sehnsuchtsgeschmerzt hartgefühlt
innenbetont heimgezogen
Leere getankt
zartgefühlt aufgetaucht:
Hallo, Welt
© rh
sehnsuchtsgeschmerzt hartgefühlt
innenbetont heimgezogen
Leere getankt
zartgefühlt aufgetaucht:
Hallo, Welt
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Stirb!
So lange es dich gibt? Ich bin immer da.
Rede keinen Stuss! Ich brauche keine Traurigkeit. Gestern warst du nicht da.
Da warst du wütend. Das ist dasselbe.
Und vorgestern, he? Was war vorgestern?
Du warst fröhlich und ausgelassen, voller Lebensfreude, und
das ist dasselbe.
Stirb!
Ich bin stets dasselbe Gefühl. Du gibst mir das Etikett. Du entscheidest, in welchem Gewand ich dir begegnen soll.
Ach, leck mich am Arsch.
© rh
Hauptsache eins achtzig groß und in der Lage, Laminat zu verlegen. Mehr erwartet sie nicht, die moderne, Rollenbilder ablehnende Frau mit Höhenverschiebung im Blick. In der Beziehung auf Augenhöhe darf dann schon mal eine Steigung dabei sein, damit sie auch schön hoch blicken kann, wenn er gerade mal wieder fremdgegangen ist. Hauptsache eins achtzig groß und in der Lage Laminat zu verlegen. Und wenn er dann davon verschwitzt auch noch eine Bierflasche halten kann, wirkt er sogar noch richtig sexy.
Natürlich scheint es bei aller Größe allerdings äußerst wichtig, dass der Ausgewählte sich selbst gegenüber aufgeschlossen ist und Gefühle zeigen kann. Man staune: Gefühle! – Himmel nochmal, Ärger ist wohl kein Gefühl, was? Ärger ist ein sattes Gefühl, meine Damen, aber so etwas von satt!
Das ist Dominanz, das ist Machtanspruch., meint dazu die Ich-weiß-was-ich-will-Frau, Deshalb sei still und verleg weiter Laminat!
Mensch, was habe ich die Nase voll. Ich kann es nicht mehr hören. Immer dasselbe Beuteschema und dann ständig dasselbe Gejammer. Aber Hauptsache eins achtzig groß. Als durchschnittlicher Wissenslevel für den maskulinen Riesen reicht es schon aus, dass er weiß, ein Buch besteht aus bedruckten Seiten. Mehr braucht es ja auch nicht fürs Laminatverlegen. Lesen muss der Zukünftige nur am Laptop können.
Echt, Leute, ich kann das Gejammer nicht mehr hören. So ist das nun einmal: wenn Frau immer dasselbe sucht, bekommt sie das, was sie schon immer bekommen hat.Deshalb kann ich es nicht mehr hören, dieses Gejammer!
Selbstverständlich gibt es da noch die anderen femininen Geschöpfe mit normaler Blickrichtung, für die solch maskuline Attribute nebensächlich sind: die Mütter.
Himmel, was sind in dieser Welt Mütter unterwegs, die ständig Ziehsöhne suchen. Sie wollen dir die Welt erklären, wissen ganz genau, was für dich richtig und gut ist. Wenn du mal einen Schweinshaxen verdrückt hast und mit ein paar Gramm zu viel auf den Rippen durch die Gegen wackelst, raten sie dir, die Schilddrüse untersuchen zu lassen, denn bei Ilse, Gerda oder Erna war das ähnlich und hatte überhaupt nichts mit dem Verzehr von unzähligen Sahnetorten zu tun.
Ich frage mich, wie ich überhaupt so alt werden konnte. Ich weiß ja gar nichts. Ich bin überhaupt nicht überlebensfähig in dieser schrecklichen Welt. Lasset die Mütter zu mir kommen…
Ich habe auf all das kein Bock mehr. Mittlerweile bin ich single-gebildet in einem männlichen Single-Haushalt mit einer Single-Erfahrung, die mir keine Mutter der Welt mehr wegnimmt.
