X-KOMMA-NULL-VIEREINHALB

„Ich lebe in vollkommener Harmonie und Reichtum, ich bin Millionär, ich bin Millionär.“
Immer wieder plapperte ich den Satz vor mich hin und betrachtete dabei den Mahnbescheid vor mir. In der linken Hand hielt ich den Bestseller über positives Denken, der mir den Weg in die absolute Wunscherfüllung zeigen sollte, und mit der rechten schob ich mir genervt eine Zigarette zwischen die Lippen. Doch der Bescheid vom Amtsgericht verschwand nicht. Er löste sich einfach nicht auf.

Ich beschloss, etwas tiefer in die esoterische Trickkiste zu greifen, eilte zu meinem Schreibtisch und zog ein Blatt Papier aus dem Drucker. Schnell zeichnete ich in der Mitte eine Gerade und teilte das Blatt so in zwei Hälften auf. Die Gerade stellte nun die Linie für die Gegenwart dar, für das Jetzt! Den Mahnbescheid positionierte ich nun links von der Gegenwart und rechts davon einen Euro, der mir als Symbol für das Geld aus der Zukunft dienen sollte. Nun zentrierte ich meine ganze Aufmerksamkeit auf diese Gegenwartslinie, bewegte den Mahnbescheid langsam auf sie zu und tat das Gleiche mit dem Euro-Stück, bis beide, Mahnbescheid und Euro, genau im Jetzt aufeinander trafen. Geldsorgen und Geldmittel hatten sich damit vereinigt.

Ich nahm noch einen tiefen Zug aus meiner Zigarette, drückte sie im Ascher aus und schob eine CD mit Entspannungsmusik in meinen Player. Dann legte ich mich auf die Couch im Wohnzimmer. Es ging nun darum, mich und meine Gedanken in die notwendige Geldschwingung zu bringen, damit nach dem Gesetz der gleichen Schwingung das Geld auch zu mir finden konnte. Bei leiser Musik konzentrierte ich mich zunächst auf meinen Atem, spürte in meinen Körper hinein und legte dann meine Hände über die Augen, wie ich es bei meiner Reiki-Einweihung gelernt hatte. Danach kam die zweite Handposition aus dem Reiki und die Hände lagen auf der Schläfe. Weiter ging es zum Hinterkopf, hoch zum Scheitelchakra und dann schrittweise hinunter bis zum Wurzelchakra. Überall in meinen Körper ließ ich die universelle Lebensenergie nach dem System von Dr.Usui fließen. Alles war in Fluss, alles floss, ‚penta rei‘ eben.

Fast wäre ich dabei eingeschlafen, doch das schrille Läuten der Türglocke riss mich aus meinen mentalen Schwingungen: der Gerichtsvollzieher. Er hatte sich angemeldet, schriftlich, durch einen Hinweis im Briefkasten, weil er mich am Vortag nicht zuhause angetroffen hatte. Es ging wieder einmal um nicht bezahlte Strafzettel wegen Falschparkens und wenige Minuten später wechselten rund hundert Euro den Besitzer. Ich war stocksauer, hatte ich doch tatsächlich, wie es dieser Josef mit seinem Buch über die richtige Denkweise geschrieben hatte, den ganzen Tag über nur gute Gedanken gedacht. Und dann so etwas: Mahnbescheid, Gerichtsvollzieher, Geld weg!

Der Herr verließ wenig später meine Wohnung,. nicht ohne mir vorher mitzuteilen, er werde noch weitere Eintreibungen gegen mich vornehmen und bezüglich dieser Angelegenheiten nochmals auf mich zukommen.. Ich eilte zum Telefon und wählte direkt durch.

