Landeinwärts weht die Brise
von der kreischenden Möwe begleitet.
Gegen den Wind stehe ich,
atme den salzigen Duft der Woge
und möcht‘ so gern
so gern
nochmal
am Ufer
dieses Spüren
teilen –
aber es muss nicht mehr mit dir sein
© Rolf Höge
Landeinwärts weht die Brise
von der kreischenden Möwe begleitet.
Gegen den Wind stehe ich,
atme den salzigen Duft der Woge
und möcht‘ so gern
so gern
nochmal
am Ufer
dieses Spüren
teilen –
aber es muss nicht mehr mit dir sein
© Rolf Höge
Ich denke, ich werde mich zukünftig wieder etwas mehr den kreativen Schaffungsprozessen und der Freizeitgestaltung widmen, wie ich es mir für den Vorruhestand eigentlich vorgenommen hatte. Es wütet zwar stets in mir, wenn ich mir die politischen Landschaften so betrachte, aber ändern werde ich persönlich wohl kaum etwas daran. Meine ethische und moralische Haltung ist eindeutig: niemals mit Rechtspopulisten, stets für eine freiheitliche, demokratische Grundordnung.
Es wird wohl nach der Bundestagswahl wieder zu einer Großen Koalition kommen. Viele werden Augen und Ohren weiter geschlossen halten und die AfD wählen. Braune Parolen auf der Straße und im Internet mutieren, wenn überhaupt zu einem Kavaliersdelikt. Die Grünen werden absacken, denke ich. Die Linken vielleicht gerade so ihre letzten Ergebnisse halten. Die SPD macht sich selbst etwas vor. Die FDP wird wahrscheinlich wieder einziehen in den Bundestag.
Das heißt aber alles auch, dass in den Betrieben die Mitbestimmung weiter durch Werkverträge ausgehebelt wird, dass es Waffenlieferungen für Diktatoren gibt und die Ursachen für Flüchtlingsströme nicht beseitigt werden. Die Dritte Welt wird zugunsten eines ausufernden Kapitalismus weiterhin ausgebeutet. Deutschland ist nach wie vor an Kriegen beteiligt. Gerechtigkeit wird nach wie vor nur eine Floskel darstellen. Reiche werden reicher werden, Arme ärmer.
Parteien werden sich gegenseitig Schuld zuweisen für Unzufriedenheit, für das Aufleben von Rassismus, Antisemitismus und Neofaschismus. Ich glaube, so wird es weitergehen.
Der ganze Kram ermüdet mich und hält mich davon ab, die letzten Meter lebendig meine Schritte zu gehen.
Rolf Höge
Herr Maier kümmerte sich nicht um die große Politik, ja sie war ihm eigentlich vollkommen egal. Maier wusste nur, dass er keine Arbeit bekam und die Herrschaften auf ihn herabblickten. Meistens gab es zuhause für ihn, die Frau und die Kinder nur eine dünne Suppe aus dem Rest vom harten Brot.
Dann bekam Herr Maier plötzlich eine Arbeit im Straßenbau und ging abends zu Versammlungen. Sie klopften ihm auf die Schulter dort und man gab ihm das Gefühl, wertvoll zu sein, etwas ganz Besonderes zu sein, herrschaftlich, schon durch seine Abstammung. Und diese Abstammung musste man pflegen, man durfte sie sich nicht nehmen lassen, sonst verliere man seine Heimat, seine Identität.
Sie gaben Herrn Maier dann auch eine Uniform, mit der er sich stolz auf der Straße zeigte und die er auch beim Mittagessen am Sonntag nicht auszog, wenn jetzt schon einmal etwas Bratenfleisch auf dem Tisch stand.
Stolz war er, der Herr Maier. Und zuschlagen konnte er, wenn man seine Abstammung nicht würdigte und seine Identität gefährdet war.
Und er sang, der Herr Maier, wie das Blut vom Messer spritzen solle und dass man marschiert, auch wenn alles in Scherben fällt. Und er schrie nach Kanonen, lautstark und so, dass sich seine Stimme fast überschlug, als das Volk die Butter ablehnte und sich für Haubitzen entschied.
