Meine ganz besondere Macke

Es mag Menschen geben, die bevorzugen ein kühles Bier vor dem Fernseher und die Gemütlichkeit ihrer Couch. Mag sein, dass da noch ein wenig Knabbergebäck greifbar ist, und der Ascher nebst Rauchutensilien in unmittelbarer Nähe steht.

Von all diesen Menschen unterscheide ich mich nur unwesentlich. Auch ich bevorzuge die Gemütlichkeit, wenn ich mit meiner Fernbedienung das abendliche TV-Programm durchforste. Der Unterschied liegt aber deutlich in der Wahl der Genussmittelchen neben mir.

Zunächst ist da mal der Gang zum Kühlschrank und dort im Speziellen das Öffnen des Eisfaches. Genau hier liegt dann das Objekt meiner Begierde: eine Tafel Schokolade, fast tiefgefroren. Ja, tiefgefroren! Während der eine oder die andere ein Schokoladenstückchen zartschmelzig auf der Zunge gewohnt ist, besteht mein Höchstgenuss darin, eben jenes Stückchen sanft mit den Schneidezähnen anzuknabbern.

Aber das Anknabbern von Schokolade alleine reicht natürlich für so einen Fernsehabend nicht aus. Salzstangen, besser gesagt, sogenannte Salzletten, müssen her! Und nach jedem Schokoladenabknabber-Ritual führe ich mir, noch während die Schoko auf der Zunge vergeht, ein Salzlettelchen in den Mund, was zu einem angenehmen, in sich abgerundeten,  schokosalzigen Geschmacksaroma führt.

Selbstverständlich wäre ein kühles Bierchen dazu vollkommen unangebracht. Deshalb unterschiedet sich mein Getränk, mit dem ich mir einen solchen TV-Abend verschönere, wohl ganz und gar von allen herkömmlichen Fernsehabendgetränken. Ich liebe es, meinen schoko-salzigen Genuss noch mit fettarmer Milch, meist unter 0,3 %, zu verfeinern. An so einem Abend ist eine Tafel Schokolade und eine Packung Salzletten sowie 1/2 Liter Milch für mich obligatorisch.

Köstlich, genau das ist meine Macke, und ich liebe sie. Abnehmen werde ich sicherlich auch noch. /rh

 

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entblödung

ich entblöde mich

du entblödest dich

er, sie, es entblödet sich

wir entblöden uns

ihr entblödet euch

sie entblöden sich –

himmel, wie blöd

 

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Proud Mary kocht was Gutes

Du denkst an nichts Schlimmes und da steht sie plötzlich vor dir. Nicht so wie du sie von früher kennst, nein, sondern mit satten Rundungen um die Hüften, kurz geschnittenem Haar und einem breiten Grinsen im Gesicht.

„Kennst du mich noch?“, säuselt sie. Weshalb sollte ich sie nicht kennen. Ich hatte sie ja angebetet, damals in der siebten Klasse. Wie sie während des Englischunterrichts immerfort mit ihrem langen, gewelltem Haar spielte, mit ihren strahlenden Augen lachte, und wie sie durch ihre zum angehenden Weibe erwachten Figur Signale an alle Jungs der Welt aussandte, wenn sie im Pausenhof zu Proud Mary von Tina Turner tanzte.

„Die Hanna!“, sage ich und reiche ihr die Hand.
Statt mir die Hand zu geben, tätschelt sie sich leicht die Hüften.
„Ja, die Hanna“, meint sie, “und mit den Jahren bin ich ein wenig rundlich geworden. Meine gute Küche, sagt mein Mann. Du hast dich aber kaum verändert.“
„Och, ja“, heuchele ich Verlegenheit. “Bin auch älter geworden. Was machst du so?“
„Verheiratet, zwei Kinder und eine Enkelin.“
„Toll.“
„Ja, toll. Die Kleine kommt jetzt schon bald in den Kindergarten. Und du?“
„Zweimal geschieden, aber auch Kinder.“
„Musst du zahlen?“
„Nein, für die Kids nicht mehr, aber für die Ex immer noch. Die ist krank.“
„Aha. – Na ja, melde dich doch mal. Kannst ruhig mal vorbei kommen. Ich koche uns auch was Gutes. Dann lernst du auch mal meinen Mann kennen.“

Als sie weggeht, schaue ich auf ihre Hüften, die Beine entlang bis hinunter zu ihren dunkelblauen, flachen Schuhen, in denen sich ihre mir breit erscheinenden Füße verstecken, um Schritt für Schritt vor sich hin zu tapsen. Da ist nichts mehr von Weiblichkeit, keine Tina Turner für pubertierende Jungs. Da schwingen keine subtilen Aufforderungen mehr mit den Hüften, da wurden die siebziger Jahre abgeschüttelt als hätten sie nie existiert, und alle Frauenpower verpufft in der traditionellen Mama, Hausfrau und Oma.

