Wer Tee trinken will, muss ihn kochen

Nach einem überstandenen Herzinfarkt, zwei Stents und einer Bypass-Operation fiel ich in ein tiefes psychisches Loch. Ich empfand es als eine Ungeheuerlichkeit, meine Wenigkeit mit der Endlichkeit des Lebens konfrontiert zu sehen und degradierte mich selbst zu genau dieser „Wenigkeit“ herab. Der geringste Schmerz im Brustraum löste eine lähmende Angst aus. Mein Selbstwertgefühl war vollkommen aufgebraucht und ich fühlte mich hilflos all jenen Menschen ausgeliefert, die mehr über meinen Körper Bescheid wussten als ich selbst.

 

Immer mehr griff auch die Depression nach mir. Vor herunter gelassenen Jalousien zog ich mich in die scheinbare Sicherheit meines Bettes zurück und wartete auf den nächsten Tag, in der Hoffnung, diesen zu erleben. Ich wusste, ich sollte aktiv werden, um aus der Depression herauszukommen, kannte den Weg, konnte ihn aber nicht gehen. Mir schien, als müsse ich an die Hand genommen werden, um langsam wieder an diesem Leben teilzunehmen und etwas Sicherheit zu finden.

 

Bereits nach meiner Operation fühlte ich mich körperlich und psychisch so schwach, dass ich mir fachärztliche Hilfe suchte. Auf diesem Weg fand ich langsam aus der Depression heraus. Selbstverständlich wurde mir auch bewusst, dass ich meinen Körper nicht nur durch Zigaretten ständig geschädigt hatte, sondern ihm auch durch Stress und berufliche Höchstleistungen einiges abverlangt hatte. Ich nahm weder den Stress am Arbeitsplatz noch den mit meinem persönlichen Umfeld und schon gar nicht den Stress, den ich mir selbst bereitete, ausreichend wahr .  Probleme gab es, um bewältigt zu werden, Sorgen, um sie zu ertragen, Ärger, um ihn abzuschütteln. Ich stand ständig unter Spannung, fraß regelrecht meine Zigaretten und mein Körper schickte mir, um das in einer Metapher auszudrücken, einen Herzinfarkt und setzte damit dem Treiben zunächst einmal ein Ende. Und in der anschließenden Depression konnte er sich erholen.

 

Diese Erkenntnis alleine nutzt aber nur dann etwas, wenn daraus auch eine Veränderung eingeleitet wird. Ich erinnerte mich an  meine NLP-Lehrtrainerin, Dr. Gundl Kutschera, die bei fast jeder Gelegenheit betonte: „Wer immer nur das tut, was er schon immer getan hat, bekommt auch immer nur das, was er schon immer bekommen hat.“

 

Und so beschloss ich, zukünftig mein Leben etwas umzugestalten, andere Ursachen zu setzen, um dadurch zu für mich besseren Ergebnissen zu gelangen. Über das Rauchen brauchte ich mir dabei keine Gedanken mehr zu machen: mit dem Herzinfarkt hatte ich auch aufgehört zu rauchen und meinem Körper sechzig Zigaretten pro Tag weniger zugeführt. Da ich sehr an meinem Leben hänge, hält das Nichtraucherdasein bis heute an.

 

Das Wesen einer Depression, sagte ich mir, liegt unter anderem darin, sich vor der Umwelt abzuschotten, keine Kontakte mehr zu pflegen. Jahrelange, vollkontinuierliche Schichtarbeit hatte ihren Beitrag zur Isolation wohl ebenso dazu geleistet, wie meine derzeitige, andauernde beziehungsfreie Phase. Ich musste also Aktivitäten finden, die mich zwingen, die Wohnung zu verlassen und mit Menschen in Kontakt zu kommen.

 

Nun bin ich beispielsweise was das Lernen von Fremdsprachen anbelangt ein Autodidakt: ich lerne gerne selbst  mit Audio-CDs oder am PC, was bislang dazu führte, dass ich Spanisch schon seit mehreren Jahren immer wieder von vorne zu lernen beginne, ohne dass wirklich viel verwertbares hängen bleibt. Also beschloss ich, mich in einen Kurs an der Volkshochschule einzuschreiben und nun auf diesem Weg die Sprache zu erlernen. Mein Spanisch kann dadurch nur besser werden, und ich bin gezwungen, samstags in den Unterricht zu gehen.

