entfremdet

weit weg

von dir selbst

eiertanz und halligalli

rummel, festchen, tralala

 

auf geht‘s

glaub nur, das wärst du

und

gib dir selbst den namen

 

die sonne weicht dem herbst

und einsamkeit klopft

an die tür

 

schön

sich dort wieder zu finden /rh

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Wer weiß das schon

Wer sagt denn, etwas müsse so sein, wie es zu sein hat? Kennst du ein Gesetz, ein Regelwerk oder zumindest eine Gesetzmäßigkeit, die verbindlich festlegt, wie Dinge zu sein haben, damit sie so sind, wie sie zu sein haben?

Du willst, dass ich aufhöre zu philosophieren, weil du das nicht mehr hören willst, weil du nicht mehr diskutieren willst über die Dinge?

Es liegt doch auf der Hand, wie etwas ist, das weiß doch jeder, sagst du. Jeder weiß, wie etwas zu sein hat. Und wenn er es doch nicht weiß, dann kann er es ja lernen, wie es zu sein hat, meinst du. Und dann ist es eben so, wie es ist, und wahrscheinlich ist es dann auch so, wie es zu sein hätte, vorher und danach auch wieder, nachdem es dann gelernt wurde. Dann ist es wieder so, wie es zu sein hat.

Alles kann man lernen, auch wie die Dinge sind, kann man lernen. Das sieht man doch, das muss man nur annehmen, sagst du.

Vielleicht können aber nicht alle annehmen, wie es für dich zu sein hat, weil sie es anders beigebracht bekommen haben, wie etwas zu sein hat? Wie ist es denn dann, wie wäre es denn dann, wie hätte es denn dann so zu sein, wenn jemand sagt, etwas müsse so sein, wie es zu sein hat? Ist es dann so wie es ist oder wieder bloß, wie es zu sein hat? Wer weiß das schon, wenn niemand festgelegt hat, wie etwas sein muss, damit es so ist, wie es zu sein hat.

© Rolf Höge

Höher als alle Vernunft

Stell dir vor, aus irgendeinem Grund kommst du von deinem Weg ab und läufst mitten hinein in ein weites Feld aus Kot und Abfall, einem stinkenden Sumpf, der die Beine schwer macht und Kraft kostet. Doch du gehst weiter und mit jedem Meter nimmst du diesen beißenden Geruch nicht mehr so wahr, bis er schließlich ganz verschwindet. Du marschierst zielstrebig geradeaus und irgendwann wird das Gehen auf diesem Weg für dich zur Normalität. Plötzlich begegnen dir Menschen. Du spürst, sie wollen dich von irgendetwas wegholen, dir etwas zeigen, und sie rufen dir zu, es gebe noch einen anderen Weg ganz in der Nähe. Sie verstehen nicht, weshalb du die Nase rümpfst und verbittert im Gestank läufst.

Und da machst du sie zu deinen Gegnern, die dich vom Weg abbringen wollen, der doch deiner ist. Gegner, die dich belehren wollen, dir ihre Wahrheit überstülpen wollen. Und Recht hast du, es ist dein Weg, du hattest dich einmal dafür entschieden, ihn zu gehen, dann aber vergessen, dass du ihn eigentlich nie gehen wolltest. Von da an hast du alles vermieden, die Richtung wieder zu ändern, unterdrücktest jede aufkommende Übelkeit, nahmst den Gestank von Kot in Kauf und rechtfertigtest dies in deinen Gedanken für dich so lange, bis dieser Weg für dich zur Normalität geworden ist.

Du wirst diese Normalität kaum verlassen können, so lange du nicht vertraust, dass da noch etwas anderes existiert für dich, etwas, was du kennst, irgendwie fühlst, aber nicht mehr benennen kannst. Solange du ausgestreckte Hände als Bedrohung interpretierst und Menschen, die von einer anderen Realität, einem anderen Weg, einem anderen Leben erzählen als Gegner verstehst, wirst du weiter in der Kloake laufen, womöglich irgendwann erwachen und um dich herum stinkt es.

Manchmal bedarf es eben eines Stück Vertrauens. Menschen, die dir so im Laufe der Zeit auf dem eingeschlagenen Lebensweg begegnen, können Impulse sein, einmal etwas anderes auszuprobieren. Du musst nicht auf ihren Wegen wandeln, eher vielleicht dein Feindbild vom Gegner für dich neu überdenken.

Und dann hör in dich hinein, schule dich im Fühlen und vielleicht wirst du da etwas hören oder empfinden, was dir zuflüstert: „Vertrau!“Manche nennen das Glauben andere Urvertrauen und wieder andere Wissen, mit dem Verstand kaum zu begreifen, denn es scheint ‚höher als alle Vernunft‘.

(c) Rolf Höge

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Vun de Sunn

Vun de Sunn
ded isch gern schreiwe,
vun de Sunn.

Vun
de Lederhosse,
vum Barfusslaafe,
vum Zitroneeis
uffm Bodde.

Vun de Sunn
muss isch schreiwe,
vun de Sunn.

Wie se gonnge is
nach jeder Ohrfeig,
wie se mer gfehlt hot
mit de Flasch am Hals

Vun de Sunn
ded isch so gern schreiwe
vun de Sunn.

Wie se widder uffgonge is,
vum Noiblinzle,
vum Kopp on moiner Schulter:
so rischdisch alles

Ja, vun derre Sunn
will isch schreiwe,
weil se widder schoint –

jetzt
iwwer dir
iwwer mir.

