In mir brodelt ES

In mir brodelt ES. Ich habe mit ES gesprochen. Es sei nun mal so, meinte ES und außerdem sei ES das Brodeln ja vollkommen freigestellt. Brodeln käme übrigens ebenso wenig von Brot wie von Dellen. Ich würde ja auch freischreiben, meinte ES und niemand frage danach, von wem oder was ich mich befreien wolle. Ich ließ ES dann in mir alleine und dachte, brodele doch ohne mich. Wer bin ich denn, dass ich in mir mit mir brodeln lasse. / Rolf Höge

 

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Wie alles begann

Es war zu jener Zeit, als ich noch mit Old Shatterhand durch den Llano Estacado ritt und Kakteenfelder anzündete, um es regnen zu lassen. Zu jener Zeit, als ich Freitag auf meiner Insel Deutsch lehrte, während Bohnen mit Rindfleisch über dem Feuer garten. Zu jener Zeit als ‚agcricola convivam exspectat‘, der erste Satz aus ‚Fundamentum Latinum‘, Ausgabe B, Band 1, sich so tief in mein Unterbewusstsein gegraben hatte, dass ich ihn heute noch im Schlaf als ‚der Bauer erwartet den Gast‘ übersetzen kann. Außer diesem ersten Satz im Lateinbuch fanden in der Folge allerdings keine weiteren, lateinische Vokabeln oder gar Grammatik-Regeln ihren Weg in mein Gehirn.

Die Uhr zeigte kurz gegen Elf-Uhr-Fünfzehn, und ich bereitete mich mit einem gekonnten Redebeitrag darauf vor, die Klasse vorzeitig verlassen zu müssen, weil ich wusste, dass in der Mädchen-Realschule nebenan in wenigen Minuten die Hofpause eingeläutet werden würde.

Dieses Mal nahm ich mir vor, unseren Mathe-Lehrer davon zu überzeugen, dass all seine Ausführungen an der Schiefertafel nur dann wirklich sinnvoll seien, wenn in der Summe Eins plus Eins tatsächlich Zwei ergeben würden. Hätte man sich aber damals, als die Mathematik erfunden wurde, auch nur ein einziges Mal geirrt, so gab ich zu bedenken, und Eins plus Eins ergäbe in der Summe gar nicht Zwei, sondern vielleicht „Hmm“ oder „Hupp“, so würden alle mathematischen Krakeleien an der Tafel von selbst ad absurdum geführt. Mathematik sei für mich genau aus diesem und vielen weiteren, ungenannten Gründen eher eine Glaubensfrage und ‚glauben‘ hieße nun einmal nicht ‚wissen‘.

Kurz darauf fand ich mich allein im Flur des Schulhauses wieder, denn man hatte auf meine weitere Teilnahme am Mathematikunterricht verzichtet. Und eben zu jener Zeit wurde in der Mädchen-Realschule nebenan zur Hofpause geläutet, während ich durch das Fenster im Ersten Stock des Jungen-Gymnasiums beobachten konnte, wie dort drüben eine Masse von junger Mädchen auf den Hof stürmte.

Ich bin überzeugt davon, dass genau zu dieser Zeit der Regen im Lllano Estacado aufhörte, das Feuer unter dem Topf mit Bohnen erlosch und stattdessen an diesem Tag, am Fenster des Jungen-Gymnasiums, meine Haare bis Schulterlänge zu wachsen begannen und in meinem Gehirn der Sound von ‚Suzie Q‘ den lateinischen Bauer übertönte, der noch heute auf seinen Gast wartet.

Ich bin überzeugt davon, dass ich genau an diesem Tag erkannte, dass die Magie der Frau als solche aus einer Unmenge von faszinierenden und anziehenden Einzelwesen besteht, deren letztendliche Erforschung mir bis heute verwehrt geblieben ist.

Mag sein, dass an diesem Tag noch mehr geschah. Doch davon erzähle ich vielleicht an einem anderen Tag.

© rh

Berührungen

Berührungen-Cover2-Vorders-epubliWorte berühren auf unterschiedliche Weise. Sei es das gefühlvolle Liebesgedicht, die szenische Skizze einer betroffen machenden Realität oder die Humoreske, die zum Schmunzeln einlädt.

Wenn sich die Wege des Autors und des Lesers für kurze Zeit kreuzen, ist es die Berührung durch den Text, die Begegnung zulässt.

„Es ist das Herz des Dichters, das die Worte schafft. Nicht der Reim, Gefühl hat Kraft“.

Meine Autorenlesung habe ich nun aktualisiert und unter das Motto ‚Berührungen‘ gestellt.

Menschen, die meine Texte respektieren und gerne zuhören, stellen für mich eine besondere Art der Berührung dar: eine Begegnung mit dem Ziel, sich durch Worte auf die eine oder andere Weise näher zu kommen und sei es auch nur für die Zeitspanne eines Abends.

