Parkplätze in der Sahara

”Die müßtet all in der Wüste parke!” ereiferte sich meine Nachbarin, Frau Wehmüller, als ich ihr am Samstagmorgen auf der Straße begegnete.
Beladen mit zwei schweren Tüten, kehrte sie von ihren Einkäufen zurück und schlängelte sich verärgert durch die Reihen falsch geparkter Autos.
Insgeheim mußte ich Frau Wehmüller zustimmen, denn anstatt ihre Fahrzeuge in den vorgesehenen Parkhäusern unterzustellen, hielten es viele Anwohner für angebracht, den Gehsteig mit ihren Vehikeln teilweise zu besetzen, was aufgrund zu schmal geratener Fußwege die Passanten nötigte, die Fahrbahn zu betreten.
Ich machte mir daher wohl zurecht Gedanken über die Aussage von Frau Wehmüller und kam nach einigen Überlegungen zu folgendem, fast wissenschaftlichem Ergebnis:
Lenkt der deutsche Kraftfahrer sein Fahrzeug in die Sahara, schlägt sein Herz zunächst höher. Anders als in der Bundesrepublik findet er hier Parkplätze in Hülle und Fülle. Parkplatzsorgen sind dort gänzlich unbekannt.
Weshalb, drängte sich mir die Frage auf, werden diese Parkplätze dann nicht genutzt?
Abgesehen von der geographischen Lage der Sahara, eine berechtigte Frage! – Aber, man übersieht dabei den dem Deutschen angeborenen Sinn für symmetrische Ordnung.
Seit der Erfindung des Autos, lebt der Deutsche mit der Erkenntnis, daß Jahr für Jahr mehr Regeln für die Benutzung eines solchen Fahrzeuges notwendig sind und sein werden.
So findet man auf Deutschlands Straßen eine Unmenge weißer Striche und blauer Schilder, die das Geschehen auf unseren Parkplätzen bestimmen und streng abgrenzen.
Ein Erscheinungsbild, das in der Sahara vollkommen fehlt!
Wollte nun ein deutscher Kraftfahrer sein Fahrzeug in der Sahara parken, käme dies einem Chaos gleich, das gleichbedeutend wäre mit dem Untergang aller gesetzten deutschen Ordnungsnormen.
Unermüdlich würde der Kraftfahrer in der Wüste herumirren, um einen geeigneten Ruheplatz für sein liebstes Spielzeug zu finden.
Jedoch, nirgendwo ein Schild, das auf so einen Platz hinweist, nirgendwo die beliebten weißen Striche, an denen er ersehen kann, ob sein Fahrzeug richtig oder falsch steht.
Auch der Polizist, an dessen Gesichtsausdruck er sich notfalls noch orientieren könnte, ist weit und breit nicht zu sehen.
Was bliebe also anderes, als zu fahren und zu fahren, bis das Benzin zu Ende ginge und womöglich nur noch der qualvolle Tod des Verschmachtens in der Wüstensonne greifbar wäre?
So wird die Sahara bis auf den heutigen Tag von Deutschlands Kraftfahrern gemieden, was ich Frau Wehmüller, sobald ich mein Auto weggefahren habe, schnellstens berichten muß.

(c) rh

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Autor: Rolf Höge

Dieses Blog begleitet meine Homepage www.rolf-hoege.de - Laienautor nenne ich mich hier, weil ich nicht vorrangig professionell schreibe und damit Geld verdiene, sondern eher als Laie meine Texte produziere und vorstelle, d.h. 'nicht professionell'. Wenn ich schreibe, male oder gestalte, bin ich in Kontakt mit mir und dem, was in mir ist. Ich erlebe dies als etwas sehr Persönliches, Eigenes und ich bin durchaus geneigt, diese Prozesse als meine individuelle, spirituelle Erfahrung zu bezeichnen. Ich bin Mitglied im Literarischen Zentrum Mannheim "Die Räuber 77", Mitglied in der Künstlergruppe "fx - fundus artifex", Mitglied im "Künstlerverein Bürstadt".

4 Kommentare zu „Parkplätze in der Sahara“

  1. der ist echt guuuuuut *lmw

    und nun sortier erst fein die kommentare näääääää bevor sie jeder sehn kann und du weisst ja….schön nacheienander in diedafür vorgesehenen spalten *kicher

    ein tolles wochenende vom bengelchen

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  2. Ja ein guter Gedanke – aber mit einem Deutschen Autfahrer nicht zu verwirklichen. Und diejenigen die nahe der Wüste wohnen, haben ja ihre Wüstenschiffe( und die wären dafür bei uns völlig fehl am Platz, oder 🙂 LG Angi

    Schlagzeile : Verirrtes Kamel am Stachus gesichtet :))

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