Angenehm drang die freundliche Stimme an mein Ohr „Spirituelle Weltauskunft Sektion Deutschland. Mein Name ist Anita Meyerbrand. Was kann ich für Sie tun?“ „Herbeldinger, Guten Tag! Ich brauche eine Auskunft zum bevorstehenden Weltuntergang. Wann genau findet der nun statt?“
„Ihre Kundennummer bitte zunächst, Herr Herbeldinger.. – Und ihr Spezialgebiet.“
„X-komma-null-viereinhalb. Ich bin hunareikiorientiert mit hermetischem Quertouch.“
Ich hörte wie ihre Finger schnell über die Tastatur huschten und sie meine Daten in ihren PC eingab.
„Herr Georg Herbeldinger, richtig?“
„Richtig!“
„Nun, Herr Herbeldinger, zurzeit liegen uns keine gesicherten Erkenntnisse für dieses Jahr vor. Wir haben zwar hier zwei Channelmeldungen, die allerdings etwas auseinander liegen.“
„Was heißt das?“
„Tja, Anfang Juli dieses Jahres könnte der Weltuntergang eintreten. Dafür stehen allerdings noch keine Transportschiffe für unsere Mitglieder bereit. Der Massenselbstmord ist auch noch nicht eingeplant.“
„Und was ist mit der zweiten Channelmeldung?“
„Nach dieser ist mit einem solchen Ereignis erst in ungefähr zehn Jahren zu rechnen. Wie alt sind Sie, Herr Herbeldinger?“
„Fünfzig!“
„Dann gehören Sie zu unserem ausgewählten Kundenkreis und ich könnte Ihnen ein Angebot von ‚Spirituelle Weltauskunft Sektion Deutschland’ unterbreiten, das wir gerade für Kunden Ihrer Altersklasse konzipiert haben. Wenn Sie noch ein paar Minuten Zeit hätten, Herr Herbeldinger?“
Ich sog hörbar die Luft durch die Nasenflügel.
„Ich möchte jetzt kein Sonderangebot. Mir steht das Wasser bis zum Hals.“
Sie schwieg.
„Bei mir häufen sich die Rechnungen und ich muss dringend wissen, ob ich Wege finden muss, diese zu begleichen, oder ob sich das alles erübrigt wegen des Weltunterganges.“
„Unabhängig davon“, versuchte es Anita Meyerbrand weiter, „schätzen wir uns als ‚Spirituelle Weltauskunft Sektion Deutschland’ glücklich, nun auch den Reinkarnationsverein mit Sitz in Köln zu unseren Mitgliedern zählen zu dürfen. Haben Sie davon schon einmal etwas gehört, Herr Herbeldinger?“
„Nein!“
„Nun, Herr Herbeldinger, der Reinkarnationsverein hat sich angeboten, die Verwaltung des Vermögens unserer Einzelmitglieder bis zu deren Wiederkehr, also bis zu ihrer erneuten Inkarnation, zu verwalten.“
„Ich habe kein Vermögen.“
„Wir bieten Ihnen diesen besonderen Service für nur zwei Euro zusätzlich zu Ihrem jetzigen Mitgliedsbeitrag an.“
„Hören Sie…“
„Ja, ich weiß, Herr Herbeldinger, der Weltuntergang.“
„Genau! Können Sie mir da keine ernsthaften Auskünfte geben?“
„Alles, was wir anbieten ist ernsthaft, Herr Herbeldinger.“
„Deshalb rufe ich Sie ja an.“
„Vielleicht probieren Sie es einmal mit einem Medium. Das ist für Sie kostenlos und wird über Ihren Monatsbeitrag abgedeckt. Wir haben zwei Medien, die jederzeit channeln können. Ohne große Ritualsvorbereitungen.“
„Sind das die zwei mit den unterschiedlichen Meldungen?“
„Nein.“
„Ok, dann verbinden Sie mich.“