Lesezeit: ca. 40 Minuten. Für Fragen stehe ich Ihnen gerne zur Verfügung. Fühlen Sie sich frei, mit mir Kontakt aufzunehmen.

Kontaktinformationen finden Sie auf meiner Homepage
Berührungen-Cover2-Vorders-epubli

Übrigens trete ich auch gerne mit Menschen in Kontakt, die sich vorstellen können, eine solche Lesung musikalisch mit aufzulockern. Denkbar ist auch die Kreation eines musikalischen Hintergrundes zu meinen Texten. Bei allem sollte der Spass im Vordergrund stehen. Vielleicht entwerfen wir gemeinsam etwas Neues…zumindest für uns 🙂

Werd‘ mich der Wirklichkeit nun stellen

Im Stadtpark füttert sie die Tauben,
zuhause ihren Hund.
Darf mir mein Lächeln wohl erlauben,
zu dieser späten Stund’.

Wohl weiblich ihre Formen
und auch ihr Konterfei
ein wenig fern der Normen
und gar kein Einheitsbrei.

Doch wollt’ ich mit ihr bandeln,
buhlen um im Herzen einen Platz,
wie sehr müsst’ ich dann handeln:
besetzt! zeigt mir die Katz.

Werd’ mich der Wirklichkeit nun stellen:
bin ohne Glück,
es läuft nicht rund.
Denn wahrlich, ach, ich kann nicht bellen.
Am Morgen nicht, und nicht zur Abendstund’.

© rh

Entstanden aus der Betrachtung so vieler vierbeiniger Lieblinge der Frauenwelt ím Internet.

Schauen Sie doch auch einmal auf meiner Homepage vorbei.

Der Schrei der Karotte

Angefangen hatte alles beim Gemüsehändler. Die Bananen lagen einsam im Korb und draußen hatte es schon den ganzen Morgen geregnet. Lilly war wieder einmal nicht zum Frühstück erschienen, und Onkel Philipp hatte ein ganzes Einmachglas mit Zwetschgen von seinem Nachttisch fallen lassen.

Mir blieb nichts anderes, als den ganzen Weg von Arkansas zum Old Man River in dem einzigen Paar Hausschuhen zurück zu legen, das ich seit meiner Konfirmation im April ‘69, als ich diesen fatalen Streit mit dem Pfarrer wegen der irrtümlichen Annahme hatte, die Welt sei durch einen lauten Knall entstanden, noch besaß.

Das freundliche Lächeln des Blumenkohls wirkte etwas erhaben, als ich mit der einen Hand, die ich noch bewegen konnte, den Salat sortierte, wobei ich peinlichst darauf bedacht war, den großen Köpfen nicht den Vorzug vor den kleinen zu geben. Ganz hinten saß diese kleine, schnuckelige Zwiebel, die mir schon so manches mal das Wasser in die Augen getrieben hatte, wenn es hier in der Region wieder einmal so unerträglich heiß geworden war und selbst die Kühlhäuser zu schwitzen anfingen. Ich war ja so dankbar dafür!

Alles in allem hätte ich an diesem Morgen vollkommen zufrieden sein können, wäre da nicht dieser kleine Vorfall auf dem Barhocker am Abend zuvor gewesen. Ich war nur ganz wenig vor gefallen, aber es hatte gereicht, mit dem Gesicht – ich glaube mit der Stirn zuerst – den Boden zu berühren, von dem behauptet wird, er sei früher durch einen Teppich geschmückt gewesen.

Es fiel mir daher nicht schwer, dem Gemüsehändler die Hand zu drücken, was diesen jedoch veranlasste, das grüne Glas mit Gurken der Schwerkraft auszusetzen, was wiederum dazu führte, die Zwiebel, welche mir noch kurze Zeit zuvor zugelächelt hatte, in eine Linksdrehung zu zwängen, während plötzlich diese vorne spitz zulaufende Essiggurke genau auf mich zukam.

Der etwas aufdringliche Geruch des Gemüsehändlers störte mich nicht, wohl aber die Hand, die er versuchte um meinen Hals zu legen. Vor etwa siebzehn Jahren musste mich ein Erlebnis beeindruckt haben, das diesem auffallend ähnelte, doch so sehr ich es auch versuchte, ich konnte mich nur noch ganz entfernt daran erinnern.

Kaum jemanden interessierte sich für den Zeitpunkt, an dem die Linksdrehung der Zwiebel beendet war und die Zwiebel selbst, jene die mir in den heißen Tagen das Wasser in die Augen getrieben hatte, zielbewusst auf eine Karotte zusteuerte, die offenbar von diesem Angriff völlig überrascht war. Auch der Blumenkohl begriff die Zwiebelgefahr und begab sich schnellstens außerhalb ihrer Reichweite.