Und dann zog er hinaus in die Welt. Und dann kam er zurück, der Herr Maier, abgemagert, verdreckt, missbraucht mit müden Augen und stummen Blick.
Und nachts in seinen angstverzerrten Nächten fragten ihn die Überfallenen, die Geschändeten, die Gefolterten und Ermordeten, die Vergasten nach dem Warum.
Aber Herr Maier hatte sich nie um die große Politik gekümmert, ja sie war ihm eigentlich egal gewesen.
Und er reihte sich ein in die lange, fast endlose Reihe der Unwissenden, damit er wieder schlafen konnte, der Herr Maier.
© Rolf Höge
irre nicht
über den weg
verirrt
ist schnell
im dunkel
ziehe, stunde,
unbetrachtet
bleibst du
nichts als zeit
© Rolf Höge
weit weg
von dir selbst
eiertanz und halligalli
rummel, festchen, tralala
auf geht‘s
glaub nur, das wärst du
und
gib dir selbst den namen
die sonne weicht dem herbst
und einsamkeit klopft
an die tür
schön
sich dort wieder zu finden /rh
Den deutschen Atomkonzernen steht jetzt nach dem Bundesverfassungsgericht eine Entschädigung wegen des schnellen Atomausstiegs zu. Das kann man verfassungsrechtlich durchaus so bewerten. Unter ethisch-moralischen Gesichtspunkten halte ich dieses Urteil schon fast für skandalös. Es bedeutet nämlich aus meiner Sicht, dass trotz des Atomunfalls in Japan die Konzerne weiter Atomkraftwerke betrieben und auf Gewinnmaximierung gesetzt hätten.
Damit stellt das Bundesverfassungsgericht das Eigentumsrecht und die Gewinnerzielung der Unternehmen über das Recht der körperlichen Unversehrtheit des Menschen. Ein Atomkraftwerk stellt nach den Erfahrungen der letzten Jahrzehnte meiner Meinung nach eine potenzielle Gefahr dar und ist deshalb mit dem Absatz 2 des Art. 14 GG („Sein Gebrauch soll zugleich dem Wohle der Allgemeinheit dienen“) kaum vereinbar.
Ich interpretiere deshalb in den Atomausstieg nicht unbedingt eine Form der entschädigungswürdigen Enteignung, sondern eher die Entziehung des der Allgemeinheit schadenden Gebrauchs.
Das sage ich mal so als Mensch. Ein Jurist wird das wohl anders sehen.
/rh
wortlos abgewandt
gleicht wirksam
dem gebrüll
das den raum stiehlt
für sprache –
bis tränen ersticken
jeglichen sinn und vertrautheit
durchgelaufene sohlen
begründen den entsorgten schuh
abgelaufene zeiten
den vorwurf
im anschweigen
so leer
wie die seele schreit –
und muss doch schweigen
überall bist du
weggeschlossen
die wahrhaftigkeit
hinters herz verbannt
unspürbar gemacht
blassbunt
die welt bemalt
bis zur erschöpfung
illusion genährt
aufrecht stehend
still erkennend
der täuschung
süsser glanz
© Rolf Höge
vergaß,
die nacht wollt‘ mit mir tanzen,
vergaß,
ich sollt‘ ein lied ihr singen –
heute
fällt’s mir wieder ein,
wenn schmerzhaft stechen
herzensklingen
hab ich geglaubt,
es zählt das lachen?
hab ich geglaubt,
die nacht wird hell?
es flüstert fern
aus meinem traum:
vergiß den takt,
vergiß die schritte,
kannst keinen tanz
ins dunkel bringen
(c) Rolf Höge
Immer im Takt,
immer im Takt.
Bloß nicht taktlos,
ohne Takt
kein Rhythmus.
Rhythmisches Takten,
taktloser Rhythmus,
aus dem Rhythmus gebracht,
aus dem Takt geworfen –
erst vorgeworfen,
dann weggeworfen.
© Rolf Höge