In mir brodelt ES

In mir brodelt ES. Ich habe mit ES gesprochen. Es sei nun mal so, meinte ES und außerdem sei ES das Brodeln ja vollkommen freigestellt. Brodeln käme übrigens ebenso wenig von Brot wie von Dellen. Ich würde ja auch freischreiben, meinte ES und niemand frage danach, von wem oder was ich mich befreien wolle. Ich ließ ES dann in mir alleine und dachte, brodele doch ohne mich. Wer bin ich denn, dass ich in mir mit mir brodeln lasse. / Rolf Höge

 

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ER war’s

Aus der Serie „Bekloppt und doch kein Schnitzel“

ER war’s.

Er kam von weit her und wollte sie fangen. Sie, die mit ihrem dummen Geschwätze die Wahrheit verschweigen. Dort aus dem fernen Lande kam er gelaufen, um sie zu sehen, jene, die mit ihren blinden Augen die Wahrheit nicht sehen wollen.

Sie selbst aber standen bereit, ihn zu töten. Die Messer waren geschliffen und sie gierten nach dem Blut, das bald fließen sollte.

Da kam er von rechts nach links herangesaust, die Zähne so fest aufeinander gebissen, dass sie es alle krachen hörten. Den anderen, die bis auf die Zähne bewaffnet waren, schien es, als wolle er ihrer Bewaffnung die Grundlage entziehen.

So brach der erste Schneidezahn ab, der zweite Zahn brach ab und endlich hatte er sich auf seinen Kiefer durchgebissen. Oh, es war herrlich, diese Beißerei! Dann wackelte er verdächtig langsam mit dem Kopf, hob seinen rechten Fuß etwas an und ließ ihn gekonnt wieder sinken.

Alle hatten es gesehen. Alle starrten ihn an. Und als sei diese Beißerei noch nicht genug auf seinem Weg zum Sieg, tat er noch das einzig Mögliche, um der blutrünstigen Meute ihre Gefährlichkeit zu nehmen:

Ganz, ganz langsam fuhr er sich mit dem Zeigefinger der linken Hand ins rechte Ohr, spitzte die Lippen, säuselte ein kaum vernehmbares „Tschiiiiit“ – und zog den Zeigefinger, als schon niemand mehr daran glaubte, in Windeseile wieder aus dem Ohr heraus.

Jetzt hatte er gewonnen! Die Massen jubelten ihm zu. Ohne Zähne und mit dümmlichen Blick ließ er sich auf ihren Schultern hinweg tragen. – Weit weg. So weit, dass sie ihn auf eine Art und Weise aus den Augen verloren, wie sie sonst nur ihre Tränen aus eben jenen Augen verlieren.

Bis heute hat ihn niemand mehr gesehen. Was blieb, ist seine Legende.

Und noch heute, wenn man nicht mehr so genau weiß, wer etwas bestimmtes getan oder eben nicht getan hat, sagt man: „ER war’s!“

Agenten lieben fastfood

Wie aus unterrichteten Kreisen verlautete, sollen schon jetzt mehr als die Hälfte der über ganz Deutschland verbreiteten McRonald Restaurants zu CIA-Anwerbstellen umfunktioniert sein.
„Dies geschieht durchaus in Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur“, teilte ein Sprecher der Fastfood-Kette mit.
Doch nicht der James Bond der Zukunft sei gesucht, sondern eher der 1-Dollar-Mini-Jobber für leichtere Oberservationsaufträge im subversiven In- und Umfeld. Wer aber denkt, ein herkömmliches Bewerbungsschreiben würde genügen, der irrt.
„Wir legen großen Wert darauf, dass Bewerbungen für uns nur in Code-Form erkennbar sind“, meinte dazu der heutige Filialleiter und Ex-Cia-Agent Max Krautwickel.
Wer beim Aufessen eines BigRon nicht mindestens ein großes C stehen lässt, sei bei der Bewerberauswahl schon durchgefallen.

© rh

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