Kritik: ja – Hetze: nein! (in eigener Sache)

Sogenannte ‚besorgte Bürger‘, Patrioten mit negativer Blickrichtung auf Geflüchtete, sind für mich nicht gleichzusetzen mit Islam-Kritikern. – Da wird Fremdenfeindlichkeit und Intoleranz hinter dem Mantel der Besorgnis und Kritik versteckt. Da wird Freiheit, insbesondere die Meinungsfreiheit schändlich für politische Zwecke benutzt. Am Rande von Straftatbeständen spielend, kokettiert man mit der freien Meinungsäußerung. Mehr braucht man nicht vom Grundgesetz.

Nahezu widerlich finde ich es, wenn solche Verbrechen wie in Paris für dieses rechte, abscheuliche Weltbild benutzt werden, um offen weiter gegen Flüchtlinge und Ausländer zu hetzen, wenn aus unfassbarem, wahllosem Morden, auf dem Rücken so vieler Opfer politischer Gewinn heraus geschlagen werden soll, um Wählerstimmen am rechten Rand abzufischen. – Kritik an Religion: ja, Hetze: nein! –

Mit Kritikern kann man diskutieren, man hat beidseitig die Chance, seine Meinung unter Umständen zu revidieren. Wirklich besorgte Menschen kann man ernst nehmen, mit ihnen über Realität und Interpretation sprechen, sie hören in der Regel auch zu, und man kann von seinen eigenen Befürchtungen berichten. Mit Hetzern aber und denjenigen, die nur Bestätigung für ihre vorgefasste Meinung suchen, lässt sich nicht diskutieren. – Das erlebe ich in zunehmender Weise fast täglich, privat und beruflich. –

Für mich ist ein fester, ethischer Standpunkt wichtig, um mich weder vom abendländlichen noch vom orientalischen Regligionsgefaßel einfangen zu lassen. Menschlickeit lässt sich nicht in ein religiöses oder ‚abendländliches‘ Korsett stecken. Das Streben nach einem freiheitlichen und selbstbestimmten Leben muss für alle Menschen gelten.

Rolf Höge

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DU

stille klingt
wie apfelessig
vom übermessenen löffel
auf das salatblatt tropfend
in nasenflügel ziehend
als wäre er etwas
besonderes
so still

stille apfelessig sw

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Proud Mary kocht was Gutes

Du denkst an nichts Schlimmes und da steht sie plötzlich vor dir. Nicht so wie du sie von früher kennst, nein, sondern mit satten Rundungen um die Hüften, kurz geschnittenem Haar und einem breiten Grinsen im Gesicht.

„Kennst du mich noch?“, säuselt sie. Weshalb sollte ich sie nicht kennen. Ich hatte sie ja angebetet, damals in der siebten Klasse. Wie sie während des Englischunterrichts immerfort mit ihrem langen, gewelltem Haar spielte, mit ihren strahlenden Augen lachte, und wie sie durch ihre zum angehenden Weibe erwachten Figur Signale an alle Jungs der Welt aussandte, wenn sie im Pausenhof zu Proud Mary von Tina Turner tanzte.

„Die Hanna!“, sage ich und reiche ihr die Hand.
Statt mir die Hand zu geben, tätschelt sie sich leicht die Hüften.
„Ja, die Hanna“, meint sie, “und mit den Jahren bin ich ein wenig rundlich geworden. Meine gute Küche, sagt mein Mann. Du hast dich aber kaum verändert.“
„Och, ja“, heuchele ich Verlegenheit. “Bin auch älter geworden. Was machst du so?“
„Verheiratet, zwei Kinder und eine Enkelin.“
„Toll.“
„Ja, toll. Die Kleine kommt jetzt schon bald in den Kindergarten. Und du?“
„Zweimal geschieden, aber auch Kinder.“
„Musst du zahlen?“
„Nein, für die Kids nicht mehr, aber für die Ex immer noch. Die ist krank.“
„Aha. – Na ja, melde dich doch mal. Kannst ruhig mal vorbei kommen. Ich koche uns auch was Gutes. Dann lernst du auch mal meinen Mann kennen.“

Als sie weggeht, schaue ich auf ihre Hüften, die Beine entlang bis hinunter zu ihren dunkelblauen, flachen Schuhen, in denen sich ihre mir breit erscheinenden Füße verstecken, um Schritt für Schritt vor sich hin zu tapsen. Da ist nichts mehr von Weiblichkeit, keine Tina Turner für pubertierende Jungs. Da schwingen keine subtilen Aufforderungen mehr mit den Hüften, da wurden die siebziger Jahre abgeschüttelt als hätten sie nie existiert, und alle Frauenpower verpufft in der traditionellen Mama, Hausfrau und Oma.