Es dauerte eine kleine Weile bis sich nun eine ältere Frauenstimme meldete:
„Sie sprechen mit Uritella vom Schwarzwaldverein Seat Luchs. Womit kann ich dienen?“
„Ich benötige eine sichere Channelbotschaft zum Weltuntergang:“
„Wünschen Sie den Kontakt zu einem bestimmten aufgestiegenen Meister oder zum Heiland selbst?“
„Darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht.“
„Sollten Sie aber“, säuselte Uritella. “Ich habe hier eine ganze Palette von Meistern, die ich channeln kann. Und soviel Zeit steht mir nun auch nicht gerade zur Verfügung. Ich bin gerade mit meinem Badewasser beschäftigt.“
„Mit Ihrem Badewasser?“
„Ja. Ich habe doch die göttliche Botschaft bekommen, Heilwasser zu verkaufen.“
„Was hat das mit Badewasser zu tun?“
„Nach einer göttlichen Rezeptur muss ich mein Badewasser mit der linken Hand im Uhrzeigersinn umrühren. Dabei fließt die gesamte Heilenergie ins Badewasser.“
„Und das ganze lässt sich verkaufen?“
„Selbstverständlich. Ich fülle mein Badewasser in Flaschen ab. Meine Kunden sind äußerst zufrieden.“
„Das käme für mich wahrscheinlich nicht in Frage. Ich bin hunareikiorientiert. Ich bräuchte Informationen zum Weltuntergang. Kann meine Rechnungen nicht bezahlen.“
„Dann schlage ich Ihnen mal Serephinola vor. Der ist leicht zu channeln, bringt die Dinge auf den Punkt und liegt selten daneben.“
„Gut. Fangen wir an.“
„Alles was ich bräuchte, wäre nochmals Ihre Kundenummer. Und danach möchte ich Sie bitten, kurz die Augen zu schließen.“
„X-komma-null-viereinhalb, Herbeldinger.“
Ich schloss die Augen.
„Nun atmen Sie tief in Ihren Bauchraum und lassen Sie sich von Ihrem Unbewussten ein Symbol für Ihre Frage schenken.“
„Eieruhr!“
Kaum hatte ich ihr das Symbol genannt, hörte ich ein leichtes Seufzen am anderen Ende der Leitung, das nach wenigen Sekunden in immer lauter werdendes Stöhnen und Grunzen überging.
„Alles in Ordnung?“ fragte ich leicht besorgt.
Statt einer Antwort hörte ich nur den markdurchdringenden Schrei:
„Serephinola! Serephinola!“
Dann Stille. Ich wartete ungeduldig. Endlich:
„Herr Herbeldinger“, Uritella klang nun wieder ruhig und vertraut. „Die Sache gestaltet sich etwas schwierig. Seriphinola meint, es gäbe konzentrative Hemmnisse in Bezug auf Ihre Frage, da Sie offensichtlich über keinerlei Astralerfahrungen verfügen.“
„Ich bin hunareikiorientiert. Wir arbeiten fast ausschließlich energetisch.“
„Wir haben Astraltraining im Angebot. Natürlich in abgespeckter Form. Das ganze dauert nur wenige Minuten. Danach dürfte einem Kontakt mit Serephinola nichts mehr im Wege stehen.“
’Ich habe keinen blassen Schimmer, was ich nun tun soll’, schoss es mir durch den Kopf. ‚Meine Rechnungen! Meine Ziele! Mein Leben überhaupt!’
„Können Sie mich verbinden?“
„Klar doch!“ Und schon klickte es in der Leitung.
„Out-Of-Body-Experience-Odenwald-Liga. Sie sprechen mit Stephan Monroe. Was kann ich für Sie tun.“
„Ich brauche einen Schnellkurs.“
„Basic?“
„Keine Ahnung.“
„Ok, dann wahrscheinlich Basic. Sind Sie schon einmal mit kosmischen Gesetzmäßigkeiten konfrontiert gewesen?“
„Ständig. Ich habe einen hermetischen Quertouch.“
„Ihre Kundennummer, bitte.“
„X-komma-null-viereinhalb.“
„Herr Hebeldinger. Ich darf Sie bitten, sich während des Schnellkurses ganz genau an meine Anweisungen zu halten. Sie haben Erfahrung im Visualisieren?“
„Selbstverständlich.“ antwortete ich sichtlich genervt.
„Dann visualisieren Sie bitte in folgender Abfolge und nach Möglichkeit ziemlich schnell: Sie sitzen in einem Unterseeboot. Zweitens: Sie befinden sich in einem Raumschiff. Drittens: Sie fliegen losgelöst von allem irdischen über den Mount Blanc. Von links nähert sich Ihnen ein brasilianischer Schmetterling. Winken Sie ihm mit der rechten Hand. – Haben Sie’s?“
„Klar doch.“
„Sehr schön. Nun kommen wir zu Ihrer eigenen Kreation. Es geht darum, dass Sie sich kurzfristig aus Ihrem Körper lösen und sich Ihrem eigenen Reiseziel nähern. Wohin möchten Sie reisen?“
„Dazu fällt mir nichts ein.“
„Dachte ich mir schon.“ meinte Stephan. “Das kommt ziemlich oft vor. Vielleicht habe ich da etwas für Sie.“
Ich hörte das Rascheln von Papier durch den Telefonhörer.
„HEBAB Ltd. in Newcastle, Herr Herbeldinger, ist das derzeit effektivste Reisebüro für Astralreisende, das wir zu äußerst günstigen Konditionen für unsere Mitglieder gewinnen konnten. Die Zusammenarbeit mit HEBAB gestaltet sich sehr angenehm.“
„Was kostet mich das?“
„Der Erstkontakt ist für Sie kostenlos.“
„Gut. Verbinden Sie mich.“
„Hello. This is HEBAB Ltd., Newcastle. We are not available at the moment – Wir sind im Moment nicht erreichbar.“
Die Verbindung wurde abrupt unterbrochen.

Ich öffnete das Fenster und atmete die frische Abendluft tief in meine Lungen. Gedankenverloren schaute ich ein paar Minuten in die Weiten des Abendhimmels. Dann wandte ich mich vom Fenster ab.
Mein Blick wanderte wieder hin zum Telefon, das mich so stark in seinen Bann zog.
Ich nahm den Hörer erneut ab und wählte
.
„Psychiatrisches Zentrum für seelische Gesundheit. Guten Abend. Was können wir für Sie tun?“
„Mein Name ist X-komma-null-viereinhalb. Ich brauche frisches Badewasser. Mein Schmetterling sitzt im U-Boot. Wie weit ist es bis zum Mont Blanc? Schicken Sie mir die Rechnung bitte.“
Es tut gut nun hier zu sein. Ich bekomme regelmäßig Frühstück, Mittagessen und Abendessen. Und jeden zweiten Mittwoch gehe ich vormittags in die Bastelgruppe.
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(c) rh

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Religion und Spiritualität

Ich bin kein religiöser Mensch. Ich denke, Religion wurde von Menschen erfunden und für Menschen gemacht. Religion benötigt für seine Existenz ein Regelwerk in Form von Ritualen und Verhaltensanweisungen. Religion versucht, den Grund menschlichen Daseins zu erklären, nicht zu untersuchen. Religion fragt nicht nach dem Sinn, Religion liefert den Sinn. Und für viele ist es genau das, was sie in ihrem Leben suchen: eine Antwort auf die Frage, was der Sinn des Lebens sei. Vor diesem Hintergrund erfüllt jede Religion für ihre jeweiligen Anhänger ihren Zweck, wenn sie dem religiösen Bild zusätzlich Lebensmodelle hinzufügt, nach denen die Gläubigen ihrem Glauben entsprechen können, und wenn sie das menschliche Bedürfnis nach Gemeinschaft und Zugehörigkeit bedient.