Ich weiß nun, dass Bügelwäsche im Schrank nicht schimmelt und sehr lange lagerfähig bleibt. Durch Fensterscheiben kann man immer durchsehen, selbst wenn sie verschmutzt sind. Und wenn du durch das Küchenfenster nur auf die Hauswand des Nachbarn blickst, reicht es, wenn du dich zweimal im Jahr diesen Scheiben widmest. Wenn du nach sechs Wochen die Wohnung putzt, weil sich Besuch angemeldet hat, wird es genauso sauber als würdest du es täglich machen. Dauert eben nur etwas länger. Diese Zeit hast du aber vorher beim Nichtstun locker herein geholt.
Ich habe eben keinen Bock mehr auf Verstehen, auf Verständnis, auf Empathie. Ich kann das Gejammer nicht mehr hören.
Suchen? Wer sucht denn hier nun wen? Ich suche nicht! Und vor allem werbe ich nicht um irgendwelche Gunst! Ich bin weder Jäger noch irgendein Minnesänger, der die Angebetete im Elfenbeinturm bezirzen will. Wenn sich irgendeine der Holden für mich interessiert und mit meiner Einwilligung meinem Single-Dasein ein Ende setzen will, soll sie einfach mal die Hand heben! Zeig dich! Ich bin nämlich kein Hellseher!
Wenn ich überhaupt etwas suche, dann genau diese erhobenen Hände. Wobei diejenigen, die mich die ganze Zeit aufgrund der Blickverschiebung übersahen, gerne die schlanken Fingerchen unten lassen dürfen. Es stehen genug Laminatverleger bereit, die in das Beuteschema passen und deren Kommunikationsfähigkeit sich auf das Anklicken eines Profils im Internet beschränkt. Auf die übliche Kontaktaufnahme Hi, wie gehts? möchte ich hier gar nicht näher eingehen.
Nebenbei bemerkt sind es ja dann doch immer die Männer, die immer nur das Eine wollen, ständig nur das Eine suchen. – Ich kann es nicht mehr hören, dieses Geschwätz, dieses Gejammer.
Ich muss hier raus. Ich muss raus aus diesem Badezimmer! – Es ist nicht normal, dass ich hier seit gut einer halben Stunde verbissen mein Spiegelbild ankeife und mir selbst einen Vortrag halte. Das ist nicht normal!
Ich muss hier raus. Ich kann das alles nicht mehr hören. Es betrifft mich nicht: ich habe Teppichboden.
© rh
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Der See und ich
Gestern noch zog er hemdsärmelige Menschen massenhaften an, ließ sich durch warme Sonnenstrahlen hindurch begaffen. Heute zeigt er sich majestätisch und unbehelligt in der kaltnassen Normalität erster Apriltage, die Mainau hinter Regenschwaden verborgen.
Auch das bin ich, scheint der See mit jeder Windböe in den Tag zu rufen. Fast glaube ich, ihn durch den Nieselregen zu hören: Wie sollte ich sonst Ruhe finden, zwinkert er mir zu.
Ich bin ein aufmerksamer Schüler.
© rh
kneipenstimmung
rote köpfe
disputieren
über halbgeleerten gläsern
trübe augen
suchen
unruhig
nach dem widersacher
ohren hören
fetzen
leerer worte
ketten
geschmiedet
aus bier
(c) rh

(
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Freude, schöner Eierkuchen
ruhst auf Aluminium.
Kaffe wird dazu getrunken
im Familienheiligtum.
Freude, schöner Eierkuchen
unterm Teppich macht sich breit,
was man mit der Hand vorm Munde,
nicht zu sagen ist bereit.
Freude, schöner Eierkuchen,
welch Erlebnis Jahr für Jahr !
Lichterglanz, Familienbande,
ach, wie seid ihr doch so nah!
Freude, schöner Eierkuchen.
Kindheit, ich vergess dich nie!
spür die Stiche noch in mir,
dieser Heuchelharmonie!
