Mann hat ja Stil

”Gaby muss länger im Krankenhaus bleiben Wir sollten uns wieder öfter sehen, Nicole.“
Der Ober kam und Harald kostete mit aufgesetzter Kennermiene den Wein. Nicole nippte nur an ihrem Glas.
”Du meinst, ich könnte ja wieder einmal für eine Weile einspringen?”
Harald überging die Frage, und Nicole stieß nach:
”Als Ersatzfrau sozusagen.”
”Du scheinst heute nicht gerade deinen besten Tag erwischt zu haben. Hattest du Probleme?”
”Weshalb habt ihr beide eigentlich geheiratet?” ,wollte Nicole wissen.
”Was soll diese Fragerei? Gaby und ich – wir lieben uns!”
”Sie dich oder du sie?”
Er zog die Stirn in Falten.
”Jetzt höre aber auf! Ich weiß wirklich nicht, was du von mir willst.”
”Vielleicht möchte ich heute mehr über den Mann wissen, mit dem ich vor einigen Wochen geschlafen habe.” –
”Es hatte dir ja wohl gefallen?”
Es klang höhnisch, abwertend. Aber Nicole spürte das Lauern auf ihre Antwort.
”Glaubst du?” lächelte sie ihn freundlich an.
Harald wurde unsicher, sagte nichts mehr. Sie gönnte ihm diese Sekunden, dann lenkte sie ein.
”Du hast recht: es hatte mir gefallen.”
Er war beruhigt, trank von seinem Wein, hakte das Thema für sich ab. –
”Die Betonung lag auf ‘hatte’, Harald. – Es ‘hatte’ mir gefallen.”
”Was willst du damit sagen?”
”Ich möchte jetzt gehen ”, klang es ruhig von ihr herüber.
”Du wirst dich schon noch etwas gedulden müssen. Ich habe doch nicht umsonst bestellt.“
Nicole stand auf und kramte in ihrer Handtasche.
”Das dürfte wohl reichen für den Wein. Du bist eingeladen.”
Ein Zwanzig-Euro-Schein flatterte auf den Tisch. Ein paar Augenblicke später hatte Nicole das Lokal verlassen.
Als Harald am nächsten Tag den Blumenladen verließ und auf das Krankenhaus zusteuerte, war er überzeugt, wieder einmal richtig gewählt zu haben.
Eigentlich hatte er für Gaby einen großen, bunten Blumenstrauß kaufen wollen und sich dann doch für eine einzelne, langstielige rote Rose entschieden.
Mann hat ja Stil.

© rh

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Fesselnde Angst

Vorrübergehend außer Gefecht gesetzt. Vorrübergehend, weil es ja wieder besser werden kann. Alles bleibt  außen vor, abgeschottet von der Welt, zurückgezogen in sich selbst mag er nur entfliehen. 

 

Diese verdammten Tabletten, ein ganzes Chemiewerk, was er da täglich in sich hineinstopfen  muss. Der Nutzen überwiegt die Nebenwirkungen, meint der Arzt. Wieder diese Schmerzen, den Weg bahnend für die Angst, die ihn gefangen hält. Je mehr er entfliehen will desto stärker kreisen die Gedanken um diese Angst, fokussieren sie, machen sie mächtig und groß bis sie seinen Körper kontrolliert.

 

Diese vielen Ratschläge. Nach vorne schauen, die Zukunft gestalten. Und er spürt diese Fesseln, die das Wissen am Handeln hindern und weiß nicht, wann er sich die angelegt hat. So invalid, so versehrt fühlt  er sich nach diesem Eingriff, so vollkommen ohne Einfluss,  so unvorbereitet hart konfrontiert mit seiner  Endlichkeit.

 

Aufstehen, sagt er sich, aktiv werden, nach vorne schauen und  Licht erzeugen in dem Grau, an das er sich klammert, weil Grau immer noch lebendiger ist als tot. 

 

Nichts ist mehr wie früher. Ein  Herzinfarkt und vor allem die  Bypass-Operation bringt ihm die Sorglosigkeit der Vergangenheit nicht wieder zurück. Da war jemand in seinem  Körper und damit lebt er nun, zumindest heute.

