Danke für die Blumen

Mit einem Blumenstrauß bedankte sich die AHG-Klinik in Bad Dürkheim für die Autorenlesung „Meine Schreibe…“, die ich gestern dort durchführte. Der Rahmen, in dem ich einen Querschnitt aus über zwanzig Jahren Textarbeit vorstellte, ließ viel Raum für Nähe und Interaktion zwischen den Teilnehmern und mir, dem Autor.

Authentische Texte, gefühlvolle Lyrik und wohltuende Heiterkeit veranlasste das Publikum mir durchweg positives Feedback über die Lesung zu geben. „Ein gelungener Abend“, meinte dazu eine Zuhörerin, „eine willkommene Bereicherung.“

Für mich eine erfreuliche Bestätigung als Autor.

Der zweite Teil des Interviews mit Rolf Höge

Zufriedene Abstinenz – Interview mit Rolf Höge Teil 2
Der zweite Teil des Interviews mit Rolf Höge:

Der Weg in die zufriedene Abstinenz – bedeutet das letztendlich, für alle Situationen, in denen zuvor der Alkohol eine Rolle gespielt hat, neue Wege zu finden?

Es bedeutet zunächst einmal, eine Entscheidung zu treffen, nämlich die Entscheidung abstinent leben zu wollen. Damit ändert man die Blickrichtung von ‚ich will nicht mehr trinken’ hin zu ‚ich will zufrieden abstinent leben’

Wenn ich also diese Entscheidung getroffen habe, dann steht mir das ‚Lösungsmittel’ Alkohol in all den Problemsituationen nicht mehr zur Verfügung. Sich nach Stresssituationen abends gemütlich mit einem Glas Rotwein zu entspannen, taugt für einen Alkoholiker nicht als Entspannungsmethode. Sich mal eben etwas Mut anzutrinken, bevor man beispielsweise eine Frau zum Tanzen auffordert, ist ebenfalls nicht angesagt. Das Gefühl, sich ausgegrenzt zu fühlen, weil man auf Partys keinen Alkohol trinkt, kann man nicht einfach mal so wieder wegsaufen. Wenn die Entscheidung zur Abstinenz wirklich getroffen wurde, steht die Krücke Alkohol nicht mehr zur Verfügung. Und dann ist es tatsächlich so als würde man das Laufen neu lernen.

Aus diesem Grund halte ich auch Selbsthilfegruppen …

Weiter geht es auf der Seite von Sabine Feikert mit dem gesamten Interview (Teil 1+2)

Die Bilderhebamme Sabine Feickert bringt Kreativität in die Welt

Sie nennt sich Bilderhebamme und hilft Kreativitätsschwangeren ihre inneren Bilder auf Papier zu bringen. Gemeint ist Sabine Feickert aus Heuchelheim bei Ludwigshafen in Rheinland-Pfalz.

„Diese Bilder helfen schwierige Situationen zu klären“, meint Sabine Feickert zu ihrem Projekt ‚Malen befeit’. „Seien es nun körperliche, familiäre oder berufliche Veränderungen.“

Für Sabine Feickert offensichtlich ein Weg des ‚Loslassens’, den sie mit ihren Workshop-Teilnehmern geht. Losgelöst von künstlerischen Maltechniken steht dabei der Malprozess im Vordergrund. „Was hier geschieht“, schreibt die Malbegleiterin auf ihrer Homepage, „bleibt im Atelier. Niemand bewertet oder interpretiert Deine Bilder.“

Ein durchaus von Spass und guter Laune geprägter Weg, seine innere Balance wiederzufinden und neue Kraft zu schöpfen.

Doch nicht nur zu den inneren Bilder, die wir in uns tragen, hat Sabine Feickert etwas zu bieten. Ob es die Darstellung ihrer Arbeit mit Kindern ist oder ihre Tätigkeit als Mitautorin in einem Schwangerschaftsblog: die Bilderhebamme bringt Kreativität in die Welt.

Ein Rumpsteak ist überschaubar

Sie wollen also Ihr Leben verändern. Okay, womit fangen Sie an? Meist sind Menschen, die behaupten, sie wollten ihr Leben verändern, mit ihrem Vorhaben vollkommen überfordert. Es ist, als gingen sie in ein Restaurant,um eine Kuh zu bestellen, obwohl das Rumpsteak reichen würde.

Vielleicht würde Ihnen ein Eimer Farbe schon weiterhelfen, um beispielsweise Bad oder Flur zu streichen. Womöglich wäre auch schon ein Blatt Papier und ein paar Pinsel in einem Kurs von Sabine Feickert das Richtige.

Wenn Sie Ihre Lebensqualität jede Woche nur um ein Prozent verbessern, können Sie sich leicht ausrechnen, wie viel Lebensfreude Sie in einem Jahr zusätzlich gewonnen haben werden. Kein 100-Meter-Läufer käme auf die Idee, die gesamte Strecke in einem Sprung zurück zu legen. Er läuft sie Meter für Meter ab.

Weshalb sich also die große Kuh vorstellen, wenn ein Rumpsteak überschaubarer ist?

(c) rh

Sozialpartner

Bei uns im Betrieb gerade wieder sehr aktuell:

SOZIALPARTNER

Gestatten ?
fragte der Fuchs.
Selbstverständlich,
antwortete die Gans.
Wir sind ja Partner,
sagte der Fuchs.
Sozialpartner,
ergänzte die Gans.
Wir,
begann der Fuchs,
werden uns schon einig,
endete die Gans.
Dann drehte sie sich um,
die dumme Gans.
Da biß er zu,
der schlaue Fuchs.