Ihren Mann kann ich kennen lernen, sagte sie, und sie koche auch was Gutes.

‚Oh, Hanna‘, denke ich, ‘wann hast du nur kochen gelernt? ‘

© Rolf Höge

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Hauptsach eensachtzisch groß

Hauptsach eensachtzisch groß un in dä Laag, Laminat zu verlege. Mehr erwart se net, die modern, Rollebilder ablehnende Fraa mit Höheverschiebung im Blick. In so ähner Beziehung uf Augehöh därf donn schun mol äh Steigung däbei soi, damit se schää nuff gucke konn, wenn er mol widda fremdgonge is. Un wenn er dodävu donn noch verschwitzt äh Bierflasch halte konn, wirkt er sogar noch rischdisch sexy

Hauptsach eensachtzisch groß un in dä Laag, Laminat zu verlege.

Natierlisch schoint bei aller Greeß donn aah wischdisch, dass der Ausgewählte sich selwer gegeiwer ufgschlosse is und Gfühle zeige konn.

Gfühle! – Himmel nochemol, Ärger is kee Gfühl, he? – Ärger is sogar ä sattes Gfühl, meine Damen, awwer sowas vun satt!

„Des is Dominonz, des is Machtohschpruch.“ meent se donn, die Isch-wees-was-isch-will-Fraah. „Also sei still und verleg weiter Laminat“.

Mensch, was hab isch die Nas voll. Isch konn’s nimmer heere. Immer des Gleiche Beuteschema und donn schdändisch des Gejommer. Awwer Hauptsach eensachtzisch groß. Als durchschnittlicher Wissenslewwel vun dem Riese reicht’s schun aus, wenn er wees, dass ä Buch aus bedruckte Seite beschteht. Mehr braucht er ja ah net zu wisse fers Laminatverlege. Lese muss der Zukünftische bloß om Laptop kenne.

Escht, Leit, isch konn des Piense nimmer mehr heere. So isses halt ämol: wenn Fraa immer des Gleiche sucht, kriegt se halt ah des, was se schun immer kriegt hot.

Un donn sin do noch die onnere ‚feminine Gschöpfe‘ mit normaler Blickrichtung, fer die so maskuline Adribuhde nebesäschlisch sin: die Mütter.

Himmel, was sin in dere Welt Mütter unnerwegs, die ständisch Ziehsöhn suche. Sie wolle der die Welt erkläre, wisse gonz genau, was fer disch rischdisch un gut is. Wenn ämol än Schwoinshaxe verdrickt hosch un mit ä paar Gromm mehr uf de Rippe durch die Gegend wackelscht, rote se der, die Schilddries unnersuche zu losse, denn bei dä Ilse, dä Gerda oder dä Erna war des ähnlisch und hot iwerhaupt nix mit dene unzählische Sahnetorte zu tu ghabt.

Isch frog misch, wie isch iwerhaupt hab so alt werre könne. Isch weeß jo gar nix. Isch bin iwerhaupt net lebensfähig in derre schrecklische Welt: „Lasset die Mütter zu mir kommen…“

Isch hab uf des alles keen Bock mehr. Mittlerweil bin isch single-gebildet durch moin männlische Single-Haushalt mit eener Single-Erfahrung, die mer kee Mutter der Welt mehr wegnehme konn. Isch weeß jetzt, dass Biggelwäsch im Schronk ned schimmelt un sehr long lagerfähisch bleibt. Durch Fenschterscheiwe konn mer immer durchgucke, ah wenn se dreckisch sin. Un wenn du durchs Küschefenschter sowieso bloß uf die Hauswond vum Nachbar guckscht, reicht des, wenn du dich zweemol im Johr mit dene Scheibe befasst. – Un wenn du nach sechs Woche die Wohnung putze tust, werd’s genauso sauwer, als tätscht du des jeden Tag mache, dauert bloß ä bissl länger. Die Zeit hoscht awwer vorher schun durch Nixmache locker roi gholt.

Isch hab halt keen Bock mehr uf Verschtehe, uf Verschdäntnis, uf Emphadie. Isch konn des Gejommer nimmer heere.