 

Aber ich brauchte das Rad ja nicht ganz neu zu erfinden, und eine Ärztin und sehr gute Psychotherapeutin, auf die ich während meiner Genesung glücklicherweise traf, stieß miMeine Schreibe-für Flyer2ch immer wieder mit der Nase auf meine Fähigkeiten. Ein ehemaliger Mitteilnehmer aus einem früheren NLP-Practitioner-Kurs meinte sogar: „Lass dich nicht von deinen Symptomen leiten, sondern von deinen Fähigkeiten.“ Nun, seit mehr als zwanzig Jahren beschäftige ich mich mit dem Schreiben. Ich schreibe Kurzgeschichten, Gedichte, Glossen und gelegentlich einmal einen Artikel. Früher, als es noch kein Internet gab, konnte ich ein paar meiner Geschichten auch in der Tageszeitung veröffentlichen. Als ehemaliges  Mitglied im Werkkreis Literatur der Arbeitswelt fand meine Kurzprosa auch in der Anthologie „Jenseits von Oggersheim“ Platz. Auch an einigen Lesungen hatte ich damals teilgenommen.

 

So reifte in mir der Gedanke, meine Texte neu zu sortieren und mit einer Auswahl davon unter dem Motto „Meine Schreibe…“ erneut an die Öffentlichkeit zu gehen. Da ich nicht der eitle Autor bin, der horrende Summen an Druckkostenzuschussverlage zahlt, nur um sein eigenes, kaum verkaufbares Buch in der Hand zu halten, legte ich mir eine Homepage an, mit der ich auf meine Autorenlesung aufmerksam mache. Auf dieser Homepage biete ich nun meine Texte auch  zum kostenlosen download an. Zusätzlich brannte ich meine Werke als Audio-CD zum Anhören.

 

Meinen Ratgeber „Quo vadis, Alki„, den ich hauptsächlich für abstinent lebende Alkoholiker geschrieben hatte, und der in meiner Schreibtischschublade vor sich hin träumte, stellte ich als downloadbares ebook ins Internet. Dasselbe machte ich mit meinem Ratgeber „Visionen finden – Ziele setzen„, in dem ich unter anderem den Zielrahmen aus dem NLP vorstelle.

 

So verschaffte ich mir also eine neue Art von geistlicher Beweglichkeit, die mich konstruktiv fordert und mir Spass macht. Meiner körperlichen Beweglichkeit und dem sehr unangenehmen Übergewicht, das sich durch das Nichtrauchen eingestellte, trage ich durch eine veränderte Ernährungsweise und durch meine Besuche im Fitness-Studio Rechnung. Das ist das Schwerste an all dem Neuen, weil es sehr viel Geduld erfordert und ein geduldiger Mensch bin ich nun nicht gerade. Aber dafür gibt es ja die Lernfelder.

 

Nein, ich fühle mich noch lange nicht so gesund, wie ich das gerne hätte, aber der Weg dorthin stimmt. Und den gehe ich konsequent. Vielleich werde ich zukünftig auch workshops gestalten. Da ist der letzte Gedanke noch nicht gedacht. Denn ich denke, wer Tee trinken will, muss ihn kochen.  

 

© rh

 

 

Ich kapier‘ kein Engelerisch

Die Vermittler sind wieder unterwegs. Es gibt ja so viele Suchende, oder besser Nichtfindende. Da braucht man schon so eine Vermittlungsstelle. Nein, ich rede nicht von Partnerbörsen. Ich meine diese medialen Vermittlungsstellen, die dir den Kontakt zu deinem Engel herstellen, weil dein Engel einfach zu blöd ist, um mit dir selbst Kontakt aufzunehmen. Es kann natürlich auch sein, dass du auf der falschen Frequenz funkst, ihn nicht verstehst. Dann muss der Kanal richtig eingestellt werden. So ein Medium kennt die Frequenzen.

Sie brauchen ja Führung, die Suchenden. Sind ja auf ihrem Weg. Alle sind auf ihrem Weg. Kaum jemand, der mal stehen bleibt und Luft holt. Wie soll man da noch wissen, in welche Richtung es geht, wo die richtige Frequenz ist. Da braucht man schon einige, die Kontakte knüpfen können mit der Weisheit, mit der energetischen Kraft.

Zuerst waren es Heiler. Viele Heiler, immer mehr Heiler. Vergleichbar mit einem Krankenhaus, in dem nur Ärzte arbeiten, aber keine Pfleger und schon gar kein Kantinenpersonal. Ein Überangebot an Heilern auf dem alternativen Markt. Und nun sind es eben die medialen Vermittler.

Der Einzelne ist ja nicht sensibel genug, kann der Stimme seines Engels kaum lauschen, braucht einen Übersetzer für Engelerisch.