Die Frage nach der Existenz eines Gottes wird aus der jeweiligen Religion heraus regelmäßig bejaht, wobei grundsätzlich die konkrete oder abstrakte Vorstellung der Religionsgemeinschaft über das Gottesbild als Grundlage für die Beantwortung dieser Frage dient. Der Glaube daran wird eingefordert, das Nichtglauben mit Konsequenzen belegt.

Kürzlich fragte ich meinen Sohn, der sich zur Evangelischen Feikirche zählt, ob er denn tatsächlich an Gott glaube. Ja, antwortete er, er sei davon überzeugt. Ob er denn an diesen Gott Abrahams glaube, wie er in der Bibel beschrieben ist, an den himmlischen Vater, wollte ich dann weiter wissen. Ja, bezeugte er. Ich erklärte ihm, dass es mir absolut unverständlich ist, wie jemand an ein Wesen außerhalb seiner selbst glauben kann, das einen derartig stark ausgeprägten Minderwertigkeitskomplex hat. Denn wie anders könne man es nennen, wenn der himmlische Vater von seinem geliebten Abraham verlangt, dass dieser den Sohn zur Schlachtbank führe, um Gott, dem gütigen Vater, seine Liebe zu beweisen. Das ist Nötigung, das ist Machtmissbrauch. An diesen biblischen Gott kann ich leider nicht glauben, auch wenn dieser Tausende von Jahren nach diesem Ereignis entschied, von nun an für die Christen ein gütiger, liebender Gott zu sein. Zumal der zur Erlösung gesandte Sohn erst im 4. Jahrhundert nach seiner Geburt vom römischen Kaiser, also von einer weltlichen Instanz, zum Sohn Gottes und diesem wesensgleich gekürt wurde.

Von der philosophischen Essenz her sehe ich mich eher dem traditionellen, ursprünglichen Buddhismus zugeneigt. Das hat zwei Gründe. Zum einen sucht der Buddhismus nicht nach dem Sinn des Lebens und liefert dazu auch keine Erklärung ab. Nach der Überlieferung suchte Buddha die Gründe für die Entstehung allen Leids und die Lösung für die Auflösung allen Leids. Zusammengefasst kann man sagen, dass alles Leid durch den Menschen entsteht und durch diesen auch aufgelöst werden kann. Da gibt es nichts außerhalb des Menschen selbst, das steuert oder regelt. Zum anderen machte Buddha, sofern man der Überlieferung glauben kann, aus seinen Erkenntnissen keine Glaubensfrage. Er forderte seine Anhänger nicht auf, ihm zu glauben, sondern riet ihnen, seine Erkenntnis durch eigenes Erleben, durch eigene Erfahrung zu überprüfen. Ein weiterer Grund für die Unterscheidung zwischen klassischem Buddhismus und Religion, ist die Frage des Gebets. Ein Buddhist betet nicht zu irgend etwas oder zu irgend jemandem außerhalb von ihm. Ein Buddhist geht in die Kontemplation, er meditiert über eine Fragestellung, ein Thema.

Doch wie ich oben schon geschrieben habe: der Mensch hat ein Bedürfnis nach Gemeinschaft, nach Zugehörigkeit. Er möchte die Frage nach dem Sinn des Lebens beantwortet haben, er sucht nach Sinn für sein Dasein. Und so wurde aus dem ursprünglichen Buddhismus schnell eine Religion mit allen Facetten: mit Geistern der Verstorbenen, mit Gebetsmühlen, mit Wiedergeburten, mit so ziemlich allem, was zu einer waschechten Religion dazu gehört, inklusive Hierarchieebenen der Religionsführer und Unterdrückung des einfachen Volkes, worüber man in unserer westlichen Welt nicht viel wissen will, wenn es beispielsweise um die mittelalterlichen, menschenverachtenden Unterdrückungsmethoden durch tibetische Lamas geht.

