Danke für die Blumen

Mit einem Blumenstrauß bedankte sich die AHG-Klinik in Bad Dürkheim für die Autorenlesung „Meine Schreibe…“, die ich gestern dort durchführte. Der Rahmen, in dem ich einen Querschnitt aus über zwanzig Jahren Textarbeit vorstellte, ließ viel Raum für Nähe und Interaktion zwischen den Teilnehmern und mir, dem Autor.

Authentische Texte, gefühlvolle Lyrik und wohltuende Heiterkeit veranlasste das Publikum mir durchweg positives Feedback über die Lesung zu geben. „Ein gelungener Abend“, meinte dazu eine Zuhörerin, „eine willkommene Bereicherung.“

Für mich eine erfreuliche Bestätigung als Autor.

Ein Rumpsteak ist überschaubar

Sie wollen also Ihr Leben verändern. Okay, womit fangen Sie an? Meist sind Menschen, die behaupten, sie wollten ihr Leben verändern, mit ihrem Vorhaben vollkommen überfordert. Es ist, als gingen sie in ein Restaurant,um eine Kuh zu bestellen, obwohl das Rumpsteak reichen würde.

Vielleicht würde Ihnen ein Eimer Farbe schon weiterhelfen, um beispielsweise Bad oder Flur zu streichen. Womöglich wäre auch schon ein Blatt Papier und ein paar Pinsel in einem Kurs von Sabine Feickert das Richtige.

Wenn Sie Ihre Lebensqualität jede Woche nur um ein Prozent verbessern, können Sie sich leicht ausrechnen, wie viel Lebensfreude Sie in einem Jahr zusätzlich gewonnen haben werden. Kein 100-Meter-Läufer käme auf die Idee, die gesamte Strecke in einem Sprung zurück zu legen. Er läuft sie Meter für Meter ab.

Weshalb sich also die große Kuh vorstellen, wenn ein Rumpsteak überschaubarer ist?

(c) rh

Sozialpartner

Bei uns im Betrieb gerade wieder sehr aktuell:

SOZIALPARTNER

Gestatten ?
fragte der Fuchs.
Selbstverständlich,
antwortete die Gans.
Wir sind ja Partner,
sagte der Fuchs.
Sozialpartner,
ergänzte die Gans.
Wir,
begann der Fuchs,
werden uns schon einig,
endete die Gans.
Dann drehte sie sich um,
die dumme Gans.
Da biß er zu,
der schlaue Fuchs.

© rh

Aus „Jenseis von Oggersheim“ (1987) Hrsg. Werkstatt Mannheim im Werkkreis Literatur der Arbeitswelt.

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Die Abenteuertapete

Mit staunenden Augen muss ich geschaut haben, als mein Vater die große Wand im Wohnzimmer tapezierte: Eine ganze Wand voll mit Segelschiffen, die schnurstracks in ihre kleinen Fischerhäfen einliefen. Die Abenddämmerung lag über den Häfen und mir war als könne ich zwischen den Fischerhäuschen und den Segelschiffen spazieren gehen.

In den Wintermonaten lag ich oft auf unserer Wohnzimmercouch, eingehüllt in die behagliche Wärme des eisernen Kohleofens in der Zimmerecke, der stets dafür sorgte, einen klitzekleinen Geruch von verbranntem Feuerholz und Russpartikeln in meine zehnjährige Nase ziehen zu lassen und betrachtete die neue Tapete. Im Geborgensein der Nachmittagsstille lud sie mich ein, in eines ihrer aufgedruckten Boote zu steigen, Abenteuer zu ersinnen um dann endlich müde, aber zufrieden wieder in einem der stillen Häfen vor Anker zu gehen. Doch meistens war ich schon eingeschlafen, bevor mein Segler den Heimathafen erreicht hatte.

Meine Abenteuertapete musste irgendwann einer Mustertapete mit bunten Kringeln weichen. Und so wagte ich meinen Ausblick hinaus in die große, weite Welt nicht selten durch einen Roman aus der Leihbücherei, in dessen fabulöse Handlung ich dann stets versank, wenn ich nachmittags nach der Schule auf meiner Couch ruhte. Doch schon nach dem Genuss einiger Seiten in dieser anderen Realität, begannen sich meine Augenlider dann zu senken und ich driftete mit geschlossenen Augen in eine meiner vielen Phantasiegeschichten ab, deren Ausgang ich nur sehr selten erlebte. Meistens schlief ich schon zu Beginn meiner Phantasterei entspannt und zufrieden ein.

© rh

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Fesselnde Angst

Vorrübergehend außer Gefecht gesetzt. Vorrübergehend, weil es ja wieder besser werden kann. Alles bleibt  außen vor, abgeschottet von der Welt, zurückgezogen in sich selbst mag er nur entfliehen. 

 

Diese verdammten Tabletten, ein ganzes Chemiewerk, was er da täglich in sich hineinstopfen  muss. Der Nutzen überwiegt die Nebenwirkungen, meint der Arzt. Wieder diese Schmerzen, den Weg bahnend für die Angst, die ihn gefangen hält. Je mehr er entfliehen will desto stärker kreisen die Gedanken um diese Angst, fokussieren sie, machen sie mächtig und groß bis sie seinen Körper kontrolliert.

