Illusion

weggeschlossen
die wahrhaftigkeit
hinter das herz verbannt
unspürbar gemacht

blassbunt
die welt bemalt
bis zur erschöpfung
die illusion genährt

damit sie nicht platzt
wenn ich
dann doch
sehen muss

© rh

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Buddhismus und Erbsünde gehen nicht konform

Kürzlich schrieb in einem Forum ein bekennender Buddhist folgenden Satz, durch den er einerseits Toleranz für das bedingungslose Glauben einforderte und andererseits jegliches Urteilen, jegliches Bewerten als sündhaft darstellen wollte:
„Das Urteilen an sich, also das Unterscheiden zwischen Gut und Böse, richtig und falsch, wahr und unwahr, kann als die eigentliche Erbsünde verstanden werden…“ Er führte weiter aus, man solle anstatt Kritik zu üben, besser schweigen und tolerieren. Es sei der Weg heraus aus der Erbsünde.

Schweigen mit dem Verweis auf „Toleranz“ ist oft der Deckmantel für fehlende Zivilcourage. Gegenüber rechtsradikalen Parolen bin ich beispielsweise aufs Höchste intolerant und respektlos und es fällt mir äußerst schwer, hier einen Weg des Schweigens gehen zu wollen. Aber das sind Extreme und mir geht es in diesem Beitrag darum, meine Überlegungen mitzuteilen, weshalb der Buddhismus aus meiner Sicht keineswegs die „Toleranz um jeden Preis“ proklamiert.

Wir leben in einer Welt der Polaritäten. Demzufolge hat „Pro“ ebenso seine Berechtigung wie „Contra“. Und manchmal zeugt es gerade gegenüber Andersdenkender von Respekt, ihnen zu widersprechen, die Diskussion zu suchen. Toleranz meint nicht, den Widerspruch zu vermeiden, sondern den anderen in seiner Einzigartigkeit zu erkennen und zu respektieren. Ebenfalls einmal „platt“ ausgedrückt: „ihn so zu lassen, wie er ist“.

Die buddhistische Lehre fordert geradezu auf, den Widerspruch zu suchen, in dem sie eben anders als die christliche Lehre nicht auf dem „Glauben“ basiert. So wie der Kommunist Lenin einmal sagte „Glauben heißt: nicht wissen“, so forderte Buddha Tausende von Jahren zuvor seine Anhänger sogar explizit auf, ihm „nicht zu glauben“, sondern selbst zu erleben, selbst zu erfahren. –

Selbst zu „erfahren“, zu „erleben“ geht aber – wie bei einem Kind – auch immer einher mit Entwicklung. Das Kind lernt und erfährt nicht einfach, in dem es ‚glaubt‘ der Herd sei heiß, sondern in dem es genau das in Frage stellt und es ausprobiert. Es urteilt, bewertet, verwirft, sucht den Widerspruch. Niemand käme jetzt auf die Idee anzunehmen, das Kind wäre gegenüber den Eltern intolerant.

Dem Kind diesen „Weg“, diese Erfahrung zu lassen, ist respektvoll und tolerant gegenüber seiner Entwicklungsstufe. Das Kind „schuldig“ zu sprechen, weil es nicht „allein an das Wort“ geglaubt hat, eher eine Sache von Religion und Kirche. Belassen wir die Erbsünde also getrost in dieser Ecke. Insofern widerspreche ich also diesem Satz: „Das Urteilen an sich, also das Unterscheiden zwischen Gut und Böse, richtig und falsch, wahr und unwahr, kann als die eigentliche Erbsünde verstanden werden…“

Das Erreichen des reinen Seins mag ein erstrebenswerter Zustand für Buddhisten sein, mit dem sich dann auch das Urteilen und Bewerten auflöst, doch sollte man bedenken, dass jeder, der einen solchen Satz wie den obigen ausspricht, eben urteilt und bewertet. Das ist aber keinesfalls sündhaft! Die Auflösung von Zeit und Raum zu erreichen, ist in unserem Hiersein allenfalls in der Meditation für den Bruchteil einer Sekunde nach langen Jahren der Übung möglich. Wir leben nun mal in Polaritäten. Die Auflösung von Polaritäten im Hier und Jetzt als erreichenswerter Zustand zu proklamieren, setzt wiederum einen polarisierenden und alles andere als toleranten Ansatz voraus, weil eine solche Aussage geprägt ist von „erreichen wollen“.

In der Leere gibt es aber nichts zu erreichen, ebenso wenig wie es in der Leere Toleranz gibt. In Nichts ist nichts.

Auf dem Weg zum Frauenversteher

Mir fallen da spontan zwei Varianten ein, die ich gut kenne:

1. Sie nehmen an, dass Nichts die Abesenheit von Etwas ist und versuchen wiederum durch Etwas (egal was) dieses Nichts zu füllen. Meistens ein erfolgloses Unterfangen, weil Sie in der Regel Reaktionen bekommen wie „du nervst“, „hör auf mich zu bevormunden“, „wenn ich sage nichts, meine ich auch nichts“ usw…

2. Sie erkennen glasklar, dass das Nichts nur scheinbar vorhanden ist und Frau sich tatsächlich bereits in einem inneren Dialog mit dem Anwalt befindet.