Ihren Mann kann ich kennen lernen, sagte sie, und sie koche auch was Gutes.

‚Oh, Hanna‘, denke ich, ‘wann hast du nur kochen gelernt? ‘

© Rolf Höge

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Hauptsach eensachtzisch groß

Hauptsach eensachtzisch groß un in dä Laag, Laminat zu verlege. Mehr erwart se net, die modern, Rollebilder ablehnende Fraa mit Höheverschiebung im Blick. In so ähner Beziehung uf Augehöh därf donn schun mol äh Steigung däbei soi, damit se schää nuff gucke konn, wenn er mol widda fremdgonge is. Un wenn er dodävu donn noch verschwitzt äh Bierflasch halte konn, wirkt er sogar noch rischdisch sexy

Hauptsach eensachtzisch groß un in dä Laag, Laminat zu verlege.

Natierlisch schoint bei aller Greeß donn aah wischdisch, dass der Ausgewählte sich selwer gegeiwer ufgschlosse is und Gfühle zeige konn.

Gfühle! – Himmel nochemol, Ärger is kee Gfühl, he? – Ärger is sogar ä sattes Gfühl, meine Damen, awwer sowas vun satt!

„Des is Dominonz, des is Machtohschpruch.“ meent se donn, die Isch-wees-was-isch-will-Fraah. „Also sei still und verleg weiter Laminat“.

Mensch, was hab isch die Nas voll. Isch konn’s nimmer heere. Immer des Gleiche Beuteschema und donn schdändisch des Gejommer. Awwer Hauptsach eensachtzisch groß. Als durchschnittlicher Wissenslewwel vun dem Riese reicht’s schun aus, wenn er wees, dass ä Buch aus bedruckte Seite beschteht. Mehr braucht er ja ah net zu wisse fers Laminatverlege. Lese muss der Zukünftische bloß om Laptop kenne.

Escht, Leit, isch konn des Piense nimmer mehr heere. So isses halt ämol: wenn Fraa immer des Gleiche sucht, kriegt se halt ah des, was se schun immer kriegt hot.

Un donn sin do noch die onnere ‚feminine Gschöpfe‘ mit normaler Blickrichtung, fer die so maskuline Adribuhde nebesäschlisch sin: die Mütter.

Himmel, was sin in dere Welt Mütter unnerwegs, die ständisch Ziehsöhn suche. Sie wolle der die Welt erkläre, wisse gonz genau, was fer disch rischdisch un gut is. Wenn ämol än Schwoinshaxe verdrickt hosch un mit ä paar Gromm mehr uf de Rippe durch die Gegend wackelscht, rote se der, die Schilddries unnersuche zu losse, denn bei dä Ilse, dä Gerda oder dä Erna war des ähnlisch und hot iwerhaupt nix mit dene unzählische Sahnetorte zu tu ghabt.

Isch frog misch, wie isch iwerhaupt hab so alt werre könne. Isch weeß jo gar nix. Isch bin iwerhaupt net lebensfähig in derre schrecklische Welt: „Lasset die Mütter zu mir kommen…“

Isch hab uf des alles keen Bock mehr. Mittlerweil bin isch single-gebildet durch moin männlische Single-Haushalt mit eener Single-Erfahrung, die mer kee Mutter der Welt mehr wegnehme konn. Isch weeß jetzt, dass Biggelwäsch im Schronk ned schimmelt un sehr long lagerfähisch bleibt. Durch Fenschterscheiwe konn mer immer durchgucke, ah wenn se dreckisch sin. Un wenn du durchs Küschefenschter sowieso bloß uf die Hauswond vum Nachbar guckscht, reicht des, wenn du dich zweemol im Johr mit dene Scheibe befasst. – Un wenn du nach sechs Woche die Wohnung putze tust, werd’s genauso sauwer, als tätscht du des jeden Tag mache, dauert bloß ä bissl länger. Die Zeit hoscht awwer vorher schun durch Nixmache locker roi gholt.

Isch hab halt keen Bock mehr uf Verschtehe, uf Verschdäntnis, uf Emphadie. Isch konn des Gejommer nimmer heere.