Bei meinem Engel ist das anders. Der spricht alle Sprachen, angefangen vom Slang über chinesisch bis zu den gängigen Programmier-Sprachen, wenn er es für angebracht hält. Mein Engel verfügt über eine hohe Kommunikationsfähigkeit und unterlässt es tunlichst, sich mir in einer abgehobenen, verklärten, metapherreichen und himmelssphärischen Sprache mitzuteilen, weil er genau weiß, dass ich kein Engelerisch kapiere.

Aber es soll ja auch andere Engel geben. Die wissen genau, dass ihre Erdenbürger und deren Vermittlungsstellen sowohl auf gehobenes Engelerisch wie auch auf den dazu passenden Kommunikationsweg bestehen. Sie akzeptieren solche Geschäftsmodelle voll und ganz, obwohl sie dabei leer ausgehen. Was sollten sie in ihrer Dimension auch mit der Kohle anfangen? Die ist bei den Vermittlern besser aufgehoben.

© rh

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Die Schlange wird länger

Man sagt, wenn sich alle Alkoholiker in Deutschland die Hand reichen und eine Menschenschlange bilden würden, wäre diese Schlange ungefähr 3.500 Kilometer lang. Das entspricht etwa viermal der Strecke Bodensee – Ostsee.

Angesichts dieser Tatsache kaum vorstellbar, wie wenig die Allgemeinheit über diese Krankheit weiß und wie hartnäckig sich das Bild des willensschwachen Alkoholikers in den Köpfen der Menschen hält.

Heute ist Fastnacht-Dienstag, überall Trubel, überall Ausgelassenheit. Grölende Narren taumeln mit Weinflaschen in der Hand. Dort an der Straßenecke neben dem Würstchenstand wird gerade gekotzt. Helau! – Die Schlange wird länger.

© rh

Illusion

weggeschlossen
die wahrhaftigkeit
hinter das herz verbannt
unspürbar gemacht

blassbunt
die welt bemalt
bis zur erschöpfung
die illusion genährt

damit sie nicht platzt
wenn ich
dann doch
sehen muss

© rh

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Halt mich

http://data7.blog.de/media/962/6252962_e19c569f62_v.mpgUnd wenn ich dann manchmal in meinem kleinen Wohnzimmer vor dem PC sitze und von der Welt dort draußen träume, kann es geschehen, dass mir dann so ein Songtext einfällt. Hier das Video und darunter der Text zum mitlesen:

Halt mich

Ich habe das Unten gesehen
und ich habe das Oben berührt
und es immer geschafft,
nie ganz einzutauchen
in das Leben,
das so viele
für sich so angenommen haben..

Halt mich!
Halt mich fest,
ich brauche dich.
Einfach,
um stark zu sein
und um stark zu bleiben,.

Der Sturm meines Lebens
hat sich schon lange gelegt
Ich kenne fast alles,
hab’ so viel schon erlebt.

Aber endlich hatte ich begriffen,
ich kann das Leben nur spüren,
wenn ich mittendrin bin.
Nicht, wenn ich am Rande stehe
und nur mitschwebe
in diesem Spiel,
das ich Leben nenne.
Wenn ich teilhaben will,
muss ich teilnehmen,

Halt mich!
Ich brauche dich.

Denn das Leben spielt sich genau mittendrin ab,
zwischen Oben und Unten

Und ich frage mich,
ob ich noch einmal von vorne beginnen soll.
Denn ich weiß ja, ich kann es,
jederzeit,
jederzeit!
Aber kann ich es auch jetzt?

Lass mich noch einmal eintauchen,
eintauchen in das Leben,
um einfach nur
spüren zu können,
dass ich bin

Komm,
halt mich fest.
Ich brauche dich.
Ich brauche dich,
halt mich fest.

© rh

Man getraut sich ja kaum

Man getraut sich ja kaum,
man weiß ja nicht, wie es wäre,
mache man es falsch.

Man würde es ja versuchen,
würde man sich getrauen wollen,
mache es womöglich richtig, aber
man getraut sich ja kaum.

© rh

Aus meiner Autorenlesung Meine Schreibe

Die Tennisballübung

Ich möchte heute eine Partnerübung zur Entspannung vorstellen, die ich auch in meinem ebook „Visionen finden – Ziele setzen“ beschreibe.

Manchmal ist es einfach schön, sich gemeinsam mit seinem Partner etwas Gutes zu gönnen. Auch dadurch können wir abschalten und den Alltagsstreß hinter uns lassen. Sehr gut geeignet dazu ist die Tennisballübung.

