Den inneren Prozessen Ausdruck verleihen

Kunst gleicht für mich einer Wiedergeburt dessen, was wir an Eindrücken, Erlebnissen und Gefühlen aus der Umwelt aufnehmen. Dies wird unbewusst verarbeitet, transformiert und als etwas neu Geschaffenes wieder an die Außenwelt zurückgegeben.

Innere Glaubenssätze, frühe Prägungen, Wahrnehmungsfilter, aber auch die jeweilige Tagesverfassung beeinflussen dabei den inneren Verarbeitungsprozess und mit jedem Kunstwerk, das geschaffen wird, ist etwas Neues, Individuelles geboren worden.
Seelenfeuer

Diesen inneren Prozessen durch gestalterisches Wirken – gleich welcher Art – Ausdruck zu verleihen, bedeutet für mich Kunst.

überrollt

Wenn ich schreibe, male oder gestalte, wenn ich eigene Songs zur Gitarre singe, wenn ich Text und Bild zusammen bringe, bin ich in Kontakt mit mir und dem, was in mir ist. Ich erlebe das als etwas sehr Persönliches, Eigenes und ich bin durchaus geneigt, diese Prozesse als meine individuelle, spirituelle Erfahrung zu bezeichnen. Eine andere Definition dafür finde ich zurzeit nicht.

© rh

Blue

Gerne lade ich Sie ein, auch einmal meine Homepage zu besuchen, und vielleicht haben Sie ja auch einmal Lust auf eine Autorenlesung. Eine schöne Zeit wünsche ich Ihnen

Rolf Höge

Werbeanzeigen

Höher als alle Vernunft

Stell dir vor, aus irgendeinem Grund kommst du von deinem Weg ab und läufst mitten hinein in ein weites Feld aus Kot und Abfall, einem stinkenden Sumpf, der die Beine schwer macht und Kraft kostet. Doch du gehst weiter und mit jedem Meter nimmst du diesen beißenden Geruch nicht mehr so wahr, bis er schließlich ganz verschwindet. Du marschierst weiter und irgendwann wird das Gehen auf diesem Weg für dich zur Normalität. Plötzlich begegnen dir Menschen. Du spürst, sie wollen dich von irgendetwas wegholen, dir etwas zeigen, und sie rufen dir zu, es gebe noch einen anderen Weg ganz in der Nähe. Sie verstehen nicht, weshalb du die Nase rümpfst und verbittert im Gestank läufst.

Und da machst du sie zu deinen Gegnern, die dich vom Weg abbringen wollen, der doch deiner ist. Gegner, die dich belehren wollen, dir ihre Wahrheit überstülpen wollen.
Und Recht hast du, es ist dein Weg, du hattest dich einmal dafür entschieden, ihn zu gehen. Aber du hast dabei vergessen, dass du ihn eigentlich nicht gehen wolltest, aber dann alles vermieden hast, eine andere Richtung einzuschlagen. Du hast jede Übelkeit unterdrückt, den Gestank von Kot in Kauf genommen und dies in deinen Gedanken für dich so lange gerechtfertigt, bis es für dich zur Normalität geworden ist.

Du wirst diese Normalität kaum verlassen können, so lange du nicht vertraust, dass da noch etwas anderes existiert für dich, etwas, was du kennst, irgendwie fühlst, aber nicht mehr benennen kannst. Solange du ausgestreckte Hände als Bedrohung interpretierst und Menschen, die von einer anderen Realität, einem anderen Weg, einem anderen Leben erzählen als Gegner verstehst, wirst du weiter in der Kloake laufen, womöglich irgendwann erwachen und um dich herum stinkt es. Manchmal bedarf es eben eines Stück Vertrauens.

Menschen, die dir so im Laufe der Zeit auf dem eingeschlagenen Lebensweg begegnen, können Impulse sein, einmal etwas anderes auszuprobieren. Du musst nicht auf ihren Wegen wandeln, eher vielleicht dein Feindbild vom Gegner für dich neu überdenken.

Und dann hör in dich hinein, schule dich im Fühlen und vielleicht wirst du da etwas hören oder empfinden, was dir zuflüstert: „Vertrau!“

Manche nennen das Glauben andere Urvertrauen und wieder andere Wissen, mit dem Verstand kaum zu begreifen, denn es scheint ‚höher als alle Vernunft‘.

© Rolf Höge

Besuchen Sie auch meine Homepage

Religion und Spiritualität

Ich bin kein religiöser Mensch. Ich denke, Religion wurde von Menschen erfunden und für Menschen gemacht. Religion benötigt für seine Existenz ein Regelwerk in Form von Ritualen und Verhaltensanweisungen. Religion versucht, den Grund menschlichen Daseins zu erklären, nicht zu untersuchen. Religion fragt nicht nach dem Sinn, Religion liefert den Sinn. Und für viele ist es genau das, was sie in ihrem Leben suchen: eine Antwort auf die Frage, was der Sinn des Lebens sei. Vor diesem Hintergrund erfüllt jede Religion für ihre jeweiligen Anhänger ihren Zweck, wenn sie dem religiösen Bild zusätzlich Lebensmodelle hinzufügt, nach denen die Gläubigen ihrem Glauben entsprechen können, und wenn sie das menschliche Bedürfnis nach Gemeinschaft und Zugehörigkeit bedient.