Doch trotz allem bin ich ein spiritueller Mensch. Nein, kein Esoteriker. Esoterik und Spiritualität kommt für mich nur in den seltensten Fällen zusammen. Esoterik ist ein riesengroßer, legitimer Wirtschaftsmarkt mit einem Milliarden-Umsatz jährlich allein in Deutschland, mit der großen Zielgruppe der Sinnsuchenden, der Fragenden. Auch wenn Buchverlage dazu übergehen, ihre Produkte immer weniger als Esoterik zu klassifizieren, sondern in der Rubrik Lebenshilfe oder Spiritualität einzuordnen, hat das mit der Spiritualität wie ich sie für mich definiere nicht viel zu tun. Und wenn die liebe Gerda aus D-Stadt sich über eine Telefon-Hotline ihre Zukunftsfragen beantworten lässt, hat Gerda wohl eher ein Problem mit sich selbst als mit ihren Lebensumständen. Nur weiß sie das in der Regel nicht und insofern ist auch das okay.

Für mich liegt der erste Schritt des Erfahrens der eigenen Spiritualität darin, zu erkennen, dass es eine Wahrheit gibt. Nicht mehr und nicht weniger. Ich tue hier nun dasselbe, was Religionen tun, wenn sie die Schöpfung ‚Gott’ nennen. Ich gebe dem, was ist, einen Namen, etikettiere es und nenne es „Wahrheit“. Und Wahrheit ist alles, was ist. Nicht mehr und nicht weniger. Ich möchte erklären, was ich damit meine und was es für mich bedeutet.

Noch zu Anfang des Mittelalters galt der Donner während eines Gewitters für die Menschen damals als ein Ausdruck des Zornes Gottes. Selbst meine Mutter sprach noch in den 1950ern Jahren davon, dass der liebe Gott sich ärgere und es deshalb draußen blitze und krache. Heute weiß man, dass der Donner dadurch entsteht, dass sich aufgeheizte Luft in einem Blitzkanal schnell ausdehnt, die Luft in Schwingung versetzt und dadurch den Knall verursacht. Für uns hörbar, weil die Schwingung der Luft auf einen Resonanzboden in Form unserer Trommelfelle trifft. Das ist eine Wahrheit. Diese Wahrheit ist aber nicht erst seit der Erforschung des Gewitters entstanden. Diese Wahrheit war schon immer da. Diese Wahrheit existiert und wird weiter existieren.

Was für mich nun die ganze Sache spirituell macht, in Form von Wahrhaftigkeit, wird vielleicht durch die folgende, spannendere Feststellung noch deutlicher:

Wenn ich meinen Daumen betrachte, so ist dieser Daumen zwar ein Teil von mir, aber ich bin nicht mein Daumen. Nimmt man von meinem Daumen eine DNA – Probe, so findet man darin alle Informationen, die meinen Daumen eben einen Daumen sein lassen. Aber man findet in dieser Probe auch alle Informationen, um mich als Mensch komplett nachbauen zu können und eben nicht nur meinen Daumen. Gehen wir hinunter zu meinem kleinen Zeh, finden wir dort dasselbe Phänomen: alle Informationen, damit mein kleiner Zeh zu einem kleinen Zeh werden konnte, aber auch alle Informationen, um mich komplett nachzubauen. Eine Art Gesetzmäßigkeit, die nicht erst seit der Entdeckung der DNA existiert. Eine Wahrheit, die schon immer war, die ist und sein wird. Eine schöpferische Wahrheit, die nichts fordert, nichts verlangt, die keine Glaubensbekenntnisse aufstellt. Eine schöpferische Wahrheit, die für sich gesehen neutral ist und einfach existiert.

Zu Erkennen, dass es eine grundlegende Wahrheit gibt, die wir durch unsere Forschungen in manchen Bereichen aufgedeckt haben und in anderen Bereichen eben noch nicht, ist für mich der Beginn eines spirituellen Pfades. Jedes auch noch so kleine In-Berührung-Kommen mit dieser Wahrheit, dieser Wahrhaftigkeit, sei es durch Forschung und Entdeckung, durch Kontemplation, durch Meditation ist für mich ein spirituelles Highlight.

Diese Wahrhaftigkeit einem Glaubenssystem einzuordnen oder es mit dem abgelutschten Etikett ‚Gott’ zu versehen, macht sie zu einem Konstrukt, beraubt sie ihrer Neutralität und entzieht ihr aus meiner Sicht jeden schöpferischen Aspekt.

Vielleicht ist der eine oder andere Leser geneigt, mir meine Spiritualität abzuerkennen, weil er das, was ich hier schreibe so ganz und gar nicht spirituell betrachten kann, fehlt doch irgendwie der religiöse, verklärende, mystische Bezug. Nun, das ist für mich auch okay. Gestern gab es diesen Artikel noch nicht, nicht einmal die Absicht, einen solchen Artikel zu schreiben. Heute vormittag waren alle Sätze plötzlich vorhanden, nicht über einen einzigen Satz musste ich nachdenken. Ich schrieb es einfach auf, und es mag ja durchaus sein, dass ich mich irre und nach meinem Tod vollkommen erstaunt sein werde, auf diesen christlichen Gott zu treffen. Dann wird er sich allerdings ein paar Fragen von mir zu der Nötigung von Abraham gefallen lassen müssen. Bis dahin…