 

Diese vielen Ratschläge. Nach vorne schauen, die Zukunft gestalten. Und er spürt diese Fesseln, die das Wissen am Handeln hindern und weiß nicht, wann er sich die angelegt hat. So invalid, so versehrt fühlt  er sich nach diesem Eingriff, so vollkommen ohne Einfluss,  so unvorbereitet hart konfrontiert mit seiner  Endlichkeit.

 

Aufstehen, sagt er sich, aktiv werden, nach vorne schauen und  Licht erzeugen in dem Grau, an das er sich klammert, weil Grau immer noch lebendiger ist als tot. 

 

Nichts ist mehr wie früher. Ein  Herzinfarkt und vor allem die  Bypass-Operation bringt ihm die Sorglosigkeit der Vergangenheit nicht wieder zurück. Da war jemand in seinem  Körper und damit lebt er nun, zumindest heute.

 

© rh

 

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Wer Tee trinken will, muss ihn kochen

Nach einem überstandenen Herzinfarkt, zwei Stents und einer Bypass-Operation fiel ich in ein tiefes psychisches Loch. Ich empfand es als eine Ungeheuerlichkeit, meine Wenigkeit mit der Endlichkeit des Lebens konfrontiert zu sehen und degradierte mich selbst zu genau dieser „Wenigkeit“ herab. Der geringste Schmerz im Brustraum löste eine lähmende Angst aus. Mein Selbstwertgefühl war vollkommen aufgebraucht und ich fühlte mich hilflos all jenen Menschen ausgeliefert, die mehr über meinen Körper Bescheid wussten als ich selbst.

 

Immer mehr griff auch die Depression nach mir. Vor herunter gelassenen Jalousien zog ich mich in die scheinbare Sicherheit meines Bettes zurück und wartete auf den nächsten Tag, in der Hoffnung, diesen zu erleben. Ich wusste, ich sollte aktiv werden, um aus der Depression herauszukommen, kannte den Weg, konnte ihn aber nicht gehen. Mir schien, als müsse ich an die Hand genommen werden, um langsam wieder an diesem Leben teilzunehmen und etwas Sicherheit zu finden.

 

Bereits nach meiner Operation fühlte ich mich körperlich und psychisch so schwach, dass ich mir fachärztliche Hilfe suchte. Auf diesem Weg fand ich langsam aus der Depression heraus. Selbstverständlich wurde mir auch bewusst, dass ich meinen Körper nicht nur durch Zigaretten ständig geschädigt hatte, sondern ihm auch durch Stress und berufliche Höchstleistungen einiges abverlangt hatte. Ich nahm weder den Stress am Arbeitsplatz noch den mit meinem persönlichen Umfeld und schon gar nicht den Stress, den ich mir selbst bereitete, ausreichend wahr .  Probleme gab es, um bewältigt zu werden, Sorgen, um sie zu ertragen, Ärger, um ihn abzuschütteln. Ich stand ständig unter Spannung, fraß regelrecht meine Zigaretten und mein Körper schickte mir, um das in einer Metapher auszudrücken, einen Herzinfarkt und setzte damit dem Treiben zunächst einmal ein Ende. Und in der anschließenden Depression konnte er sich erholen.

 

Diese Erkenntnis alleine nutzt aber nur dann etwas, wenn daraus auch eine Veränderung eingeleitet wird. Ich erinnerte mich an  meine NLP-Lehrtrainerin, Dr. Gundl Kutschera, die bei fast jeder Gelegenheit betonte: „Wer immer nur das tut, was er schon immer getan hat, bekommt auch immer nur das, was er schon immer bekommen hat.“

 

Und so beschloss ich, zukünftig mein Leben etwas umzugestalten, andere Ursachen zu setzen, um dadurch zu für mich besseren Ergebnissen zu gelangen. Über das Rauchen brauchte ich mir dabei keine Gedanken mehr zu machen: mit dem Herzinfarkt hatte ich auch aufgehört zu rauchen und meinem Körper sechzig Zigaretten pro Tag weniger zugeführt. Da ich sehr an meinem Leben hänge, hält das Nichtraucherdasein bis heute an.

 

Das Wesen einer Depression, sagte ich mir, liegt unter anderem darin, sich vor der Umwelt abzuschotten, keine Kontakte mehr zu pflegen. Jahrelange, vollkontinuierliche Schichtarbeit hatte ihren Beitrag zur Isolation wohl ebenso dazu geleistet, wie meine derzeitige, andauernde beziehungsfreie Phase. Ich musste also Aktivitäten finden, die mich zwingen, die Wohnung zu verlassen und mit Menschen in Kontakt zu kommen.