Die Frage nach der Existenz eines Gottes wird aus der jeweiligen Religion heraus regelmäßig bejaht, wobei grundsätzlich die konkrete oder abstrakte Vorstellung der Religionsgemeinschaft über das Gottesbild als Grundlage für die Beantwortung dieser Frage dient. Der Glaube daran wird eingefordert, das Nichtglauben mit Konsequenzen belegt.

Kürzlich fragte ich meinen Sohn, der sich zur Evangelischen Feikirche zählt, ob er denn tatsächlich an Gott glaube. Ja, antwortete er, er sei davon überzeugt. Ob er denn an diesen Gott Abrahams glaube, wie er in der Bibel beschrieben ist, an den himmlischen Vater, wollte ich dann weiter wissen. Ja, bezeugte er. Ich erklärte ihm, dass es mir absolut unverständlich ist, wie jemand an ein Wesen außerhalb seiner selbst glauben kann, das einen derartig stark ausgeprägten Minderwertigkeitskomplex hat. Denn wie anders könne man es nennen, wenn der himmlische Vater von seinem geliebten Abraham verlangt, dass dieser den Sohn zur Schlachtbank führe, um Gott, dem gütigen Vater, seine Liebe zu beweisen. Das ist Nötigung, das ist Machtmissbrauch. An diesen biblischen Gott kann ich leider nicht glauben, auch wenn dieser Tausende von Jahren nach diesem Ereignis entschied, von nun an für die Christen ein gütiger, liebender Gott zu sein. Zumal der zur Erlösung gesandte Sohn erst im 4. Jahrhundert nach seiner Geburt vom römischen Kaiser, also von einer weltlichen Instanz, zum Sohn Gottes und diesem wesensgleich gekürt wurde.

Von der philosophischen Essenz her sehe ich mich eher dem traditionellen, ursprünglichen Buddhismus zugeneigt. Das hat zwei Gründe. Zum einen sucht der Buddhismus nicht nach dem Sinn des Lebens und liefert dazu auch keine Erklärung ab. Nach der Überlieferung suchte Buddha die Gründe für die Entstehung allen Leids und die Lösung für die Auflösung allen Leids. Zusammengefasst kann man sagen, dass alles Leid durch den Menschen entsteht und durch diesen auch aufgelöst werden kann. Da gibt es nichts außerhalb des Menschen selbst, das steuert oder regelt. Zum anderen machte Buddha, sofern man der Überlieferung glauben kann, aus seinen Erkenntnissen keine Glaubensfrage. Er forderte seine Anhänger nicht auf, ihm zu glauben, sondern riet ihnen, seine Erkenntnis durch eigenes Erleben, durch eigene Erfahrung zu überprüfen. Ein weiterer Grund für die Unterscheidung zwischen klassischem Buddhismus und Religion, ist die Frage des Gebets. Ein Buddhist betet nicht zu irgend etwas oder zu irgend jemandem außerhalb von ihm. Ein Buddhist geht in die Kontemplation, er meditiert über eine Fragestellung, ein Thema.

Doch wie ich oben schon geschrieben habe: der Mensch hat ein Bedürfnis nach Gemeinschaft, nach Zugehörigkeit. Er möchte die Frage nach dem Sinn des Lebens beantwortet haben, er sucht nach Sinn für sein Dasein. Und so wurde aus dem ursprünglichen Buddhismus schnell eine Religion mit allen Facetten: mit Geistern der Verstorbenen, mit Gebetsmühlen, mit Wiedergeburten, mit so ziemlich allem, was zu einer waschechten Religion dazu gehört, inklusive Hierarchieebenen der Religionsführer und Unterdrückung des einfachen Volkes, worüber man in unserer westlichen Welt nicht viel wissen will, wenn es beispielsweise um die mittelalterlichen, menschenverachtenden Unterdrückungsmethoden durch tibetische Lamas geht.

Doch trotz allem bin ich ein spiritueller Mensch. Nein, kein Esoteriker. Esoterik und Spiritualität kommt für mich nur in den seltensten Fällen zusammen. Esoterik ist ein riesengroßer, legitimer Wirtschaftsmarkt mit einem Milliarden-Umsatz jährlich allein in Deutschland, mit der großen Zielgruppe der Sinnsuchenden, der Fragenden. Auch wenn Buchverlage dazu übergehen, ihre Produkte immer weniger als Esoterik zu klassifizieren, sondern in der Rubrik Lebenshilfe oder Spiritualität einzuordnen, hat das mit der Spiritualität wie ich sie für mich definiere nicht viel zu tun. Und wenn die liebe Gerda aus D-Stadt sich über eine Telefon-Hotline ihre Zukunftsfragen beantworten lässt, hat Gerda wohl eher ein Problem mit sich selbst als mit ihren Lebensumständen. Nur weiß sie das in der Regel nicht und insofern ist auch das okay.

