„Laienautor“, weshalb ich mich so nenne

Eigentlich bin ich es ja leid, mich in sozialen Netzwerken oder in Foren erklären zu müssen, weil sich irgendjemand an dem Ausdruck ‚Laienautor‘ hochschaukelt. Trotzdem will ich meine Absicht hinter diesem Ausdruck nochmals verdeutlichen und zwar hier auf meinem Blog.

  1. Mein Blog heißt Laienautor, nicht Hobby-Schriftsteller. Ich betreibe das Schreiben nicht als Zeitvertreib. Ich war in den 80ern Mitglied der Werkstatt Mannheim im „Werkkreis Literatur der Arbeitswelt“. Da konnte ich einiges über Arbeit am Text lernen. Auch die Räuber77 in Mannheim sind mir nicht fremd, weil ich da auch für kurze Zeit mitwirkte. In örtlichen Schreibwerkstätten und Literaturkreisen bin ich auch aufgetaucht, an Lesebühnen wie die ‚Spätlese‘ im Felina-Theater nehme ich gerne teil. – Ich würde mich allerdings nie als Schriftsteller oder ähnliches bezeichnen. Ein Schriftsteller aus meiner Sicht lebt von seiner Schreibe. Er schreibt Bücher, die er verkauft, Drehbücher, Bühnenstücke und vieles mehr. Das alles tue ich nicht. Wenn ich von meiner Schreibe leben müsste, würde ich verhungern. Also bin ich Laie.
  2. Vielleicht nochmal etwas deutlicher an einem anderen Beispiel: in der Ecke meines Wohnzimmers steht eine Gitarre. Manchmal spiele ich darauf zum Zeitvertreib. Ich habe hier auch einen kleinen Verstärker. Manchmal schließe ich da ein Mikrofon an und singe da hinein. Meist Lieder in Mundart, die ich mal geschrieben habe. Das ist lustig, das kommt gut an. In der Familie, im Freundeskreis und als kleine Einlage auch mal in einer Lesung. – Ich kann kaum Noten lesen und nur ganz wenige Akkorde auf der Klampfe sicher greifen. Von der Technik habe ich absolut keine Ahnung. Ich würde mich also niemals als „Musiker“ bezeichnen und genauso wenig als „Laie“, weil ich mich mit dem „Handwerk des Musizierens“ niemals beschäftigt habe. Mit dem Schreiben allerdings schon.
  3. Ein ‚Laienprediger‘ beispielsweise muss zum einen in seiner Religion zuhause sein und etwas vom Predigen verstehen, sonst braucht er erst gar nicht anzufangen. Er ist also kein „Prediger zweiter Klasse“, sondern verdient damit lediglich kein Geld. Er ist Laie.

Ich nutze die Bezeichnung ‚Laienautor‘ also nicht für ‚fishing for compliments‘ oder weil ich etwas Nachsicht mit meinen Texten erwarte. Damit kann ich absolut nichts anfangen, weil sie mich beim Schreiben in keiner Weise weiterbringen. Das braucht man mir erst gar nicht zu unterstellen. Wie jeder, der schriebt, bin ich auf konstruktive Kritik angewiesen, nicht auf Verriss.

Ich hätte aber nie gedacht, dass man mir in sozialen Netzwerken oder Schreibforen allein aufgrund der Namensbezeichnung unlautere Absichten unterstellt, ohne überhaupt erst einen Text von mir gelesen zu haben.

Wer sich trotz allem daran stört, kann ja auch meine Homepage besuchen www.rolf-hoege.de

 

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Einst und einmal

 

Einst

puhlte ich mit kleinen Fingern

Dreck aus Holzbodenfugen.

Einst

sprang ich im Hinterhof in Wasserpfützen,

spritzte Schlamm aufs weiße Hemd.

 

Einst küsste ich, einst lachte ich,

einst liebte ich,

einst

brach so oft mein Herz.

 

Einst

stand ich aufrecht dort im Sturm

und suchte einsam meine Tränen.

Einst gelang mir viel und manchmal wenig,

doch stets genug um weiter meinen Weg zu gehen.

 

Vielleicht

wird es einmal

sein wie einst,

als ich noch keinen Schritt gewagt,

als ich noch heimlich Äste brach,

um Pfeil und Bogen mir zu bauen,

als mir so manches Wort noch fehlte

für sündige Gedanken.

 

Doch einmal dann

wird einst

vergangen sein und nichts

wird mehr geschehen –

einmal.

 

So komm,

wirf mir das Leben zu,

lass in den Wind uns spucken,

lass uns mit Krücken tanzen, denn

einmal

wird

einst

vergangen sein

und nichts wird mehr geschehen –

einmal.

 

© Rolf Höge

 

 

 

 

Gelesenzeichen

Profilächeln
gleicht unverschlossener Tür
direkt im Gehirn –

wo sich die Arroganz eingenistet hat,
gar nicht mehr verschwinden will
im Schulterschluss der Erhabenheit,
sich verlierend
erst
am letzten Gleichstellungsmoment
für alle –

wie einfach lesbar,
so denkend,
nichtssagend,

während ich zurückläche.

(c) Rolf Höge

entfremdet

weit weg

von dir selbst

eiertanz und halligalli

rummel, festchen, tralala

 

auf geht‘s

glaub nur, das wärst du

und

gib dir selbst den namen

 

die sonne weicht dem herbst

und einsamkeit klopft

an die tür

 

schön

sich dort wieder zu finden /rh

überall

wortlos abgewandt

gleicht wirksam

dem gebrüll

das den raum stiehlt

für sprache –

bis tränen ersticken

jeglichen sinn und vertrautheit

 

durchgelaufene sohlen

begründen den entsorgten schuh

abgelaufene zeiten

den vorwurf

im anschweigen

 

so leer

wie die seele schreit –

und muss doch schweigen

überall bist du