens: Sie fliegen losgelöst von allem irdischen über den Mount Blanc. Von links nähert sich Ihnen ein brasilianischer Schmetterling. Winken Sie ihm mit der rechten Hand. – Haben Sie’s?“
„Klar doch.“
„Sehr schön. Nun kommen wir zu Ihrer eigenen Kreation. Es geht darum, dass Sie sich kurzfristig aus Ihrem Körper lösen und sich Ihrem eigenen Reiseziel nähern. Wohin möchten Sie reisen?“
„Dazu fällt mir nichts ein.“
„Dachte ich mir schon.“ meinte Stephan. “Das kommt ziemlich oft vor. Vielleicht habe ich da etwas für Sie.“
Ich hörte das Rascheln von Papier durch den Telefonhörer.
„HEBAB Ltd. in Newcastle, Herr Herbeldinger, ist das derzeit effektivste Reisebüro für Astralreisende, das wir zu äußerst günstigen Konditionen für unsere Mitglieder gewinnen konnten. Die Zusammenarbeit mit HEBAB gestaltet sich sehr angenehm.“
„Was kostet mich das?“
„Der Erstkontakt ist für Sie kostenlos.“
„Gut. Verbinden Sie mich.“
„Hello. This is HEBAB Ltd., Newcastle. We are not available at the moment – Wir sind im Moment nicht erreichbar.“
Die Verbindung wurde abrupt unterbrochen.

Ich öffnete das Fenster und atmete die frische Abendluft tief in meine Lungen. Gedankenverloren schaute ich ein paar Minuten in die Weiten des Abendhimmels. Dann wandte ich mich vom Fenster ab.
Mein Blick wanderte wieder hin zum Telefon, das mich so stark in seinen Bann zog.
Ich nahm den Hörer erneut ab und wählte
.
„Psychiatrisches Zentrum für seelische Gesundheit. Guten Abend. Was können wir für Sie tun?“
„Mein Name ist X-komma-null-viereinhalb. Ich brauche frisches Badewasser. Mein Schmetterling sitzt im U-Boot. Wie weit ist es bis zum Mont Blanc? Schicken Sie mir die Rechnung bitte.“
Es tut gut nun hier zu sein. Ich bekomme regelmäßig Frühstück, Mittagessen und Abendessen. Und jeden zweiten Mittwoch gehe ich vormittags in die Bastelgruppe.
.

(c) rh

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Die Sternengeburt

Kennt noch jemand Alexander Klaws, Eli Erl oder Tobias Regner? Drei Sterne, die am Sternenhimmel von Deutschland sucht den Superstar kurz aufflammten, um dann im Glanze der nachfolgenden Staffel wieder zu erlöschen. Lediglich der Gewinner der vierten Staffel dürfte heute noch ein Begriff sein, was schon sein Auftritt in der heutigen Sendung von DSDS verdeutlicht. Nicht der Gewinner des Vorjahres, Daniel Schuhmacher, präsentiert seinen neuesten Song, sondern der 2007 gewählte Superstar und Bohlen-Liebling Mark Medlock höchst persönlich.

Und dann sind da noch die Kandidaten der siebten Staffel, die heute Abend das Halbfinale bestreiten und die wohl nächstes Jahr auch wieder verlöscht sein werden. Also rauf auf die Couch, die Chips raus und mit einem großen ‚Gähn’ den nächsten Schritt zur Sternengeburt mitgehen oder einfach mit der Fernbedienung weiterzippen und schauen, wie und wo die Kabelgebühren noch verbraten werden.

© rh