Würde ich sagen
es geht mir schlecht,
so entspräche es nicht der Wahrheit.
Würde ich sagen
es geht mir gut,
müßte ich kotzen.
Aber –
es geht!
Und das ist weitaus besser
als ginge es nicht.
(c) rh
Würde ich sagen
es geht mir schlecht,
so entspräche es nicht der Wahrheit.
Würde ich sagen
es geht mir gut,
müßte ich kotzen.
Aber –
es geht!
Und das ist weitaus besser
als ginge es nicht.
(c) rh
Sie haben dich gerettet. Nach mehr als acht Stunden stellten sich diese schrecklichen Magenschmerzen als Herzinfarkt heraus, als Hinterwandinfarkt. Der Schmerz ist vorüber. Du spürst nicht einmal, dass da etwas war. Zwei Stents wurden gesetzt, das Blut fließt wieder. Ein Herzkranzgefäß konnte nicht geöffnet werden, muss sich schon vor langer Zeit geschlossen haben. Eine Bypass-Operation raten sie dir.
Und du fragst dich nach dem Sinn. Der Infarkt zeigte dir deutlich, du bildest keine Ausnahme, auch du bist sterblich. Und du fragst dich nach dem Sinn, spürst die Angst in dir. Nicht die Angst vor dem Tod, sondern die Angst, alles zu verlieren, die Angst, jede Erinnerung ausgelöscht zu bekommen. Und du fragst nach dem Sinn.
Ein halbes Jahr später kommt die Bypass-Operation. Diesmal ist der Schmerz nicht vorüber. Nur langsam lernst du wieder ein paar Treppen zu steigen. Sie bereiteten dich nicht ausreichend darauf vor. Wenn du einen weißen Arztkittel siehst, steigen die Tränen hoch, du kannst es nicht verhindern, sie kommen ungefragt. Und du fragst dich nach dem Sinn. Wie viele Lebensjahre rechtfertigen diesen Eingriff. Du wirst gehen müssen, irgendwann. Vielleicht morgen, vielleicht in ein paar Jahren. Man gewährte dir noch etwas Zeit.
Es war nur ein leichter Infarkt. Man sieht ihn kaum. Damit können Sie locker noch über zwanzig Jahre leben, sagten sie dir. Und du leidest so sehr, dass du mit dieser Zeit nichts anfangen kannst, sie aber auch nicht hergeben möchtest.
Und du fragst dich nach dem Sinn.
Und eines Morgens wachst du auf und die Sonne scheint. Sie scheint wieder, auch für dich. Und du erkennst, dass du der Zeit ihren eigenen Sinn geben musst.: Steh auf und geh!
© rh
Sollten Sie Interesse an einer Autorenlesung haben, besuchen Sie meine Homepage.
Zum Geburtstag
wünsch ich mir
Liebe, Freundschaft und
Kartoffelklöße.
Rotkraut auch,
das gönn ich mir
Gesundheit
etwas Fleisch von meiner Ente,
die in der Röhre
ich jetzt wende.
Fürwahr –
es wird ein toller Tag,
weil dies Menu
ich gerne mag.
© rh
Heute trage ich sie zu Grabe. Heute, am Karfreitag, beende ich ihre Daseinsberechtigung. Gestern schon, als ich mir zugestand, dass ich mir ein neues Fahrrad wert sein darf, zeichnete sich ihr Ende ab.
Jahrelang leistete sie mir gute Dienste, war immer für mich da, wenn das Leben mit seinen Wogen über mich herein brach, mir mit Verletzung oder gar dem frühen Tod drohte. Sie richtete mich scheinbar auf, wenn ich Ablehnung erfuhr. Sie hüllte mich geborgen ein und verlangte mir kein Handeln ab.
Sie nährte meine Verlustfantasie, rechtfertigte die Dunkelheit um mich herum, die verschlampte Couch, die Schokoladenflecken, meine Fettleibigkeit und das nach Abwasch schreiende Geschirr in der Küche. Sie sorgte für mein schlechtes Gewissen, das mich stets wieder zu ihr führte. Sie war schneller als jedes Selbstwertgefühl, das in mir hochstieg, machte mir einerseits meine Winzigkeit bewusst und katapultierte mich andererseits nach jeder scheinbaren Niederlage in den Größenwahn. Hier war ich Opfer, hier durfte ich sein: auf meiner Depressionsinsel.
Ich trage sie heute zu Grabe und mit ihr das Opfer mit seinen Verlustfantasien. Dankbar gebe ich ihr das letzte Geleit. Sie zeigte mir die Schatten, ließ mich überleben. Sie stirbt für mich, als Vorbereitung auf die Lebendigkeit, die durch ihren Tod nun in mir auferstehen kann.
© rh
Gerne dürfen Sie sich auf meiner Homepage über meine Autorenlesung informieren.
Wenn der Mensch Schöpfer seines eigenen Theaterstücks ist, das er Leben nennt, ist es dann nicht irre, dass sich so viele grundsätzlich für die Statistenrolle entscheiden?
(c) rh
regenverschmutztes weiß
in milchigen schwaden
von blattlosen dornen
umhüllt –
ruhend
in der stille
bis zur neuen last
im frühjahr
© rh
Dieses Gedicht entstand im Spätherbst 2009 im Kurpark von Bad Dürkheim. Sollten Sie Interesse an einer Autorenlesung haben, dann besuchen Sie doch meine Homepage und erfahren Sie mehr über mich.
Eine weitere Zeichung auf orangefrabenem Papier aus der Reihe „Sitzungsbilder“. Entstanden während einer Sitzung des Betriebsrates.

Gerne lade ich Sie auch ein, meine Homepage zu besuchen. Gönnen Sie sich eine Online-Lesung.
Weshalb ich denn in keiner Beziehung lebe, wollte eine Frau wissen.
Weil mir die Frauen alle davongelaufen seien, antwortete ich.
Weshalb denn, fragte mich die Frau weiter.
Ich wisse es nicht, sagte ich ihr.
Das glaube sie nicht, meinte sie, drehte sich um und lief davon.
© rh
Holen Sie sich doch einfach eine Autorenlesung in Ihre Räumlichkeiten.
Es ist nicht immer einfach zu erklären, weshalb in der Nachtschicht solche Zeichnungen entstehen…

(c) rh
Manchmal lerne ich Menschen kennen, die ihre Bestimmung oder ihre Berufung im Leben offensichtlich gefunden haben. Da lächelt mich die Marktfrau an, der man überhaupt nicht ansieht, dass sie schon seit drei Uhr morgens auf den Beinen ist. Abends kommt der Pizzabote, der immer einen flotten Spruch auf den Lippen hat.
Und da bin eben ich mit hängenden Mundwinkel, fast erschlagen von soviel Fremdzufriedenheit. Auch ich kannte einmal das Gefühl, endlich angekommen zu sein, vergaß dann jedoch, weiter zu gehen. Und jetzt renne ich meiner Bestimmung hinterher. Blödes Spiel…
© rh
Gerne lese ich in Ihren Räumlichkeiten eine Auswahl meiner Lyrik und Kurzprosa aus zwei Jahrzehnten Textarbeit. Lesezeit: ca. 1 Stunde.