© rh

Aus „Jenseis von Oggersheim“ (1987) Hrsg. Werkstatt Mannheim im Werkkreis Literatur der Arbeitswelt.

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Die Abenteuertapete

Mit staunenden Augen muss ich geschaut haben, als mein Vater die große Wand im Wohnzimmer tapezierte: Eine ganze Wand voll mit Segelschiffen, die schnurstracks in ihre kleinen Fischerhäfen einliefen. Die Abenddämmerung lag über den Häfen und mir war als könne ich zwischen den Fischerhäuschen und den Segelschiffen spazieren gehen.

In den Wintermonaten lag ich oft auf unserer Wohnzimmercouch, eingehüllt in die behagliche Wärme des eisernen Kohleofens in der Zimmerecke, der stets dafür sorgte, einen klitzekleinen Geruch von verbranntem Feuerholz und Russpartikeln in meine zehnjährige Nase ziehen zu lassen und betrachtete die neue Tapete. Im Geborgensein der Nachmittagsstille lud sie mich ein, in eines ihrer aufgedruckten Boote zu steigen, Abenteuer zu ersinnen um dann endlich müde, aber zufrieden wieder in einem der stillen Häfen vor Anker zu gehen. Doch meistens war ich schon eingeschlafen, bevor mein Segler den Heimathafen erreicht hatte.

Meine Abenteuertapete musste irgendwann einer Mustertapete mit bunten Kringeln weichen. Und so wagte ich meinen Ausblick hinaus in die große, weite Welt nicht selten durch einen Roman aus der Leihbücherei, in dessen fabulöse Handlung ich dann stets versank, wenn ich nachmittags nach der Schule auf meiner Couch ruhte. Doch schon nach dem Genuss einiger Seiten in dieser anderen Realität, begannen sich meine Augenlider dann zu senken und ich driftete mit geschlossenen Augen in eine meiner vielen Phantasiegeschichten ab, deren Ausgang ich nur sehr selten erlebte. Meistens schlief ich schon zu Beginn meiner Phantasterei entspannt und zufrieden ein.

© rh

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Anderssein

Neulich erschien er in roten Schuhen. Es lag nicht in seiner Absicht, damit aufzufallen. Er zog sich nun mal rote Schuhe an. Sie wollten ihn darauf ansprechen, unterließen es aber.

Manchmal schwiegen sie eben. Manchmal rieben sie auch einfach sein Gesicht mit Schnee ein oder klatschten seinen Kopf gegen die Türe des Klassenzimmers.

Und neulich ragten diese roten Schuhe unter der Decke hervor, und sie passten farblich so gut zu der Pfütze daneben.

 © rh

 

Hier eine kurze Erläuterung, damit ich auch verstanden werde.

Ja, es geschah „neulich“. Doch eigentlich geschieht es täglich, wenn auch nicht immer mit so einem Ausgang: das Ablehnen Andersdenkender, das Bewerten von Menschen nach ihrer Herkunft oder Religion. Auch das Zuschlagen, weil man den anderen nicht versteht und das Fragen nicht gelernt hat, die Interpretation „das muss falsch sein“, weil es nicht der eigenen Weltsicht entspricht .

Die roten Schuhe im Text sind ein Symbol für das Anderssein. Man kann rote Schuhe anziehen, einfach weil man ein Recht dazu hat, rote Schuhe anzuziehen. So wie man ein Recht dazu hat, rückwärts zu laufen oder auf Händen zu gehen. So wie eine Frau beispielsweise einen Minirock anziehen darf, ohne sich unterstellen lassen zu müssen, dass sie auf Wirkung aus wäre.

Jeder Mensch hat das Recht auf Individualität und aus dem Recht auf Individualität erwächst wiederum jedem Menschen das Recht auf Anderssein. Weshalb sollte er also Aufmerksamkeit erregen wollen, nur weil er in roten Schuhen erschien?

Er erschien neulich nun mal in roten Schuhen.

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Fesselnde Angst

Vorrübergehend außer Gefecht gesetzt. Vorrübergehend, weil es ja wieder besser werden kann. Alles bleibt  außen vor, abgeschottet von der Welt, zurückgezogen in sich selbst mag er nur entfliehen. 

 

Diese verdammten Tabletten, ein ganzes Chemiewerk, was er da täglich in sich hineinstopfen  muss. Der Nutzen überwiegt die Nebenwirkungen, meint der Arzt. Wieder diese Schmerzen, den Weg bahnend für die Angst, die ihn gefangen hält. Je mehr er entfliehen will desto stärker kreisen die Gedanken um diese Angst, fokussieren sie, machen sie mächtig und groß bis sie seinen Körper kontrolliert.

 

Diese vielen Ratschläge. Nach vorne schauen, die Zukunft gestalten. Und er spürt diese Fesseln, die das Wissen am Handeln hindern und weiß nicht, wann er sich die angelegt hat. So invalid, so versehrt fühlt  er sich nach diesem Eingriff, so vollkommen ohne Einfluss,  so unvorbereitet hart konfrontiert mit seiner  Endlichkeit.

 

Aufstehen, sagt er sich, aktiv werden, nach vorne schauen und  Licht erzeugen in dem Grau, an das er sich klammert, weil Grau immer noch lebendiger ist als tot. 

 

Nichts ist mehr wie früher. Ein  Herzinfarkt und vor allem die  Bypass-Operation bringt ihm die Sorglosigkeit der Vergangenheit nicht wieder zurück. Da war jemand in seinem  Körper und damit lebt er nun, zumindest heute.

 

© rh

 

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