 

© rh

 

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Sie tut weh, diese Wirklichkeit

Da steht er nun, entspricht all ihrer formulierten Erwartungen. Eben genau so, wie sie ihn auf ihrem Profil in dem Internet-Portal beschrieben hatte: gutaussehend, schlank, mindestens 180 cm groß, gut situiert in ordentlichem Single-Haushalt, mit gebügelten Hemden.

Sicher ist er auch in der Lage, Glühbirnen auszuwechseln und allerlei technisches Gerät zu reparieren. Er sieht treu aus, ehrlich, edel und gut: der ideale Beschützer. Seinen ausgestreckten Arm nimmt sie als moderne, wirtschaftlich unabhängige und selbstbewusste Frau gerne entgegen, um sich – zu ihrem Idol hoch blickend – einzuhaken
Ja, da steht er nun. Direkt vor ihr an der Kasse des Supermarktes.

Zählt ihr das Geld hin, schaut durch sie hindurch, übersieht sie einfach. Okay, sie ist zwar mit 158 cm etwas klein geraten, aber wie kann man 90 Kilo Lebendgewicht einfach so übersehen?

Und dann spürt sie, wie weh sie tut, diese Wirklichkeit hier draußen.

© rh

Der Kompromiss

Es schmerzt

gleich einem tiefen Biss:

dein erster

Kompromiss.

 

Den zweiten bis zum sechsten

nimmst du dann  ruhiger hin.

In Folge all die nächsten

sind nicht mehr gar so schlimm.

 

Nach Abertausend

fällt dir ein:

es könnte doch auch anders sein.

 

Du lehnst dich auf und rebellierst,

stellst mutig dich dem Leben hin.

Doch leergefühlt erkennst du dann:

der Biss sitzt tief und mittendrin.

(c) rh

(Aus „Meine Schreibe…“)

Am Anfang steht der Satz

Und so sitze ich nun wieder an meiner Tastatur, gebe die Worte ein, die mir spontan einfallen und weiß noch nicht genau, was ich schreiben will. Das ist oft so.

Dieses Bild sehe ich vor mir, das mich immer wieder auffordert, es zu skizzieren, sichtbar zu machen. Es drängt hinaus, will lebendig werden und fordert meinen Versuch, ihm Leben einzuhauchen. Leben wie ich es mir vorstelle. Szenisch ist es, fast schon filmreif, aber noch nicht beschrieben. Noch nicht existent für den schemenhaft vor mir auftauchenden Leser, der nur darauf wartet Filme zu sehen, Kopfkino zu erleben.

Die Länge des Textes ist egal, einfach fließen lassen. Ich habe keine Ahnung wie es aussgeht. Bilder führen selbst. Worte sind es, die ich brauche. Manchmal fliegen sie mir zu, manchmal weigern sie sich zu mir zu kommen, mich zu inspirieren. Ich schaffe ein Gewand, ich schaffe spürbare Sicht. Nur nicht nachdenken, einfach drauf los schreiben, kommen lassen. Zeit ist morgen, übermorgen. Jetzt ist jetzt.

Es klackert leise auf der Tastatur. Früher klackerte die Schreibmaschine laut in den Ohren, Musik des Autors. Weißes, unbeschriebenes Papier damals, fordernd und bereit, meine Lippen zu sein und sei es auch nur als Alibi für zurück gehaltene Sprache.

Auf ein Neues. So fängt es immer an. Am Anfang seht der Satz.

(c) rh

Willkommen auf meiner Seite

Angelika meinte, nachdem ich nun meine eigene Homapage habe, wäre es auch an der Zeit, endlich zu bloggen. Und so bin ich hier gelandet.

Ich reihe mich also bei den blogger und bloggerinnen ein und stelle  in unregelmäßigen Abständen hier Texte ein. Dies können Glossen, Kurzgeschichten, Gedichte, Humoresken, Songtexte oder ähnliches sein. Sicherlich auch Lyrik und Prosa aus meiner Autorenlesung. 

Alle Texte haben eines gemeinsam: sie stammen aus meiner Feder. Aus meiner Feder bedeutet, dass ich das Urheberrecht an den Texten habe und darum bitte, dies zu berücksichtigen.

Viel Spass hier wünscht

Rolf