Für mich liegt der erste Schritt des Erfahrens der eigenen Spiritualität darin, zu erkennen, dass es eine Wahrheit gibt. Nicht mehr und nicht weniger. Ich tue hier nun dasselbe, was Religionen tun, wenn sie die Schöpfung ‚Gott’ nennen. Ich gebe dem, was ist, einen Namen, etikettiere es und nenne es „Wahrheit“. Und Wahrheit ist alles, was ist. Nicht mehr und nicht weniger. Ich möchte erklären, was ich damit meine und was es für mich bedeutet.

Noch zu Anfang des Mittelalters galt der Donner während eines Gewitters für die Menschen damals als ein Ausdruck des Zornes Gottes. Selbst meine Mutter sprach noch in den 1950ern Jahren davon, dass der liebe Gott sich ärgere und es deshalb draußen blitze und krache. Heute weiß man, dass der Donner dadurch entsteht, dass sich aufgeheizte Luft in einem Blitzkanal schnell ausdehnt, die Luft in Schwingung versetzt und dadurch den Knall verursacht. Für uns hörbar, weil die Schwingung der Luft auf einen Resonanzboden in Form unserer Trommelfelle trifft. Das ist eine Wahrheit. Diese Wahrheit ist aber nicht erst seit der Erforschung des Gewitters entstanden. Diese Wahrheit war schon immer da. Diese Wahrheit existiert und wird weiter existieren.

Was für mich nun die ganze Sache spirituell macht, in Form von Wahrhaftigkeit, wird vielleicht durch die folgende, spannendere Feststellung noch deutlicher:

Wenn ich meinen Daumen betrachte, so ist dieser Daumen zwar ein Teil von mir, aber ich bin nicht mein Daumen. Nimmt man von meinem Daumen eine DNA – Probe, so findet man darin alle Informationen, die meinen Daumen eben einen Daumen sein lassen. Aber man findet in dieser Probe auch alle Informationen, um mich als Mensch komplett nachbauen zu können und eben nicht nur meinen Daumen. Gehen wir hinunter zu meinem kleinen Zeh, finden wir dort dasselbe Phänomen: alle Informationen, damit mein kleiner Zeh zu einem kleinen Zeh werden konnte, aber auch alle Informationen, um mich komplett nachzubauen. Eine Art Gesetzmäßigkeit, die nicht erst seit der Entdeckung der DNA existiert. Eine Wahrheit, die schon immer war, die ist und sein wird. Eine schöpferische Wahrheit, die nichts fordert, nichts verlangt, die keine Glaubensbekenntnisse aufstellt. Eine schöpferische Wahrheit, die für sich gesehen neutral ist und einfach existiert.

Zu Erkennen, dass es eine grundlegende Wahrheit gibt, die wir durch unsere Forschungen in manchen Bereichen aufgedeckt haben und in anderen Bereichen eben noch nicht, ist für mich der Beginn eines spirituellen Pfades. Jedes auch noch so kleine In-Berührung-Kommen mit dieser Wahrheit, dieser Wahrhaftigkeit, sei es durch Forschung und Entdeckung, durch Kontemplation, durch Meditation ist für mich ein spirituelles Highlight.

Diese Wahrhaftigkeit einem Glaubenssystem einzuordnen oder es mit dem abgelutschten Etikett ‚Gott’ zu versehen, macht sie zu einem Konstrukt, beraubt sie ihrer Neutralität und entzieht ihr aus meiner Sicht jeden schöpferischen Aspekt.

Vielleicht ist der eine oder andere Leser geneigt, mir meine Spiritualität abzuerkennen, weil er das, was ich hier schreibe so ganz und gar nicht spirituell betrachten kann, fehlt doch irgendwie der religiöse, verklärende, mystische Bezug. Nun, das ist für mich auch okay. Gestern gab es diesen Artikel noch nicht, nicht einmal die Absicht, einen solchen Artikel zu schreiben. Heute vormittag waren alle Sätze plötzlich vorhanden, nicht über einen einzigen Satz musste ich nachdenken. Ich schrieb es einfach auf, und es mag ja durchaus sein, dass ich mich irre und nach meinem Tod vollkommen erstaunt sein werde, auf diesen christlichen Gott zu treffen. Dann wird er sich allerdings ein paar Fragen von mir zu der Nötigung von Abraham gefallen lassen müssen. Bis dahin…

© rh

Außer mit dieser Art von Artikeln in meinem blog, befasse ich mich auch mit dem Schreiben von Lyrik und Kurzgeschichten. Sofern Sie sich dafür interessieren, besuchen Sie doch meine Homepage „Meine Schreibe…“