vorm weihnachtsbaum

zerborsten längst der süße traum

den ich geträumt

vorm weihnachtsbaum

als glöckchen klangen

und kinderstimmen

schrille sangen

von fröhlichkeit, von seligkeit

von demut und von dankbarkeit

 

als staunend ich zu vater blickte,

der lächelnd, wissend zu mir nickte:

schau, durchs fenster musst‘ es wieder gehen

das christkind

still und ungesehen

ein lichtlein hat es angezündet,

dass wohl das kind zum baume findet

 

hast, vater,

stets die illusion genährt –

doch später

mich vernunft gelehrt

so musst‘ zerbersten jener traum

den ich geträumt

vorm weihnachtsbaum

 

doch was ich tief im herz‘ getragen

will ich zur weihnachtszeit

nun einmal wagen

zu träumen einen neuen traum

so wie als kind

vorm weihnachtsbaum

ich träum‘ davon,

dass wenn ich gehe,

ich dann das christkind

doch noch sehe.  /rh

entblödung

ich entblöde mich

du entblödest dich

er, sie, es entblödet sich

wir entblöden uns

ihr entblödet euch

sie entblöden sich –

himmel, wie blöd

 

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die sorge

gross und mächtig

strahlt die sorge

vom sich sorgen

selbst ernährt

 

und niemand weiß

wie all das leid

vor dem wir fürchten

wohl zu erfahren sei

wenn

und dann

und überhaupt

 

und niemand weiß

ob nicht vielleicht

auch glück

geboren werden kann

wenn sich sorgen

nicht mehr lohnt

und

wenn

und

dann

den sinn verliert

 

/rh

Angst

Vorrübergehend außer Gefecht gesetzt. Vorrübergehend, weil es ja wieder besser werden kann. Alles bleibt außen vor, abgeschottet von der Welt, zurückgezogen in sich selbst mag er nur entfliehen.

Diese verdammten Tabletten, ein ganzes Chemiewerk, was er da täglich in sich hineinstopfen muss. Der Nutzen überwiegt die Nebenwirkungen, meint der Arzt. Wieder diese Schmerzen, den Weg bahnend für die Angst, die ihn gefangen hält. Je mehr er entfliehen will desto stärker kreisen die Gedanken um diese Angst, fokussieren sie, machen sie mächtig und groß bis sie seinen Körper kontrolliert.

Diese vielen Ratschläge. Nach vorne schauen, die Zukunft gestalten. Und er spürt diese Fesseln, die das Wissen am Handeln hindern und weiß nicht, wann er sich die angelegt hat. So invalid, so versehrt fühlt er sich nach diesem Eingriff, so vollkommen ohne Einfluss, so unvorbereitet hart konfrontiert mit seiner Endlichkeit.

Aufstehen, sagt er sich, aktiv sein, nach vorne schauen und Licht erzeugen in dem Grau, an das er sich klammert, weil Grau immer noch lebendiger ist als tot.

Nichts ist mehr wie früher. Ein Herzinfarkt und dieser Bypass bringt ihm die Sorglosigkeit der Vergangenheit nicht wieder zurück. Da war jemand in seinem Körper und damit lebt er nun, zumindest heute.

© rh

Vun de Sunn

Vun de Sunn
ded isch gern schreiwe,
vun de Sunn.

Vun
de Lederhosse,
vum Barfusslaafe,
vum Zitroneeis
uffm Bodde.

Vun de Sunn
muss isch schreiwe,
vun de Sunn.

Wie se gonnge is
nach jeder Ohrfeig,
wie se mer gfehlt hot
mit de Flasch am Hals

Vun de Sunn
ded isch so gern schreiwe
vun de Sunn.

Wie se widder uffgonge is,
vum Noiblinzle,
vum Kopp on moiner Schulter:
so rischdisch alles

Ja, vun derre Sunn
will isch schreiwe,
weil se widder schoint –

jetzt
iwwer dir
iwwer mir.

© Rolf Höge

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Und löscht das Licht

In Lächeln getauchte
Sanftheit,
so berührend nah!
Strahlende Augen
erwecken.

Hell und warm,
die brennenden Fackeln
des Sehnens.

Angst vor Mehr
regnet in meine Träume
und
löscht
das Licht.

(rh)

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Zum Fest

Freude, schöner Eierkuchen
ruhst auf Aluminium.
Kaffe wird dazu getrunken
im Familienheiligtum.

Freude, schöner Eierkuchen
unterm Teppich macht sich breit,
was man mit der Hand vorm Munde,
nicht zu sagen ist bereit.

Freude, schöner Eierkuchen,
welch Erlebnis Jahr für Jahr !
Lichterglanz, Familienbande,
ach, wie seid ihr doch so nah!

Freude, schöner Eierkuchen.
Kindheit, ich vergess’ dich nie!
spür’ die Stiche noch in mir,
dieser Heuchelharmonie!

© rh

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Werd‘ mich der Wirklichkeit nun stellen

Im Stadtpark füttert sie die Tauben,
zuhause ihren Hund.
Darf mir mein Lächeln wohl erlauben,
zu dieser späten Stund’.

Wohl weiblich ihre Formen
und auch ihr Konterfei
ein wenig fern der Normen
und gar kein Einheitsbrei.

Doch wollt’ ich mit ihr bandeln,
buhlen um im Herzen einen Platz,
wie sehr müsst’ ich dann handeln:
besetzt! zeigt mir die Katz.

Werd’ mich der Wirklichkeit nun stellen:
bin ohne Glück,
es läuft nicht rund.
Denn wahrlich, ach, ich kann nicht bellen.
Am Morgen nicht, und nicht zur Abendstund’.

© rh

Entstanden aus der Betrachtung so vieler vierbeiniger Lieblinge der Frauenwelt ím Internet.

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Illusion

weggeschlossen
die wahrhaftigkeit
hinter das herz verbannt
unspürbar gemacht

blassbunt
die welt bemalt
bis zur erschöpfung
die illusion genährt

damit sie nicht platzt
wenn ich
dann doch
sehen muss

© rh

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