© rh

Außer mit dieser Art von Artikeln in meinem blog, befasse ich mich auch mit dem Schreiben von Lyrik und Kurzgeschichten. Sofern Sie sich dafür interessieren, besuchen Sie doch meine Homepage „Meine Schreibe…“

Von Zauberlehrlingen und Magiern

Wenn alter Wein in neuen Schläuchen dem Leben im Wege steht…

Die Welt ist voll von Zauberlehrlingen. Du findest sie zwischen den unzähligen Marktständen des Esoterik-Marktes, der ständig alte Weisheiten in neue Gewänder kleidet, der Produkte auf den Markt wirft, die dem Zauberlehrling scheinbar versprechen, sich von der übrigen Menschheit durch geheimes Wissen und okkulte Anwendungen als etwas Besonderes hervor zu heben. Nichts davon ist geheim und nichts davon ist etwas Besonderes. Wie sollte auch etwas geheim sein, das verkauft werden soll?

Nun ist es vollkommen legitim, wenn dieser Wirtschaftszweig mit neuen, verkaufsfähigen Produkten und Dienstleistungen aufwartet. Der wahre Magier aber gehört der Zielgruppe des Marktes nicht an. Einzig die Zauberlehrlinge sind dankbare Dauerkonsumenten. Sie scheinen ständig auf der großen Suche zu sein nach Lebensbewältigungsmethoden, kein Buch reicht aus, um ihren unaufhörlichen Wissensdurst zu stillen.

Du erkennst den Zauberlehrling daran, wie er sich in allem verliert, was außerhalb seiner selbst existiert, wie es ihn nach Verklärtheit und Hilfsmittel drängt, die ihn dabei unterstützen sollen, seine Lebensumstände zu beeinflussen. Sei es durch Rituale, Talismane, Essenzen, Einweihungen, Rückführungen, alles was der Markt eben so bietet. Er scheint grundsätzlich in Bewegung zu sein und seine Gedanken kreisen um allerlei esoterische Spielchen, während er außerhalb seiner Mitte ist. Unbewusst darüber, eine Macht außerhalb seiner selbst zu suchen, die er nutzen kann und an die er die Verantwortung für sein Leben abgeben kann.

Ein Zauberlehrling mag vielleicht durchaus in der Lage sein, einen Vortrag über kosmische Gesetzgebung zu halten, aber wenn ihm ein Mahnbescheid wegen unbezahlter Rechnungen ins Haus flattert, legt er einen Schutzbann um sich, der ihn vor negativen Einflüssen schützen soll oder gibt die Lösung seines Problems an die geistige Welt ab. Er scheint in solchen Momenten unfähig zu sein, das Prinzip von Ursache und Wirkung zu erkennen, geschweige denn es zu leben. Nicht umsonst wird die heutige Esoterik auch als Fluchthelfer vom wirklichen Leben bezeichnet.

Der Magier in der selben Situation, weiß den Mahnbescheid als Wirkung zu interpretieren, nahm diese Wirkung vielleicht sogar in Kauf, als er die Rechnungen ignorierte. Was immer den Mahnbescheid zum Magier führte, es war Bestandteil der eigenen Realität des Magiers. Er ist sich bewusst, mit einer anderen Ursache würde diese Wirkung nicht existieren. Sei es durch das Verändern seiner Gedanken, seiner Einstellung zu Pflichtbewusstsein oder was auch immer notwendig für eine andere Ursache gewesen wäre, es hätte zu einer anderen Handlungsweise, nämlich zum Bezahlen der Rechnungen geführt. Deshalb sieht sich der Magier keinesfalls als Opfer der äußeren Umstände, sondern erkennt diesen Mahnbescheid klar als Produkt seiner eigenen Kreation.

Ja, er geht sogar noch weiter: er weiß, jegliche Schutzmagie wurde aus dem Glaubenssatz heraus geboren, das Universum wäre unfreundlich, bedrohlich. Er betrachtet ein Schutzritual oder das permanente emotionslose Wiederholen von Think–positiv-Affirmationen wie beispielsweise‚ ‚ich bin reich, ich bin erfolgreich‘ als Nährboden für den Kerngedanken, der Magier befände sich in Gefahr und in einer Mangelsituation. Da der Magier erfahren hat, jeder Gedanke strebt danach, sich zu verwirklichen, wird er eher dahingehend wirken, diesen Kerngedanken zu verändern, anstatt durch das Gefühl der äußeren Bedrohung eine erneute für ihn schädliche Ursache zu setzen.

Woher nehme ich all diese Annahmen? Ganz einfach: Ich war selbst ein Zauberlehrling. Und Zauberlehrling zu sein ist schön, wenn man bereit ist, den Weg weiter zu gehen, Erfahrungen zu sammeln, offen ist für Veränderungen und beginnt, Verantwortung für sein Leben zu übernehmen.Ich bin mit der Esoterik erstmals durch ein Buch über positives Denken in Berührung gekommen. Danach folgten Unmengen von Lebenshilfebüchern, die ich alle verschlungen habe.

