Frieren
stumm
leer
leergefroren
stummgekühlt
gefühllos
ohne gegenwehr /rh

Text: Rolf Höge
Foto: Lutz Mager
Frieren
stumm
leer
leergefroren
stummgekühlt
gefühllos
ohne gegenwehr /rh

Text: Rolf Höge
Foto: Lutz Mager

Hohl und lächerlich klingt es, den Bezug zu sich selbst schon lange verloren. Den Wunsch nach Veränderung in der Trägheit erstickt, und die Ketten, die ihr spürt, haben Glieder aus Glas: leere Bierflaschen aneinandergereiht. / rh
Es mag Menschen geben, die bevorzugen ein kühles Bier vor dem Fernseher und die Gemütlichkeit ihrer Couch. Mag sein, dass da noch ein wenig Knabbergebäck greifbar ist, und der Ascher nebst Rauchutensilien in unmittelbarer Nähe steht.
Von all diesen Menschen unterscheide ich mich nur unwesentlich. Auch ich bevorzuge die Gemütlichkeit, wenn ich mit meiner Fernbedienung das abendliche TV-Programm durchforste. Der Unterschied liegt aber deutlich in der Wahl der Genussmittelchen neben mir.
Zunächst ist da mal der Gang zum Kühlschrank und dort im Speziellen das Öffnen des Eisfaches. Genau hier liegt dann das Objekt meiner Begierde: eine Tafel Schokolade, fast tiefgefroren. Ja, tiefgefroren! Während der eine oder die andere ein Schokoladenstückchen zartschmelzig auf der Zunge gewohnt ist, besteht mein Höchstgenuss darin, eben jenes Stückchen sanft mit den Schneidezähnen anzuknabbern.
Aber das Anknabbern von Schokolade alleine reicht natürlich für so einen Fernsehabend nicht aus. Salzstangen, besser gesagt, sogenannte Salzletten, müssen her! Und nach jedem Schokoladenabknabber-Ritual führe ich mir, noch während die Schoko auf der Zunge vergeht, ein Salzlettelchen in den Mund, was zu einem angenehmen, in sich abgerundeten, schokosalzigen Geschmacksaroma führt.
Selbstverständlich wäre ein kühles Bierchen dazu vollkommen unangebracht. Deshalb unterschiedet sich mein Getränk, mit dem ich mir einen solchen TV-Abend verschönere, wohl ganz und gar von allen herkömmlichen Fernsehabendgetränken. Ich liebe es, meinen schoko-salzigen Genuss noch mit fettarmer Milch, meist unter 0,3 %, zu verfeinern. An so einem Abend ist eine Tafel Schokolade und eine Packung Salzletten sowie 1/2 Liter Milch für mich obligatorisch.
Köstlich, genau das ist meine Macke, und ich liebe sie. Abnehmen werde ich sicherlich auch noch. /rh
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Also wenn ich da jetzt in den Himmel schaue und die Massen von blinkenden Sternlein sehe, mir dann bewusst mache, dass dieser klitzekleine Planet, auf dem ich kurzfristig anwesend bin, nur ein eher nicht wahrnehmbares Fleckchen innerhalb der Milchstraße und ihren Milliarden von Sonnensystemen ist, dann Leute, dann frage ich mich, wie einfältig muss man eigentlich sein, um sich auf diesem klitzekleinen Fleckchen darüber zu streiten, wer nun der ‚richtige‘ Gott sei und ob man der einzig wahren Gemeinschaft angehört.
Gemessen an der Daseinsdauer unzähliger Galaxien innerhalb eines unendlichen Universums, hat sich die Menschheit in ihrer heutigen Existenz vielleicht gerade durch den ‚Muttermund‘ gedrückt und ihre Geburt eingeläutet, weiß aber schon alles über die Wertigkeit ihrer Existenz und glaubt, scheinbar der Herr über dieses Fleckchen im Universum zu sein, ohne jemals nur eine einzige Ameise mit ihrem hohen Maß an Sozialkompetenz nach ihrer Meinung gefragt zu haben.
Wir gaukeln uns Intelligenz vor, während wir uns gegenseitig abschlachten, uns hassen, Angst voreinander haben und uns in vollem Bewusstsein die Lebensgrundlage entziehen. Auf jede Tierart, die schon lange auf diesem Planeten weilt, auf jedes Insekt, jeden Pilz, jede Alge müssen wir wirken wie Kinder im Sandkasten, die sich noch in die Hosen machen. Aber wir erschaffen uns einen Gott, etwas Göttliches, etwas, was sich stets nur der Mensch selbst bestätigen kann: Bravo!
Der Mensch spricht und erzählt zu sich selbst. Dies tut er noch in seiner Baby-Sprache. Er beginnt gerade erste Worte in der Sprache des Universum zu lernen.
Und wenn ich dann weiter darüber nachdenke, frage ich mich, wie ich mit all dieser Erkenntnis nach wie vor zulassen kann, dass man von meinem erarbeitendem Geld Steuern erhebt, um sie an eine Institution abzuführen, die Geld an studierte Menschen bezahlt, welche mir dann ernsthaft und inbrünstig erzählen wollen, es wäre jemand vor zweitausend Jahren übers Wasser gelaufen. /rh
ich entblöde mich
du entblödest dich
er, sie, es entblödet sich
wir entblöden uns
ihr entblödet euch
sie entblöden sich –
himmel, wie blöd
Gerne dürfen Sie auch meine andere Homepage betrachten. Vielleicht haben Sie ja Interesse an einer Autorenlesung.