© rh
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Wenn der Spätsommer nur noch Erinnerung ist, und das erste Frösteln bereits den nahen Winter ankündigt, wartet der Herbst nicht nur mit beliebtem, grünen Küchengemüse auf, sondern liefert uns auch ein medizinisches Hausmittel, das im Zeitalter chemischer Keulen wohl etwas in Vergessenheit geraten ist. Der Winterrettich, auch Schwarzer Rettich genannt, findet noch heute seine Verwendung bei Husten und Heiserkeit.

In Großstädten ist der Schwarze Rettich eher selten zu bekommen. In ländlichen Gegenden zählt er nach wie vor zum Sortiment ansässiger Bauern.
Um den begehrten Hustensirup zu erhalten, schneidet man dem Winterrettich eine Kappe ab und höhlt ihn dann aus.

Das ausgehöhlte Gemüse füllt man nun mit braunem Kandiszucker, setzt die Kappe wieder auf und lässt das Ganze ungefähr 24 Stunden ziehen. In der Aushöhlung bildet sich nun Sirup, der sehr lindernd bei Husten wirkt.
© rh
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Aus der Serie „Bekloppt und doch kein Schnitzel“
ER wars.
Er kam von weit her und wollte sie fangen. Sie, die mit ihrem dummen Geschwätze die Wahrheit verschweigen. Dort aus dem fernen Lande kam er gelaufen, um sie zu sehen, jene, die mit ihren blinden Augen die Wahrheit nicht sehen wollen.
Sie selbst aber standen bereit, ihn zu töten. Die Messer waren geschliffen und sie gierten nach dem Blut, das bald fließen sollte.
Da kam er von rechts nach links herangesaust, die Zähne so fest aufeinander gebissen, dass sie es alle krachen hörten. Den anderen, die bis auf die Zähne bewaffnet waren, schien es, als wolle er ihrer Bewaffnung die Grundlage entziehen.
So brach der erste Schneidezahn ab, der zweite Zahn brach ab und endlich hatte er sich auf seinen Kiefer durchgebissen. Oh, es war herrlich, diese Beißerei! Dann wackelte er verdächtig langsam mit dem Kopf, hob seinen rechten Fuß etwas an und ließ ihn gekonnt wieder sinken.
Alle hatten es gesehen. Alle starrten ihn an. Und als sei diese Beißerei noch nicht genug auf seinem Weg zum Sieg, tat er noch das einzig Mögliche, um der blutrünstigen Meute ihre Gefährlichkeit zu nehmen:
Ganz, ganz langsam fuhr er sich mit dem Zeigefinger der linken Hand ins rechte Ohr, spitzte die Lippen, säuselte ein kaum vernehmbares „Tschiiiiit“ – und zog den Zeigefinger, als schon niemand mehr daran glaubte, in Windeseile wieder aus dem Ohr heraus.
Jetzt hatte er gewonnen! Die Massen jubelten ihm zu. Ohne Zähne und mit dümmlichen Blick ließ er sich auf ihren Schultern hinweg tragen. – Weit weg. So weit, dass sie ihn auf eine Art und Weise aus den Augen verloren, wie sie sonst nur ihre Tränen aus eben jenen Augen verlieren.
Bis heute hat ihn niemand mehr gesehen. Was blieb, ist seine Legende.
Und noch heute, wenn man nicht mehr so genau weiß, wer etwas bestimmtes getan oder eben nicht getan hat, sagt man: „ER war’s!“
Sie fliegen zum Mond, erobern den Weltraum, symbolisieren mit monströsen Bauwerken die Freiheit des Individuums. Sie stehen für Fortschritt, ernennen sich zum Ordnungshüter und implantieren der Welt ihre Vorstellung von Gerechtigkeit. Sie ignorieren den Aufschrei der westlichen Welt und stützen sich auf ein mittelalterliches Strafrecht, das Sühne und Rache postuliert. Von ihren verhassten Glaubensgegnern unterscheiden sie sich offensichtlich nur in der Wahl der Mittel: die einen werfen mit Steinen, die anderen setzen die Todesspritze. Nach außen hui, doch innen pfui.
(c) rh
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