Ohne glücklicherweise auch nur einen Pfennig dafür bezahlt haben zu müssen, avancierte ich durch verschiedene Einweihungen zum Reiki-Meister/Lehrer. Später erkannte ich, Reiki, gespickt mit fernöstlicher Symbolik, ist aus meiner Sicht schlicht ein neues Verkaufsmäntelchen für das Polarity der 70er Jahre. In diesem esoterischen Geschäftsfeld wird der Eindruck erweckt, als wäre erst eine Initation durch einen Meister notwendig, der den Kanal öffnet, um Anschluss an die Lebensenergie zu bekommen. Das ist, als wolle jemand Steuern auf die Luft erheben, die wir einatmen. Kaum wird erkannt, dass die Reiki-Lebensregeln die Essenz in sich tragen für ein Handeln im Hier und Jetzt. Die scheinbar uralten Formulierungen sind bar jeder positiven Ausrichtung und postulieren ständig, was gerade nicht getan werden soll.

Gerade beim Reiki hat in den letzten Jahren ein regelrechter Ausverkauf stattgefunden. Selbst über Internetplattformen wird Reiki versteigert. Der schnelle Aufstieg zum Meister ist nur eine Frage des Preises. Der Wunsch, schnell selbst Meister zu werden, um ebenfalls durch Einweihungen am Reiki verdienen zu können, ist menschlich und liegt nur allzu nahe.
Die tiefere Bedeutung der Reiki-Lebensregeln zu erkennen und in den Alltag zu integrieren, ist aber ein Lernprozess und kann nicht auf einem Blatt Papier während eines Wochenend-Seminars für rund dreihundert Euro weiter gegeben werden.
Verschiedene Meister – vorwiegend die Freien – , die sich von vorneherein nicht in eine Allianz einbinden ließen, haben dies erkannt und lehnen mittlerweile kostenpflichtige Einweihungen sogar ab, weil sie nicht als Berufsausbildner für Wunderheiler dienen wollen. Energie ist frei und kann nicht von wenigen Wissenden verwaltet werden, es sei denn man hat es nötig, sein Selbstwertgefühl durch Fremdanerkennung streicheln zu lassen.

Ich befasste mich weiter mit der Hermetik, versuchte mich an der Geheimlehre von Helena Blavatzky, las Steiner, überflog Palmer, unternahm schamanische Reisen und informierte mich auch über verschiedene religiöse Richtungen. Ich würde mir wünschen, ein zeitgenössischer, guter Autor schaffe es, die Essenz aus all diesen Schriften und Lehren zusammen zu fassen und in eine Sprache zu übersetzen, die auch ein einfacher Mensch mit Hauptschulabschluss verstehen kann, ohne vorher ein Philosophiestudium absolviert haben zu müssen.

Neben der Gefahr, sich durch diese oft schwere Kost, die den Lehren inne wohnt, den Magen zu verderben, scheint es, als sei ein Krieg zwischen den Meistern darüber ausgebrochen, wer nun die letzte, endgültige Weisheit für sich in Anspruch nehmen kann.

Aber all das darf sein! Denn nichts aus den Erkenntnissen der Hermetik, der Theosophie, den verschiedenen Religionen, den unzähligen Wegen ist schlecht oder unwahr! Alle Richtungen sind Realitäten. Und jedes Wirken in einer Realität ist folgerichtig und wird der jeweiligen Realität gerecht. Wer die Welt durch eine blaue Brille betrachtet, wird eben viel Blaues entdecken.

Was mich jedoch an so manchem Meister stört, ist der Schleier des Geheimnisvollen, das ständige Zurückgreifen auf alte, okkulte Weisheiten, ohne die angeblich keine Erleuchtung möglich wäre und die teilweise dogmatischen Vorgaben des Weges. Kenntnisse über die Funktion kosmischer Prinzipien, über das Verständnis von Seele und über den Menschen als Teil der Natur, über das Zusammenwirken von energetischen Kräften kann zu tiefen, inneren Einsichten führen und zu einem Selbstverständnis, das wahrlich das Bewusstsein verändert. Die Wege und Möglichkeiten aber, wie Menschen zu diesen Einsichten gelangen, sind so vielfältig wie es Menschen auf dieser Erde gibt. Es gibt Milliarden von Wegen und jeder einzelne hat seine Berechtigung.

Das ständige Umhüllen dieser Kenntnisse mit einem mystischen Mantel des Absonderlichen, zu dem nur Eingeweihte, etwa nach langer Zugehörigkeit zu geheimen Zirkeln, Zugang erlangen könnten, der Hang zur wohlgeordneten Organisation – vom Ritual bis hin zur Hierarchie -, korrektes Outfit, gestyltes Zubehör, demütiges Nach-oben-dienen macht angreifbar und abhängig. Nicht selten geben sich Meister verschiedener magischer Schulen ziemlich arrogant gegenüber den sogenannten Nichtwissenden.