© Rolf Höge

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Aus meinem Projekt ‚Briefwechsel‘

…’Lege deinen Kopf in meinen Arm,‘, möchte ich zu ihm sagen, ‚es gibt nichts zu tun, fange an zu erzählen und wenn es dir gut tut, dann weine.‘

Seit Stunden liege ich wach und denke an meinen Sohn. Nicht an den erwachsenen Sohn, der Häuserwände beschmierte, in Kaufhäusern Parfum stahl, um es an der nächsten Straßenecke zu verkaufen für den nächsten Joint, oder ein bisschen Heroin. Nicht den Sohn, der den Vater so oft belog, kein Versprechen einhielt, wiederholt Suchttherapien abbrach und konsequent den Weg in die Gefängniszelle ging.

An mein Kind denke ich, das ich immer in mir trage an jenem Ort tief in meiner Seele, den ich nicht zu benennen vermag und der so voller Kraft ist und Geborgenheit, dass sich mein Kind dort ausruhen kann, auch wenn sich Eisentüren hinter ihm schließen und die Verletzungen, die es mir zufügte, jetzt gerade brennend nach dieser Flüssigkeit schreien, mit der ich den Schmerz betäuben und ihm für eine Weile entfliehen könnte. Flucht, welch hässliches Wort, doch wie erleichternd für den Moment. Doch der Saufdruck entpuppt sich als ein lediglich vorbeihuschender Gedanke, nicht wert, länger als die Dauer eines aufflammenden Blitzlichtes bei mir zu verweilen.

‚Ruhig, ruhig mein Sohn, schlafe wieder, lege deinen Kopf in meinen Arm und schlafe weiter.‘ – Wo ist der Vater für mich, der einfach nur für mich da gewesen wäre? Mutter, wo bist du? Ich möchte mich einfach nur ausruhen, nur ausruhen. Nein, keine Worte, Mutter, nicht schon wieder Worte, die erklären, was ich nicht auch schon weiß, nicht wieder diese hilfsbereite Erbarmungslosigkeit.

Diese Nacht! Wenn die stummen Schreie in mir gehört werden, kann ich vielleicht endlich loslassen. Dieses zwanghafte Umklammern meiner Gedankenströme. Wie sehr ich mich aus der Einsamkeit heraus wünsche. Keine Kälte mehr, nur warmes Verlangen nach mir, nach dem einzigen Vertrauten. Ihr seid ja alle so weit weg, doch wolltet ihr näher kommen, ich wüsste es zu verhindern.

Ich bin stumm. Und die Nacht schreit so laut, dass ich nicht schlafen kann.
Manchmal gibt es eine stumme Übereinkunft, ein gegenseitiges Wissen. Manchmal, ja manchmal ist es auch wichtig zu hören: ‚Du – ich hab‘ dich lieb.‘

Gerade dann, wenn alles durcheinander läuft…

(rh)

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Höher als alle Vernunft

Stell dir vor, aus irgendeinem Grund kommst du von deinem Weg ab und läufst mitten hinein in ein weites Feld aus Kot und Abfall, einem stinkenden Sumpf, der die Beine schwer macht und Kraft kostet. Doch du gehst weiter und mit jedem Meter nimmst du diesen beißenden Geruch nicht mehr so wahr, bis er schließlich ganz verschwindet. Du marschierst weiter und irgendwann wird das Gehen auf diesem Weg für dich zur Normalität. Plötzlich begegnen dir Menschen. Du spürst, sie wollen dich von irgendetwas wegholen, dir etwas zeigen, und sie rufen dir zu, es gebe noch einen anderen Weg ganz in der Nähe. Sie verstehen nicht, weshalb du die Nase rümpfst und verbittert im Gestank läufst.

Und da machst du sie zu deinen Gegnern, die dich vom Weg abbringen wollen, der doch deiner ist. Gegner, die dich belehren wollen, dir ihre Wahrheit überstülpen wollen.
Und Recht hast du, es ist dein Weg, du hattest dich einmal dafür entschieden, ihn zu gehen. Aber du hast dabei vergessen, dass du ihn eigentlich nicht gehen wolltest, aber dann alles vermieden hast, eine andere Richtung einzuschlagen. Du hast jede Übelkeit unterdrückt, den Gestank von Kot in Kauf genommen und dies in deinen Gedanken für dich so lange gerechtfertigt, bis es für dich zur Normalität geworden ist.

Du wirst diese Normalität kaum verlassen können, so lange du nicht vertraust, dass da noch etwas anderes existiert für dich, etwas, was du kennst, irgendwie fühlst, aber nicht mehr benennen kannst. Solange du ausgestreckte Hände als Bedrohung interpretierst und Menschen, die von einer anderen Realität, einem anderen Weg, einem anderen Leben erzählen als Gegner verstehst, wirst du weiter in der Kloake laufen, womöglich irgendwann erwachen und um dich herum stinkt es. Manchmal bedarf es eben eines Stück Vertrauens.

Menschen, die dir so im Laufe der Zeit auf dem eingeschlagenen Lebensweg begegnen, können Impulse sein, einmal etwas anderes auszuprobieren. Du musst nicht auf ihren Wegen wandeln, eher vielleicht dein Feindbild vom Gegner für dich neu überdenken.

Und dann hör in dich hinein, schule dich im Fühlen und vielleicht wirst du da etwas hören oder empfinden, was dir zuflüstert: „Vertrau!“

Manche nennen das Glauben andere Urvertrauen und wieder andere Wissen, mit dem Verstand kaum zu begreifen, denn es scheint ‚höher als alle Vernunft‘.

© Rolf Höge

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