Rotkehlchens Rückführung zum femininen Ursprung

Rotkehlchens Rückführung zum femininen Ursprung

Es spinnte sich zu einer Puppe,
man höre, was voran gestellt,
DIE Raupe
und entschwand sodann der Raupenwelt.

Schon bald darauf, nach kurzer Zeit,
erschien das Gegenstück zur Weiblichkeit:
DER Schmetterling
im farbenfrohen Flügelkleid.

Um Gleichklang in den Widerspruch zu bringen,
begann ein Rotkehlchen zu singen.
DAS Vögelein, ganz still und leis’
macht’ aus dem Schmetterling
DIE Vogelscheiß.

© rh

Denkt doch was ihr wollt

denken –
an Weihnacht,
an dich,
an Auschwitz –
denken eben,
vereinzelt,
in Gruppen,
als Denker,
Andersdenker,
Umdenker,
Drandenker,
Wegdenker

und ich –
leergefühlt,
hinweg gedacht

und ihr –
denkt mich immer noch an.

© rh

Aus meiner Autorenlesung „Meine Schreibe…“

Dieser Augenblick

Denkend, suchend in all diesem Gedankengewitter. Vergangenes ruht irgendwo, bewegt sich dann. Zukünftiges nähert sich in Fantasiebildern, langsam verblassend. 

Endlich verschmelzen die Zeiten und gebären diesen einen Augenblick in mir, einem Funken gleich, ohne jegliches Etikett. 

Kurz nur, bis ich wieder wahrnehme: das Vergangene irgendwo, das Zukünftige, sich langsam nähernd. Und ich sitze still. Denkend, wartend auf diesen nächsten einen Augenblick
©  rh                                                                

 

Der Kompromiss

Es schmerzt

gleich einem tiefen Biss:

dein erster

Kompromiss.

 

Den zweiten bis zum sechsten

nimmst du dann  ruhiger hin.

In Folge all die nächsten

sind nicht mehr gar so schlimm.

 

Nach Abertausend

fällt dir ein:

es könnte doch auch anders sein.

 

Du lehnst dich auf und rebellierst,

stellst mutig dich dem Leben hin.

Doch leergefühlt erkennst du dann:

der Biss sitzt tief und mittendrin.

(c) rh

(Aus „Meine Schreibe…“)

Online-Lesung

Okay, ich habe Raimunds Rat befolgt. Er treibt sich mit seinem Schwangerschaftsblog ja auch  lange genug im Netz herum. „Wenn du eine Idee hast“, sagte er, „ dann überlege nicht lange, sondern setze sie einfach um. Korrigieren kannst du immer noch.“

 

Und so kam mir heute morgen die Idee, die Texte zu meiner Autorenlesung nicht nur bei xinxii zum Verkauf anzubieten, sondern sie den Besuchern meiner Homepage als Dankeschön für ihren Besuch kostenlos zum Download bereit zu stellen. Nun kann man meine Texte also auch kostenfrei herunterladen.

 

Da ich mit meiner Seite ja auf meine Autorenlesung hinweisen möchte, findet man jetzt neu neben jedem Gedicht oder Prosastück eine einzelne Audio-Datei als mp3, die man sich ebenfalls frei downloaden kann.

 

Wer nun meine Lesung als pdf-Datei in den Händen hält, der kann sich gemütlich  zurück lehnen und auf Online-Lesung klicken. Hier findet er sogar meine komplette Autorenlesung in zwei mp3–Dateien. Jetzt fehlt eigentlich nur noch, die Lesung in Video-Clips darzustellen. Aber auch das kommt  sicher noch.

 

Am Anfang steht der Satz

Und so sitze ich nun wieder an meiner Tastatur, gebe die Worte ein, die mir spontan einfallen und weiß noch nicht genau, was ich schreiben will. Das ist oft so.

Dieses Bild sehe ich vor mir, das mich immer wieder auffordert, es zu skizzieren, sichtbar zu machen. Es drängt hinaus, will lebendig werden und fordert meinen Versuch, ihm Leben einzuhauchen. Leben wie ich es mir vorstelle. Szenisch ist es, fast schon filmreif, aber noch nicht beschrieben. Noch nicht existent für den schemenhaft vor mir auftauchenden Leser, der nur darauf wartet Filme zu sehen, Kopfkino zu erleben.

Die Länge des Textes ist egal, einfach fließen lassen. Ich habe keine Ahnung wie es aussgeht. Bilder führen selbst. Worte sind es, die ich brauche. Manchmal fliegen sie mir zu, manchmal weigern sie sich zu mir zu kommen, mich zu inspirieren. Ich schaffe ein Gewand, ich schaffe spürbare Sicht. Nur nicht nachdenken, einfach drauf los schreiben, kommen lassen. Zeit ist morgen, übermorgen. Jetzt ist jetzt.

Es klackert leise auf der Tastatur. Früher klackerte die Schreibmaschine laut in den Ohren, Musik des Autors. Weißes, unbeschriebenes Papier damals, fordernd und bereit, meine Lippen zu sein und sei es auch nur als Alibi für zurück gehaltene Sprache.

Auf ein Neues. So fängt es immer an. Am Anfang seht der Satz.

(c) rh