Stirb!

„Stirb!“
„So lange es dich gibt? Ich bin immer da.“
„Rede keinen Stuss! Ich brauche keine Traurigkeit. Gestern warst du nicht da.“
„Da warst du wütend. Das ist dasselbe.“
„Und vorgestern, he? Was war vorgestern?“
„Du warst fröhlich und ausgelassen, voller Lebensfreude, und…das ist dasselbe.“
„Stirb!“
„Ich bin stets dasselbe Gefühl. Du gibst mir das Etikett. Du entscheidest, in welchem Gewand ich dir begegnen soll.“
„Ach, leck mich am Arsch.“

© rh

Der See und ich

Mainau Regen

Der See und ich

Gestern noch zog er hemdsärmelige Menschen massenhaften an, ließ sich durch warme Sonnenstrahlen hindurch begaffen. Heute zeigt er sich majestätisch und unbehelligt in der kaltnassen Normalität erster Apriltage, die Mainau hinter Regenschwaden verborgen.

Auch das bin ich, scheint der See mit jeder Windböe in den Tag zu rufen. Fast glaube ich, ihn durch den Nieselregen zu hören: Wie sollte ich sonst Ruhe finden, zwinkert er mir zu.

Ich bin ein aufmerksamer Schüler.

© rh

Zum Fest

Freude, schöner Eierkuchen
ruhst auf Aluminium.
Kaffe wird dazu getrunken
im Familienheiligtum.

Freude, schöner Eierkuchen
unterm Teppich macht sich breit,
was man mit der Hand vorm Munde,
nicht zu sagen ist bereit.

Freude, schöner Eierkuchen,
welch Erlebnis Jahr für Jahr !
Lichterglanz, Familienbande,
ach, wie seid ihr doch so nah!

Freude, schöner Eierkuchen.
Kindheit, ich vergess’ dich nie!
spür’ die Stiche noch in mir,
dieser Heuchelharmonie!

© rh

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Der nasskalte Herbst liefert den Hustensaft gleich mit

Wenn der Spätsommer nur noch Erinnerung ist, und das erste Frösteln bereits den nahen Winter ankündigt, wartet der Herbst nicht nur mit beliebtem, grünen Küchengemüse auf, sondern liefert uns auch ein medizinisches Hausmittel, das im Zeitalter chemischer Keulen wohl etwas in Vergessenheit geraten ist. Der Winterrettich, auch Schwarzer Rettich genannt, findet noch heute seine Verwendung bei Husten und Heiserkeit.

Schwarzer Rettich

In Großstädten ist der Schwarze Rettich eher selten zu bekommen. In ländlichen Gegenden zählt er nach wie vor zum Sortiment ansässiger Bauern.

Um den begehrten Hustensirup zu erhalten, schneidet man dem Winterrettich eine Kappe ab und höhlt ihn dann aus.

Aushöhlen

Das ausgehöhlte Gemüse füllt man nun mit braunem Kandiszucker, setzt die Kappe wieder auf und lässt das Ganze ungefähr 24 Stunden ziehen. In der Aushöhlung bildet sich nun Sirup, der sehr lindernd bei Husten wirkt.

Warten auf den Hustensaft

© rh

Und wenn Sie im Herbst nach Gemütlichkeit suchen, dann schauen Sie doch auf meiner Homepage vorbei und genießen Sie meine Texte und Audio-Dateien.

Werd‘ mich der Wirklichkeit nun stellen

Im Stadtpark füttert sie die Tauben,
zuhause ihren Hund.
Darf mir mein Lächeln wohl erlauben,
zu dieser späten Stund’.

Wohl weiblich ihre Formen
und auch ihr Konterfei
ein wenig fern der Normen
und gar kein Einheitsbrei.

Doch wollt’ ich mit ihr bandeln,
buhlen um im Herzen einen Platz,
wie sehr müsst’ ich dann handeln:
besetzt! zeigt mir die Katz.

Werd’ mich der Wirklichkeit nun stellen:
bin ohne Glück,
es läuft nicht rund.
Denn wahrlich, ach, ich kann nicht bellen.
Am Morgen nicht, und nicht zur Abendstund’.

© rh

Entstanden aus der Betrachtung so vieler vierbeiniger Lieblinge der Frauenwelt ím Internet.

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Unterschiedliche Welten

Erkenntnisse eines Streifzuges

Du lächelst. Dein zuhause strahlt die Gemütlichkeit und Behaglichkeit aus, die ich vermisse. Deine Welt präsentierst du, gewährst Einblicke. Ich bin mir sicher, in deiner Welt könnte ich leben, mich wohlfühlen, ankommen, zur Ruhe kommen. Ebenso sicher bin ich mir, dass du in meiner Welt nie wirklich ankommen würdest.

Ich lächele zurück, werfe deinem Foto einen Handkuss zu. Dann ziehe ich weiter, auf meiner Suche nach kompatiblen Welten. Du wirst nicht erfahren, dass ich hier war, deine Fotos betrachtet habe. Du wirst mich nie kennenlernen.

Unterschiedliche Welten; manchmal stehen sie im Weg. Ich schaue mich einfach nur um.

© rh

Auf meiner Homepage finden Sie Informationen zu meiner Autorenlesung . Sie können sich dort auch einige meiner Texte als Audio-Dateien kostenlos anhören.

Wenn ich die Worte hätt‘

Wenn ich die Worte hätt’,
dich zu berühren,
würd’ ich in Samt sie kleiden.
Ließ mich von ihrem Klange führen,
und zaubergleich
zu deiner Herzensliebe leiten.

Wenn ich die Worte hätt’,
dich zu berühren,
würd’ ich mit Bedacht sie geben.
Würd’ ihre Anmut in mir spüren
und zärtlich dir
ein Netz voll Liebe weben.

Wenn ich die Worte hätt’,
dich zu berühren,
würd’ sprengen ich die stumme Wand.
Würd’ freudig öffnen all die Türen
für dich und für der Liebe Band.

Doch sind die Worte mir entglitten,
weil ich den Mut nicht fand.
Ängstlich, still zurückgeschritten
doch stets den Blick dir zugewandt.

So muss ich wohl dein Herz berühren
durch meiner Augen Zauberkraft.
Soll dich ihr Strahlen sicher führen
durchs Feuer, das in mir entfacht.

Magst du lebendig, kraftvoll und mit Mut
mit mir nun dieses Feuer schüren,
bedarf’s der Worte nicht, nur der Glut,
und Herzen dürfen sich berühren.

© rh

Sie können sich diesen Text aus meiner Autorenlesung auch auf meiner Hmepage anhören.

Weil Gott mich ruft

Zwei befreundete Mönche gehen entlang eines Weges schweigend spazieren. Da unterbricht der eine das Schweigen und sagt:
„Ich werde das Kloster verlassen und in die Stadt ziehen. Ich möchte das Leben in vollen Zügen genießen.“
„Weshalb tust du das?“, will der andere wissen.
„Weil Gott mich ruft.“
Sie gehen eine Weile schweigend weiter. Als sie an einen Bachlauf kommen, fragt nun der Mönch, der in die Stadt ziehen will, seinen Freund:
„Und du? Weshalb willst du in der Stille des Klosters bleiben?“
„Weil Gott mich ruft.“, lautet die Antwort.

Sie lächeln sich an und verstehen.

© rh

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