Der wahre Magier wirbt nicht um Schüler, versteht sich selbst immer als Schüler, weil jeder Mensch von jedem Menschen lernt. Schüler kommen oder sie kommen eben nicht. Und wenn denn einer den Magier findet, so wird dieser ihn zur Eigenverantwortung führen, zur Selbsterkenntnis und zu der Einsicht, der Schüler trägt längst alles Wissen und alle Fähigkeiten in sich.

Durch meine Ausbildung und Tätigkeit zum Suchtberater und NLP-Trainer lernte ich, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten, nicht aber zu missionieren. Ich lernte und erfuhr, wirksame Veränderungen für mein Leben durch das Auflösen von alten Glaubenssätzen in meiner Denkweise herbei zu führen. Dazu benutze auch ich sogenannte Rituale. Weil sie mir dabei helfen, meine Ziele und Wünsche mit der nötigen Emotion auszustatten, sie unterstützen mich dabei eine gewisse Gemütshaltung hervorzurufen. Einen Zielsatz beispielsweise nur zu denken, ohne ihn emotional zu besetzen, wäre reine Träumerei. Dabei können diese Rituale vollkommen verschiedenartig sein: von einfachen Entspannungsübungen über das Betrachten eines Bildes oder eines Baumes, bis hin zum Reintanzen in alte Soul-Music. Sie sind weder an ein Dogma gebunden noch an irgendeine vorgeschriebene Form.

Dieses Verändern der eigenen Realität ist für mich Magie und wahres Meisterwerk! Der Versuch, missionarisch andere Realitäten zu verändern, eher der Weg eines Zauberlehrlings.
Albert Einstein prägte den Satz: „Mehr als die Vergangenheit interessiert mich die Zukunft, denn in ihr gedenke ich zu leben.“ Ich möchte diesen Satz für mich erweitern und sagen: „Mehr als die Zukunft interessiert mich die Gegenwart, denn in ihr gedenke ich meine Zukunft zu kreieren.“

© rh

In meiner Autorenlesung präsentiere ich eine Auswahl meiner Texte zu folgenden Themen:

– Sucht und Persönlichkeitsentwicklung
– Arbeit und Soziales
– Humorvolles mit einem Schuß Ironie

Ich kapier‘ kein Engelerisch

Die Vermittler sind wieder unterwegs. Es gibt ja so viele Suchende, oder besser Nichtfindende. Da braucht man schon so eine Vermittlungsstelle. Nein, ich rede nicht von Partnerbörsen. Ich meine diese medialen Vermittlungsstellen, die dir den Kontakt zu deinem Engel herstellen, weil dein Engel einfach zu blöd ist, um mit dir selbst Kontakt aufzunehmen. Es kann natürlich auch sein, dass du auf der falschen Frequenz funkst, ihn nicht verstehst. Dann muss der Kanal richtig eingestellt werden. So ein Medium kennt die Frequenzen.

Sie brauchen ja Führung, die Suchenden. Sind ja auf ihrem Weg. Alle sind auf ihrem Weg. Kaum jemand, der mal stehen bleibt und Luft holt. Wie soll man da noch wissen, in welche Richtung es geht, wo die richtige Frequenz ist. Da braucht man schon einige, die Kontakte knüpfen können mit der Weisheit, mit der energetischen Kraft.

Zuerst waren es Heiler. Viele Heiler, immer mehr Heiler. Vergleichbar mit einem Krankenhaus, in dem nur Ärzte arbeiten, aber keine Pfleger und schon gar kein Kantinenpersonal. Ein Überangebot an Heilern auf dem alternativen Markt. Und nun sind es eben die medialen Vermittler.

Der Einzelne ist ja nicht sensibel genug, kann der Stimme seines Engels kaum lauschen, braucht einen Übersetzer für Engelerisch.

Bei meinem Engel ist das anders. Der spricht alle Sprachen, angefangen vom Slang über chinesisch bis zu den gängigen Programmier-Sprachen, wenn er es für angebracht hält. Mein Engel verfügt über eine hohe Kommunikationsfähigkeit und unterlässt es tunlichst, sich mir in einer abgehobenen, verklärten, metapherreichen und himmelssphärischen Sprache mitzuteilen, weil er genau weiß, dass ich kein Engelerisch kapiere.

Aber es soll ja auch andere Engel geben. Die wissen genau, dass ihre Erdenbürger und deren Vermittlungsstellen sowohl auf gehobenes Engelerisch wie auch auf den dazu passenden Kommunikationsweg bestehen. Sie akzeptieren solche Geschäftsmodelle voll und ganz, obwohl sie dabei leer ausgehen. Was sollten sie in ihrer Dimension auch mit der Kohle anfangen? Die ist bei den Vermittlern besser aufgehoben.

© rh

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