Suche? Wer sucht n do wen? Isch such nix! Un vorallem werb isch net um irgendwelche Gunscht. Isch bin weder än Jäger noch än Minnesänger, der ähni im Elfebeeturm bezirze will. Wenn sich irgend ähni der ‚Holden‘ fer misch intressiert, soll se die Hond strecke. Zeig disch! Isch bin nämlich keen Hellseher!
Wenn isch iwerhaupt was such, donn genau die hochgschtreckte Händ. Wobei diejenische, die misch wege ihrer Blickverschiebung die gonz Zeit iwersehe hawwe, gern die Finger unne losse därfe. Es schtehe genug Laminatverleger bereit, die ins Beuteschema passe. Mol so newebei: solle jo eigentlisch die Männer soi, die immer bloß ‚das Eine‘ wollen und suchen.

Isch konn’s nimmer heere, des Gschwätz, des jämmerlische Laminat…, Laminatier… Lamentieren. –

Ou….ou…isch muss raus do, raus aus dem Badezimmer! Des is doch ned normal, das isch seit gut eener halwe Schdund moi Spiegelbild ohkeif und mir selwer ähn Vortrag halt.

Außerdem betrifft misch des jo ah gar net: isch – hab ‚Teppichbodde‘.

© Rolf Höge

Mit Mundart, Mannheimer Dialekt, besser gesagt ‚Monnemerisch‘ bewege ich mich auf einem für mich neuen Feld.Gerne baue ich solche Texte in meine Autorenlesung ein.

Ist das Kunst?

Ob es Kunst ist, was ich erschaffe, fragte mich vor kurzem ein Kollege. Ich zuckte die Schultern, denn tatsächlich habe ich keine Ahnung, ob das, was ich da ab und an kreiere, die studierte Fachwelt als Kunst bezeichnet, nicht einmal, wer zu dieser sogenannten Fachwelt zu zählen ist.

Schreiben, wenn mir danach ist, abstrakt malen, wenn mir danach ist, texten und singen, wenn mir danach ist. Eindrücke aufnehmen, verarbeiten daraus etwas Neues schaffen, womit der eine etwas anfangen kann der andere vielleicht weniger. So ungefähr läuft das ab.

Mir steht ein Gehirn zur Verfügung, das Prozesse wie ein Computer verarbeitet. Die Software, die verwendet wird, enthält meine Fähigkeit, zu produzieren sowie meine inneren Glaubenssätze, frühe Prägungen und meine Wahrnehmungsfilter, auf denen sich der Verarbeitungsprozess aufbaut. – Das ist schon alles. / rh

Hand-Zeichnung

Ich lade Sie gerne ein, auch meine Homepage zur Autorenlesung zu besuchen.

Die weiße Taube fliegt nicht mehr

Die weiße Taube fliegt nicht mehr,
sie hat die Lust verloren.
Statt Frieden, den sie stets gewollt,
wird nur mehr Leid und Hass geboren.

Am Himmel fliegt ein Krankenhaus
und tausend Krippenplätze.
Wutlos akzeptieren wir
das schamlose Geschwätze:

Gerade jetzt, gerade hier,
da müssen wir obsiegen.
Niemand darf zu feige sein,
wenn Beine, Arme, Köpfe fliegen.

Die weiße Taube fliegt nicht mehr,
der Tod, er hat sie abbestellt.
Maßlos pervertierte Macht regiert,
und nicht der Mensch die Menschenwelt.

(c) Rolf Höge

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Den inneren Prozessen Ausdruck verleihen

Kunst gleicht für mich einer Wiedergeburt dessen, was wir an Eindrücken, Erlebnissen und Gefühlen aus der Umwelt aufnehmen. Dies wird unbewusst verarbeitet, transformiert und als etwas neu Geschaffenes wieder an die Außenwelt zurückgegeben.

Innere Glaubenssätze, frühe Prägungen, Wahrnehmungsfilter, aber auch die jeweilige Tagesverfassung beeinflussen dabei den inneren Verarbeitungsprozess und mit jedem Kunstwerk, das geschaffen wird, ist etwas Neues, Individuelles geboren worden.
Seelenfeuer

Diesen inneren Prozessen durch gestalterisches Wirken – gleich welcher Art – Ausdruck zu verleihen, bedeutet für mich Kunst.

überrollt

Wenn ich schreibe, male oder gestalte, wenn ich eigene Songs zur Gitarre singe, wenn ich Text und Bild zusammen bringe, bin ich in Kontakt mit mir und dem, was in mir ist. Ich erlebe das als etwas sehr Persönliches, Eigenes und ich bin durchaus geneigt, diese Prozesse als meine individuelle, spirituelle Erfahrung zu bezeichnen. Eine andere Definition dafür finde ich zurzeit nicht.

© rh

Blue

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Rolf Höge