Einst wachte ich des Morgens auf

Einst wachte ich des Morgens auf,
Töpfe schlugen laut wie Glocken,
Füße tappten hin und her.
Mir war als wollt’ das Herz mir stocken:
die Brut kennt den Respekt nicht mehr!

So schrie ich auf, befahl die Stille:
merkt ihr nicht, dass ich noch schlafen will?

Verstummt sind heute all die Glocken,
einsam ist es

und so still.

© rh

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Die Sternengeburt

Kennt noch jemand Alexander Klaws, Eli Erl oder Tobias Regner? Drei Sterne, die am Sternenhimmel von Deutschland sucht den Superstar kurz aufflammten, um dann im Glanze der nachfolgenden Staffel wieder zu erlöschen. Lediglich der Gewinner der vierten Staffel dürfte heute noch ein Begriff sein, was schon sein Auftritt in der heutigen Sendung von DSDS verdeutlicht. Nicht der Gewinner des Vorjahres, Daniel Schuhmacher, präsentiert seinen neuesten Song, sondern der 2007 gewählte Superstar und Bohlen-Liebling Mark Medlock höchst persönlich.

Und dann sind da noch die Kandidaten der siebten Staffel, die heute Abend das Halbfinale bestreiten und die wohl nächstes Jahr auch wieder verlöscht sein werden. Also rauf auf die Couch, die Chips raus und mit einem großen ‚Gähn’ den nächsten Schritt zur Sternengeburt mitgehen oder einfach mit der Fernbedienung weiterzippen und schauen, wie und wo die Kabelgebühren noch verbraten werden.

© rh

Steh auf und geh!

Sie haben dich gerettet. Nach mehr als acht Stunden stellten sich diese schrecklichen Magenschmerzen als Herzinfarkt heraus, als Hinterwandinfarkt. Der Schmerz ist vorüber. Du spürst nicht einmal, dass da etwas war. Zwei Stents wurden gesetzt, das Blut fließt wieder. Ein Herzkranzgefäß konnte nicht geöffnet werden, muss sich schon vor langer Zeit geschlossen haben. Eine Bypass-Operation raten sie dir.

Und du fragst dich nach dem Sinn. Der Infarkt zeigte dir deutlich, du bildest keine Ausnahme, auch du bist sterblich. Und du fragst dich nach dem Sinn, spürst die Angst in dir. Nicht die Angst vor dem Tod, sondern die Angst, alles zu verlieren, die Angst, jede Erinnerung ausgelöscht zu bekommen. Und du fragst nach dem Sinn.

Ein halbes Jahr später kommt die Bypass-Operation. Diesmal ist der Schmerz nicht vorüber. Nur langsam lernst du wieder ein paar Treppen zu steigen. Sie bereiteten dich nicht ausreichend darauf vor. Wenn du einen weißen Arztkittel siehst, steigen die Tränen hoch, du kannst es nicht verhindern, sie kommen ungefragt. Und du fragst dich nach dem Sinn. Wie viele Lebensjahre rechtfertigen diesen Eingriff. Du wirst gehen müssen, irgendwann. Vielleicht morgen, vielleicht in ein paar Jahren. Man gewährte dir noch etwas Zeit.

„Es war nur ein leichter Infarkt. Man sieht ihn kaum. Damit können Sie locker noch über zwanzig Jahre leben“, sagten sie dir. Und du leidest so sehr, dass du mit dieser Zeit nichts anfangen kannst, sie aber auch nicht hergeben möchtest.

Und du fragst dich nach dem Sinn.

Und eines Morgens wachst du auf und die Sonne scheint. Sie scheint wieder, auch für dich. Und du erkennst, dass du der Zeit ihren eigenen Sinn geben musst.: „Steh auf und geh!“

© rh

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Die Depressionsinsel

Heute trage ich sie zu Grabe. Heute, am Karfreitag, beende ich ihre Daseinsberechtigung. Gestern schon, als ich mir zugestand, dass ich mir ein neues Fahrrad wert sein darf, zeichnete sich ihr Ende ab.

Jahrelang leistete sie mir gute Dienste, war immer für mich da, wenn das Leben mit seinen Wogen über mich herein brach, mir mit Verletzung oder gar dem frühen Tod drohte. Sie richtete mich scheinbar auf, wenn ich Ablehnung erfuhr. Sie hüllte mich geborgen ein und verlangte mir kein Handeln ab.

Sie nährte meine Verlustfantasie, rechtfertigte die Dunkelheit um mich herum, die verschlampte Couch, die Schokoladenflecken, meine Fettleibigkeit und das nach Abwasch schreiende Geschirr in der Küche. Sie sorgte für mein schlechtes Gewissen, das mich stets wieder zu ihr führte. Sie war schneller als jedes Selbstwertgefühl, das in mir hochstieg, machte mir einerseits meine Winzigkeit bewusst und katapultierte mich andererseits nach jeder scheinbaren Niederlage in den Größenwahn. Hier war ich Opfer, hier durfte ich sein: auf meiner Depressionsinsel.

Ich trage sie heute zu Grabe und mit ihr das Opfer mit seinen Verlustfantasien. Dankbar gebe ich ihr das letzte Geleit. Sie zeigte mir die Schatten, ließ mich überleben. Sie stirbt für mich, als Vorbereitung auf die Lebendigkeit, die durch ihren Tod nun in mir auferstehen kann.

© rh

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Die Parkbank

regenverschmutztes weiß

in milchigen schwaden

von blattlosen dornen

umhüllt –

ruhend

in der stille

bis zur neuen last

im frühjahr

© rh

Dieses Gedicht entstand im Spätherbst 2009 im Kurpark von Bad Dürkheim. Sollten Sie Interesse an einer Autorenlesung haben, dann besuchen Sie doch meine Homepage und erfahren Sie mehr über mich.

Beziehungslos

Weshalb ich denn in keiner Beziehung lebe, wollte eine Frau wissen.
Weil mir die Frauen alle davongelaufen seien, antwortete ich.
Weshalb denn, fragte mich die Frau weiter.
Ich wisse es nicht, sagte ich ihr.
Das glaube sie nicht, meinte sie, drehte sich um und lief davon.

© rh

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