Nur diese kleine, schnuckelige Karotte konnte, ob sie es wollte oder nicht, der Zwiebel nicht ausweichen.
Es gab einen lauten Knall, der irgendwie jenem Knall ähnelte, den ich damals in den Ohren hatte, als Gustav diese Feuerwerkskörper im Jahr ‘62 eigentlich zu Onkel Philipp hätte bringen sollen und sie dann doch neben meinem Bett hatte liegen lassen, obwohl er wusste, ich rauche grundsätzlich im Bett und achte normalerweise nicht darauf, ob da, wo sonst immer ein Aschenbecher steht, auch jedes Mal ein Aschenbecher steht.

Ich spürte förmlich wie mir dieser markerschütternde Schrei jener so sympathischen Karotte durch sämtliche Glieder fuhr. Und nie werde ich dieses cholerische Lachen der Zwiebel vergessen, als schließlich der Gemüsehändler, in Anbetracht der sehr kritischen und angespannten Lage, meinen Kopf in beide Hände nahm und ihn mit einer Geschwindigkeit hin und her bewegte, die vermuten ließ, mich mit dem Schrei der Karotte in Verbindung zu bringen.

Ich weiß heute nicht mehr so genau wie das alles weiter ging, aber wenn Sie wollen, erzähle ich Ihnen gerne wie das alles angefangen hatte.

Also, angefangen hatte alles beim Gemüsehändler…

© rh

Zu den Themen Sucht- und Persönlichkeitsentwicklung, Arbeit- und Soziales sowie Humorvolles führe ich in Ihren Räumlichkeiten gerne die Autorenlesung „Meine Schreibe…“ durch.

Agenten lieben fastfood

Wie aus unterrichteten Kreisen verlautete, sollen schon jetzt mehr als die Hälfte der über ganz Deutschland verbreiteten McRonald Restaurants zu CIA-Anwerbstellen umfunktioniert sein.
„Dies geschieht durchaus in Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur“, teilte ein Sprecher der Fastfood-Kette mit.
Doch nicht der James Bond der Zukunft sei gesucht, sondern eher der 1-Dollar-Mini-Jobber für leichtere Oberservationsaufträge im subversiven In- und Umfeld. Wer aber denkt, ein herkömmliches Bewerbungsschreiben würde genügen, der irrt.
„Wir legen großen Wert darauf, dass Bewerbungen für uns nur in Code-Form erkennbar sind“, meinte dazu der heutige Filialleiter und Ex-Cia-Agent Max Krautwickel.
Wer beim Aufessen eines BigRon nicht mindestens ein großes C stehen lässt, sei bei der Bewerberauswahl schon durchgefallen.

© rh

Auf meiner Homepage können Sie sich über eine Autorenlesung informieren.

Lumbalila in der Hand der Todesvögel

Über dem schwarz bemalten Sonnendach des Erzgebirges kreisen die riesigen Vögel der Lüfte. Ihr furchterregendes Schreien bringt die heiße Sommerluft der Arktis in Schwingung. Die wenigen Menschen, die sich noch in Lumbalila befinden, erleben die unheilvolle Stunde der Wahrheit. Denn wahr ist, was tatsächlich ist und tatsächlich ist die Wahrheit wahr.

Ein blonder, blauäugiger Lumbalilaner versucht gerade einen Wasserschlauch an einem Überflurhydranten anzubringen, als Tom Duli mit verstörtem Blick um die Ecke schaut.

„Was willst du mit dem Schlauche, sprich!“
„Die Stadt von Hydranten befreien!“

Doch da stürzt sich schon der erste Riesengreifvogel mit markerschütterndem Geschrei in die Tiefe, um sein erstes Opfer zu erhaschen. Seine messerscharfen Krallen hacken tief in die linke Schulter des Lumbalilaners, der das Unfassliche kaum fassen kann.

Entsetzen brüllt von seinen Lippen, als er sich mit unheimlicher Stärke in die Höhe gezogen fühlt. Und ganz leise beginnt er ein Liedchen zu singen:

„Wenn das Rot meine Lippen verlässt…“

Mit dem rechten Arm versucht der Blonde den Todesvogel zu vertreiben, aber das satanische Vieh hält den jungen Mann unerbittlich in den Klauen fest. Da öffnet der junge Lumbalilaner die Augen und erblickt seinen Psychoanalytiker. Dieser lächelt ihm freundlich zu. Seine sanfte Stimme mahnt zur Ruhe.

„Ups“, spricht der Psychokumpel, „lassen wir das so im Raum stehen oder soll Vater mit dem Eimer kommen, weil der Hund die Glocke nicht hört?“

(c) rh