Sie benötigen dazu zwei Tennisbälle und es empfiehlt sich, im Hintergrund etwas entspannende Musik gedämpft laufen zu lassen. Wählen Sie dazu ein Instrumentalstück, vielleicht etwas Klassik oder Naturgeräusche.

Übungsablauf: Einer der Partner legt sich so auf den Bauch wie es ihm am angenehmsten ist und hält den Körper entspannt; ruhig und gleichmäßig atmen. Der andere Partner kniet sich daneben und legt die Tennisbälle jeweils unter seiner linken und rechten Hand auf den Rücken des Entspannten. Langsam beginnt er nun mit auf- und abwärtsrollenden Bewegungen von der Halswirbelsäule bis hinunter zur Lendenwirbelsäule den Partner zu verwöhnen, wobei die Wirbelsäule am Anfang immer zwischen den Tennisbällen liegt. Die Bewegungen sollen ruhig und sanft sein und schön langsam.

Mit sanftem Druck werden nun die Tennisbälle wieder entlang der Wirbelsäule hochgerollt und dann neben der Wirbelsäule alle Rückenbereiche abgerollt: Rücken, Schultern, Seiten, Gesäß. Wenn es der Partner mag, können auch die Arme und Beine mit einbezogen werden.

Selbstverständlich soll auf die Wünsche des Partners eingegangen werden (kräftiger, sanfter, rechts, links usw.), denn der soll sich ja wohl fühlen. Die Übung dauert ungefähr 10 bis 20 Minuten, dann werden die Rollen getauscht.

Viel Spass dabei

Herr Westerwelle und der geistige Sozialismus

Es ist wieder einmal so weit: Monsieur Westerwelle, seines Zeichens Vizekanzler in einem freiheitlich, demokratischen Rechtsstaat, hat sich zu Wort gemeldet und das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes zu den Hartz IV- Sätzen als „geistigen Sozialismus“ kommentiert und damit seine Überforderung in einem Amt deutlich gemacht, in dem er einen demokratischen, sozialen Rechtstaat repräsentieren soll. Die Strukturen eines Sozialstaates scheinen zu vielschichtig für die einfache, in Polaritäten daher kommende Polemik des Herrn Vizekanzlers. Wer das Urteil des Bundesverfassungsgerichtes als abzulehnenden „geistigen Sozialismus“ bezeichnet, teilt seine Denkstruktur nur in zwei Hälften auf: Kapitalismus gut – Sozialismus böse.

Nun mag die Entdeckung des Bösen im Sozialismus ein Indiz für den Weg des Herrn Westerwelles auf seiner Suche nach intelligenten Sprüchen sein, er wird diese Intelligenz jedoch weder bei seiner Partei noch in seinem Amt finden. Die Erfassung von komplexen Zusammenhängen in der Politik geht nun einmal über die Verbreitung polarisierender, antisozialistischer Parolen hinaus. Und unser Staat ist nicht darauf ausgelegt, Menschen in Ämtern durch die Anforderung an Denkstrukturen zu überfordern. Die Abwesenheit von Intelligenz ist da eben nicht einseitig bei den Hartz IV-Empfängern zu suchen.

Das Rechtstaatsprinzip wäre wohl gewahrt, wenn der Herr Vizekanzler sich zukünftig die Hand vor den Mund hält und sich etwas mehr mit dem Gedanken an Rücktritt befasst. Er könnte sich dann dem Studium sozialistischer Klassiker widmen, und versuchen, dem Bösen auf die Schliche zu kommen. Auf diesem Weg könnte er erfahren, dass er mit seinem „geistigen Sozialismus“ überhaupt nicht wusste, über was er da redete. Er könnte sogar zu der Einsicht gelangen, dass es ihm mit diesem Ausspruch nur darum ging, den Applaus aus einer Gesellschaftsschicht zu bekommen, die zwar weiß, wie man Murks schreibt, aber nicht Marx, und die mit Sicherheit von diesem Herrn Marx noch keine einzige Zeile gelesen hat, und die – wie wohl auch Herr Westerwelle – davon ausgeht, eine Diktatur wie die Ex-DDR könne man getrost als sozialistisch und als Aushängeschild für den Sozialismus bezeichnen.

Welch fataler Irrtum! Ich werde ja auch nicht zu einem Auto, wenn ich „Tuut“ schreie und über die Strasse renne. So wurde auch der „real existierende Sozialismus“ nicht automatisch zum Sozialismus, weil die Staatsführer ihn so benannten. Nicht einmal zu einem geistigen.

© rh