 

Nun bin ich beispielsweise was das Lernen von Fremdsprachen anbelangt ein Autodidakt: ich lerne gerne selbst  mit Audio-CDs oder am PC, was bislang dazu führte, dass ich Spanisch schon seit mehreren Jahren immer wieder von vorne zu lernen beginne, ohne dass wirklich viel verwertbares hängen bleibt. Also beschloss ich, mich in einen Kurs an der Volkshochschule einzuschreiben und nun auf diesem Weg die Sprache zu erlernen. Mein Spanisch kann dadurch nur besser werden, und ich bin gezwungen, samstags in den Unterricht zu gehen.

 

Aber ich brauchte das Rad ja nicht ganz neu zu erfinden, und eine Ärztin und sehr gute Psychotherapeutin, auf die ich während meiner Genesung glücklicherweise traf, stieß miMeine Schreibe-für Flyer2ch immer wieder mit der Nase auf meine Fähigkeiten. Ein ehemaliger Mitteilnehmer aus einem früheren NLP-Practitioner-Kurs meinte sogar: „Lass dich nicht von deinen Symptomen leiten, sondern von deinen Fähigkeiten.“ Nun, seit mehr als zwanzig Jahren beschäftige ich mich mit dem Schreiben. Ich schreibe Kurzgeschichten, Gedichte, Glossen und gelegentlich einmal einen Artikel. Früher, als es noch kein Internet gab, konnte ich ein paar meiner Geschichten auch in der Tageszeitung veröffentlichen. Als ehemaliges  Mitglied im Werkkreis Literatur der Arbeitswelt fand meine Kurzprosa auch in der Anthologie „Jenseits von Oggersheim“ Platz. Auch an einigen Lesungen hatte ich damals teilgenommen.

 

So reifte in mir der Gedanke, meine Texte neu zu sortieren und mit einer Auswahl davon unter dem Motto „Meine Schreibe…“ erneut an die Öffentlichkeit zu gehen. Da ich nicht der eitle Autor bin, der horrende Summen an Druckkostenzuschussverlage zahlt, nur um sein eigenes, kaum verkaufbares Buch in der Hand zu halten, legte ich mir eine Homepage an, mit der ich auf meine Autorenlesung aufmerksam mache. Auf dieser Homepage biete ich nun meine Texte auch  zum kostenlosen download an. Zusätzlich brannte ich meine Werke als Audio-CD zum Anhören.

 

Meinen Ratgeber „Quo vadis, Alki„, den ich hauptsächlich für abstinent lebende Alkoholiker geschrieben hatte, und der in meiner Schreibtischschublade vor sich hin träumte, stellte ich als downloadbares ebook ins Internet. Dasselbe machte ich mit meinem Ratgeber „Visionen finden – Ziele setzen„, in dem ich unter anderem den Zielrahmen aus dem NLP vorstelle.

 

So verschaffte ich mir also eine neue Art von geistlicher Beweglichkeit, die mich konstruktiv fordert und mir Spass macht. Meiner körperlichen Beweglichkeit und dem sehr unangenehmen Übergewicht, das sich durch das Nichtrauchen eingestellte, trage ich durch eine veränderte Ernährungsweise und durch meine Besuche im Fitness-Studio Rechnung. Das ist das Schwerste an all dem Neuen, weil es sehr viel Geduld erfordert und ein geduldiger Mensch bin ich nun nicht gerade. Aber dafür gibt es ja die Lernfelder.

 

Nein, ich fühle mich noch lange nicht so gesund, wie ich das gerne hätte, aber der Weg dorthin stimmt. Und den gehe ich konsequent. Vielleich werde ich zukünftig auch workshops gestalten. Da ist der letzte Gedanke noch nicht gedacht. Denn ich denke, wer Tee trinken will, muss ihn kochen.  

 

© rh

 

 

Illusion

weggeschlossen
die wahrhaftigkeit
hinter das herz verbannt
unspürbar gemacht

blassbunt
die welt bemalt
bis zur erschöpfung
die illusion genährt

damit sie nicht platzt
wenn ich
dann doch
sehen muss

© rh

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Man getraut sich ja kaum

Man getraut sich ja kaum,
man weiß ja nicht, wie es wäre,
mache man es falsch.

Man würde es ja versuchen,
würde man sich getrauen wollen,
mache es womöglich richtig, aber
man getraut sich ja kaum.

© rh

Aus meiner Autorenlesung Meine Schreibe

Auf dem Weg zum Frauenversteher

Mir fallen da spontan zwei Varianten ein, die ich gut kenne:

1. Sie nehmen an, dass Nichts die Abesenheit von Etwas ist und versuchen wiederum durch Etwas (egal was) dieses Nichts zu füllen. Meistens ein erfolgloses Unterfangen, weil Sie in der Regel Reaktionen bekommen wie „du nervst“, „hör auf mich zu bevormunden“, „wenn ich sage nichts, meine ich auch nichts“ usw…

2. Sie erkennen glasklar, dass das Nichts nur scheinbar vorhanden ist und Frau sich tatsächlich bereits in einem inneren Dialog mit dem Anwalt befindet.

Wenn Sie diese beiden Varianten verinnerlicht haben, sind Sie vom Frauenversteher auch nicht mehr weit entfernt.