Wenn Sie diese beiden Varianten verinnerlicht haben, sind Sie vom Frauenversteher auch nicht mehr weit entfernt.

Erst annehmen, dann loslassen

Ein kleiner Auszug aus meinem ebook „Quo vadis, Alki“, das man als Projekt auch hier findet:

In meiner Beratungstätigkeit mit alkoholabhängigen Mitarbeitern und in der Gruppenleitung konnte ich oft feststellen, dass die ersten Phasen des Trockenseins immer wieder von massiven Schuldgefühlen begleitet sind. Sicherlich hängt dies auch damit zusammen, dass es für viele schwer erscheinen mag, Alkoholismus als Krankheit anzusehen, die zwar durch vollkommene Abstinenz zum Stillstand gebracht, aber nicht wirklich ‚geheilt‘ werden kann.

Das Bild vom willensschwachen Alkoholiker ist in unserer Gesellschaft stark verankert und selbst Betroffene tragen dieses Bild lange Zeit mit sich und fühlen sich schuldig. Es fällt mir selbst schwer, den Begriff der ‚unheilbaren‘ Krankheit zu akzeptieren. Tatsächlich ist es mir vollkommen gleichgültig, ob ich jemals wieder zu einem normalen oder so genannten kontrolliertem Trinkverhalten zurück finden könnte oder nicht. Ich weiß für mich, dass kontrolliertes Trinken bei mir nicht funktioniert hat. Ich wollte den Rausch und den bekam ich nicht durch ‚kontrolliertes‘ Trinken.

Ich will nicht mehr trinken! Das alleine zählt für mich. Denn niemals zuvor habe ich mich mehr ‚heil‘ gefühlt als jetzt, da ich alkoholabstinent lebe. Ein Freund von mir formulierte dies während einer Gruppensitzung für sich so: ‚Ich bin dankbar, Alkoholiker geworden und heute trocken zu sein. Wäre ich den Weg der Abhängigkeit nicht gegangen, hätte ich vielleicht die heutige Lebensqualität nicht erlangt.‘ Krankheit als Chance und nicht als Mangel zu betrachten, war der Leitgedanke, den mein Freund damit für sein Leben gewählt hatte.

Das Krankheitsbild Alkoholismus birgt aber auch noch eine weitere Chance für Betroffene in sich, gerade dann, wenn sie erst kurz trocken sind: Betrachtet man alkoholbedingte Verhaltensweisen wie Lügen, das Leugnen, mit dem Stoff nicht umgehen zu können oder das Nichteinhalten von Versprechen zur Abstinenz als Symptome eben jener Krankheit, ähnlich wie Fieber bei einer Grippe, so fällt es gerade am Anfang der Abstinenz viel leichter, sich von Selbstvorwürfen zu lösen. Die Anonymen Alkoholiker, die weltweit bekannteste Selbsthilfeorganisation, meinen dazu: ‚Es ist keine Schande, krank zu sein, es ist eher eine Schande, nichts dagegen zu unternehmen, wenn man es erkannt hat.‘

Für mich bedeutet dieser Satz, dass ich etwas, was ich als wahr erkannt und angenommen habe, auch loslassen kann. Das Loslassen liegt dann in meiner Verantwortung. Allerdings, ohne das Annehmen kann ich es nicht loslassen. Ich möchte dir das kurz veranschaulichen.

Stell eine Tasse vor dich hin und forme deine Hand so als wollest du diese Tasse ergreifen. Nimm die Tasse aber nicht wirklich in die Hand. Tu einfach nur so! Wenn ich dich nun auffordere, die Tasse los zu lassen, wirst du es nicht können, weil du sie nicht wirklich ergriffen hast: du kannst nur loslassen, was du hast. Wenn du die Tasse nun tatsächlich ergreifst, kannst du meiner Aufforderung mühelos folgen und die Tasse loslassen.

Erst wenn du deine Abhängigkeit von Alkohol erkannt und wahrhaftig angenommen hast, wenn du dich dafür entschieden hast, Alkoholiker zu sein, kannst du loslassen und dich für den Weg des Nichttrinkens entscheiden. Dieses Annehmen wird vielfach als Krankheitseinsicht oder Kapitulation vor dem Alkohol bezeichnet. Ich selbst möchte bei dem Begriff Annehmen bleiben.

© rh

Rotkehlchens Rückführung zum femininen Ursprung

Rotkehlchens Rückführung zum femininen Ursprung

Es spinnte sich zu einer Puppe,
man höre, was voran gestellt,
DIE Raupe
und entschwand sodann der Raupenwelt.

Schon bald darauf, nach kurzer Zeit,
erschien das Gegenstück zur Weiblichkeit:
DER Schmetterling
im farbenfrohen Flügelkleid.

Um Gleichklang in den Widerspruch zu bringen,
begann ein Rotkehlchen zu singen.
DAS Vögelein, ganz still und leis’
macht’ aus dem Schmetterling
DIE Vogelscheiß.

© rh

Denkt doch was ihr wollt

denken –
an Weihnacht,
an dich,
an Auschwitz –
denken eben,
vereinzelt,
in Gruppen,
als Denker,
Andersdenker,
Umdenker,
Drandenker,
Wegdenker

und ich –
leergefühlt,
hinweg gedacht

und ihr –
denkt mich immer noch an.

© rh

Aus meiner Autorenlesung „Meine Schreibe…“