Sie wollte meiner Klatsche ausweichen und flog mit hoher Geschwindigkeit auf den Spiegelschrank zu, von wo sie sich scheinbare Hilfe in Form einer heraneilenden zweiten, tiefschwarzen Eintagsfliege erhoffte. Ihre Begegnung mit sich selbst war kurz, hart und lautlos. Der Aufprall degradierte das Insekt zu einer Minutenfliege, für die der Tag vorzeitig zu Ende ging.
Es war zu jener Zeit, als ich noch mit Old Shatterhand durch den Llano Estacado ritt und Kakteenfelder anzündete, um es regnen zu lassen. Zu jener Zeit, als ich Freitag auf meiner Insel Deutsch lehrte, während Bohnen mit Rindfleisch über dem Feuer garten. Zu jener Zeit als ‚agcricola convivam exspectat‘, der erste Satz aus ‚Fundamentum Latinum‘, Ausgabe B, Band 1, sich so tief in mein Unterbewusstsein gegraben hatte, dass ich ihn heute noch im Schlaf als ‚der Bauer erwartet den Gast‘ übersetzen kann. Außer diesem ersten Satz im Lateinbuch fanden in der Folge allerdings keine weiteren, lateinische Vokabeln oder gar Grammatik-Regeln ihren Weg in mein Gehirn.
Die Uhr zeigte kurz gegen Elf-Uhr-Fünfzehn, und ich bereitete mich mit einem gekonnten Redebeitrag darauf vor, die Klasse vorzeitig verlassen zu müssen, weil ich wusste, dass in der Mädchen-Realschule nebenan in wenigen Minuten die Hofpause eingeläutet werden würde.
Dieses Mal nahm ich mir vor, unseren Mathe-Lehrer davon zu überzeugen, dass all seine Ausführungen an der Schiefertafel nur dann wirklich sinnvoll seien, wenn in der Summe Eins plus Eins tatsächlich Zwei ergeben würden. Hätte man sich aber damals, als die Mathematik erfunden wurde, auch nur ein einziges Mal geirrt, so gab ich zu bedenken, und Eins plus Eins ergäbe in der Summe gar nicht Zwei, sondern vielleicht „Hmm“ oder „Hupp“, so würden alle mathematischen Krakeleien an der Tafel von selbst ad absurdum geführt. Mathematik sei für mich genau aus diesem und vielen weiteren, ungenannten Gründen eher eine Glaubensfrage und ‚glauben‘ hieße nun einmal nicht ‚wissen‘.
Kurz darauf fand ich mich allein im Flur des Schulhauses wieder, denn man hatte auf meine weitere Teilnahme am Mathematikunterricht verzichtet. Und eben zu jener Zeit wurde in der Mädchen-Realschule nebenan zur Hofpause geläutet, während ich durch das Fenster im Ersten Stock des Jungen-Gymnasiums beobachten konnte, wie dort drüben eine Masse von junger Mädchen auf den Hof stürmte.
Ich bin überzeugt davon, dass genau zu dieser Zeit der Regen im Lllano Estacado aufhörte, das Feuer unter dem Topf mit Bohnen erlosch und stattdessen an diesem Tag, am Fenster des Jungen-Gymnasiums, meine Haare bis Schulterlänge zu wachsen begannen und in meinem Gehirn der Sound von ‚Suzie Q‘ den lateinischen Bauer übertönte, der noch heute auf seinen Gast wartet.
Ich bin überzeugt davon, dass ich genau an diesem Tag erkannte, dass die Magie der Frau als solche aus einer Unmenge von faszinierenden und anziehenden Einzelwesen besteht, deren letztendliche Erforschung mir bis heute verwehrt geblieben ist.
Mag sein, dass an diesem Tag noch mehr geschah. Doch davon erzähle ich vielleicht an einem anderen Tag.
© rh
gross und mächtig
strahlt die sorge
vom sich sorgen
selbst ernährt
und niemand weiß
wie all das leid
vor dem wir fürchten
wohl zu erfahren sei
wenn
und dann
und überhaupt
und niemand weiß
ob nicht vielleicht
auch glück
geboren werden kann
wenn sich sorgen
nicht mehr lohnt
und
wenn
und
dann
den sinn verliert
/rh
fühlen wollt ich nicht
zwang mich stets
zu hören
die Stille schmerzt
/rh
Und weil der Mensch ein Mensch ist,
ist er von Spaß und Lust besessen,
nicht nur die Stiefel im Gesicht,
nein, rasend schnell wird auch vergessen,
wer gekämpft, geblutet hat,
wir sind ja satt, so satt, so satt.
So wird aus einem Kampfgelag
mal schnell ein netter Ausflugstag,
mit Häppchen hier und Häppchen da,
denkt dran, wie es früher war!
mit Trallala, weil Text so fern,
ach, wir mögen das,
wir habens gern.
Und zwischen all den Kinderwagen,
entdeckt man Wolfgang, Frank und Ruth,
erinnert aus den alten Tagen
Brüder, ihren Kämpfermut.
Dort oben dann am Mikrofon –
fast mutete es wie später Hohn:
es macht wohl das Geschwätz doch satt,
und schafft das Essen her.
Und links, zwei, drei und links zwei drei,
und Trallala die Einheitsfront
spielt auf zum Tanz,
na bitte sehr,
Freiheit heißt nun Werkvertrag,
sei still!
wenn juckts an diesem Tag,
wir grüßen Wolfgang, Frank und Ruth,
ja, sie funktionieren gut.
(c) Rolf Höge
Sie können den Text auch auf youtube hören.
Mehr von mir gibt es auch auf meiner Homepage.