Suche? Wer sucht n do wen? Isch such nix! Un vorallem werb isch net um irgendwelche Gunscht. Isch bin weder än Jäger noch än Minnesänger, der ähni im Elfebeeturm bezirze will. Wenn sich irgend ähni der ‚Holden‘ fer misch intressiert, soll se die Hond strecke. Zeig disch! Isch bin nämlich keen Hellseher!
Wenn isch iwerhaupt was such, donn genau die hochgschtreckte Händ. Wobei diejenische, die misch wege ihrer Blickverschiebung die gonz Zeit iwersehe hawwe, gern die Finger unne losse därfe. Es schtehe genug Laminatverleger bereit, die ins Beuteschema passe. Mol so newebei: solle jo eigentlisch die Männer soi, die immer bloß ‚das Eine‘ wollen und suchen.

Isch konn’s nimmer heere, des Gschwätz, des jämmerlische Laminat…, Laminatier… Lamentieren. –

Ou….ou…isch muss raus do, raus aus dem Badezimmer! Des is doch ned normal, das isch seit gut eener halwe Schdund moi Spiegelbild ohkeif und mir selwer ähn Vortrag halt.

Außerdem betrifft misch des jo ah gar net: isch – hab ‚Teppichbodde‘.

© Rolf Höge

Mit Mundart, Mannheimer Dialekt, besser gesagt ‚Monnemerisch‘ bewege ich mich auf einem für mich neuen Feld.Gerne baue ich solche Texte in meine Autorenlesung ein.

Angst

Vorrübergehend außer Gefecht gesetzt. Vorrübergehend, weil es ja wieder besser werden kann. Alles bleibt außen vor, abgeschottet von der Welt, zurückgezogen in sich selbst mag er nur entfliehen.

Diese verdammten Tabletten, ein ganzes Chemiewerk, was er da täglich in sich hineinstopfen muss. Der Nutzen überwiegt die Nebenwirkungen, meint der Arzt. Wieder diese Schmerzen, den Weg bahnend für die Angst, die ihn gefangen hält. Je mehr er entfliehen will desto stärker kreisen die Gedanken um diese Angst, fokussieren sie, machen sie mächtig und groß bis sie seinen Körper kontrolliert.

Diese vielen Ratschläge. Nach vorne schauen, die Zukunft gestalten. Und er spürt diese Fesseln, die das Wissen am Handeln hindern und weiß nicht, wann er sich die angelegt hat. So invalid, so versehrt fühlt er sich nach diesem Eingriff, so vollkommen ohne Einfluss, so unvorbereitet hart konfrontiert mit seiner Endlichkeit.

Aufstehen, sagt er sich, aktiv sein, nach vorne schauen und Licht erzeugen in dem Grau, an das er sich klammert, weil Grau immer noch lebendiger ist als tot.

Nichts ist mehr wie früher. Ein Herzinfarkt und dieser Bypass bringt ihm die Sorglosigkeit der Vergangenheit nicht wieder zurück. Da war jemand in seinem Körper und damit lebt er nun, zumindest heute.

© rh

Ist das Kunst?

Ob es Kunst ist, was ich erschaffe, fragte mich vor kurzem ein Kollege. Ich zuckte die Schultern, denn tatsächlich habe ich keine Ahnung, ob das, was ich da ab und an kreiere, die studierte Fachwelt als Kunst bezeichnet, nicht einmal, wer zu dieser sogenannten Fachwelt zu zählen ist.

Schreiben, wenn mir danach ist, abstrakt malen, wenn mir danach ist, texten und singen, wenn mir danach ist. Eindrücke aufnehmen, verarbeiten daraus etwas Neues schaffen, womit der eine etwas anfangen kann der andere vielleicht weniger. So ungefähr läuft das ab.

Mir steht ein Gehirn zur Verfügung, das Prozesse wie ein Computer verarbeitet. Die Software, die verwendet wird, enthält meine Fähigkeit, zu produzieren sowie meine inneren Glaubenssätze, frühe Prägungen und meine Wahrnehmungsfilter, auf denen sich der Verarbeitungsprozess aufbaut. – Das ist schon alles. / rh

Hand-Zeichnung

Ich lade Sie gerne ein, auch meine Homepage zur Autorenlesung zu besuchen.

Kaum einer da

Diese Sonnenstrahlen
hätten wir gewünscht,
untergehakt im Vorwärtsrennen.

Der Schal und Wolfi
wie schnell man auf die Fresse fällt beim Laufen.

Geduckt durch die Weißhelm-Alee
leergebrüllt

Momentan
kein Wasser auf den Straßen.
Auch sonst kaum einer da.

Die Taube fliegt
neuerdings
im Internet.

(c) Rolf Höge

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